31. Dezember 2007

Antwort auf eine Anfrage für "Bildung zu Hause"

Wir bekommen immer wieder aus der ganzen Welt Anfragen zum Thema Bildung zu Hause, welche wir ernsthaft zu beantworten versuchen. Dabei ist auffallend, wie die meisten Eltern, meistens Frauen, sich erst kurz vor der Einschulung mit der Bildung ihrer Kinder auseinander setzen. Da dieser Prozess für meine Frau und mich gemeinsam bereits vor der Geburt des ersten Kindes begonnen hat, fällt es uns jeweils nicht ganz einfach, uns in die jeweilige Situation hinein zu versetzen. Wir versuchen dabei keine Ratschläge zu erteilen und teilen auch mit, dass wir keine Erfahrungen zu einem entsprechenden Thema haben.

In der Folge berichten wir in einer Antwort über unsere Art, wie wir Bildung zu Hause angehen. Aufgrund der positiven Rückmeldung scheint der Brief gut angekommen zu sein.

_____________________________ 

Herzlichen Dank für Ihre Kontaktaufnahme.

Es ist in der Tat ein spannendes Vorhaben in der Familie Bildung zu Hause zu praktizieren. So wie ich Ihre Mail interpretiere, sind Sie erst am Anfang der Auseinandersetzung. Dies vermute ich, weil in Ihren Fragen die klassischen Fragen von Kritikern und Zweiflern hochkommen. Lernen die Kinder genug? Was sagt die Umgebung? Und viele kennen ein einzelnes Beispiel, bei dem es vielleicht nicht so optimal lief. Weiter entnehme ich Ihrer Mail, dass Unschooling oder Leben ohne Schule für Sie ebenfalls neu ist. Homeschooling ist nicht gleich Homeschooling. Das mussten wir teilweise bitter erfahren. Weiter möchte jeder sofort Kontakt mit einer Familie, bei der es angeblich funktionieren soll. Ja, so ist es bei fast allen. Viele sind uns besuchen gekommen, obwohl ich am Telefon bereits sagte, dass wir eine normale Familie sind und es bei uns nichts Besonderes zu sehen gibt. Das stimmt natürlich nicht, denn unsere 3 Kinder (Nalin 2,5 – Olivia 4 – Sara 7) sind wirklich Besonders. Es soll für die Eltern auch nicht anders sein. Und hier komme ich zum springenden Punkt resp.  zu unserer Philosophie. Es ist ja interessant, dass jede Familie, die mit den Kindern Bildung zu Hause praktiziert, unterschiedlichste Motivationen und Wertsysteme mitbringen. Die einen, und es sind nicht wenige, bringen die christlichen Werte ins Spiel. Diese Familien mit ihren eigenen Weltbildern funktionieren nicht anders als die Schule. Die Kinder sind eine Aufzucht, die zum Heil geführt werden sollen. Ob zum religiösen Heil oder zum kapitalistischen Heil, die Art des Lehrens unterscheidet sich nicht gross. Die anderen, - zu diesen bekennen wir uns, und es sind sehr wenige, argumentieren

1. mit der Art des Lernens und

2. mit der Art, wie mit Menschen umgegangen werden soll.

Wir lehren nicht. Wir halten keine Heimschule. Wir schrauben nicht an den Kindern. Sondern wir gestalten eine entspannte und interessante Umgebung, mit dem Urvertrauen und dem Wissen, dass jedes Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen) die ureigenste Umgebung jeweils assimiliert. Ein Lebewesen kann gar nicht anders, als sich die Umgebung einzuverleiben. Konkret bedeutet dies: in einer lesenden Familie lernen die Kinder automatisch lesen oder etwas krasser, in einer Umgebung mit Belohnung und Bestrafung entstehen Menschen, die später wieder so funktionieren und sich gegenseitig kanibalisieren. Zu dieser Umgebung gehören wir als Eltern und es liegt an uns, wie wir Punkt 1 und Punkt 2 anpacken. Es gibt heute bereits interessante wissenschaftliche Erkenntnisse zu unserer Art, wie wir Bildung zu Hause angehen (siehe z.B. http://www.pro-lernen.ch/blog/2007/12/buchrezension-zu-hause-von-alan-thomas.html). Wir mussten uns in den letzten 8 Jahren tüchtig bilden, indem wir unzählige Bücher gelesen haben. Dabei wurden wir in den Grundsätzen sowohl in unserem Vorgehen als auch in unserer Haltung gegenüber den Kindern bestätigt. Auf unserer Webseite haben wir eine umfassende Bücherliste zur Verfügung gestellt (siehe www.pro-lernen.ch/hilfen.htm).  Weiter führen wir einen Blog, in welchem  wir immer wieder ausführlich über unsere Vorhaben berichten und den „Leuten draussen“ Einsicht in unsere Art Bildung zu Hause geben. Wir haben gelernt, dass Bildung zu Hause etwas Privates ist und keine Familie mit einer anderen vergleichbar ist.

Wir selber wollen eine Familie sein, die teilnimmt an einer modernen oder gar post-modernen Welt. Wir wollen uns weder abschotten, noch hervorheben. Wir wollen mit unserer Autorität unsere Kinder, das Lernen und das Leben ins Zentrum stellen und mit Ihnen die Welt entdecken und dabei selber mit lernen. Wir wollen aber auch mithelfen, dass Bildung zu Hause als valable Alternative etabliert wird, weshalb wir auch unsere Aktivitäten im Web publizieren und auch zu Clonlara einen guten Kontakt pflegen. Wir sind momentan die Kontaktstelle Schweiz für Clonlara International.

So habe ich nun viel geplaudert. Wenn Sie einmal in der Schweiz sind, können Sie jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Herzliche Grüsse

_____________________________

23. Dezember 2007

"Ohne Beruf"

Als ich mit unseren drei Kindern in der nahen Stadt St. Gallen einkaufen ging, spricht mich ein älterer Herr an und bemerkt, dass ich sicher nicht zur Arbeit ginge. Als ich selbstverständlich verneine, obwohl ich eigentlich nur am Arbeiten bin, gibt er mir einen Zettel in die Hand und meint dazu, dass ich zusammen mit den Kindern einen schönen Anblick schenke. Dann ging dieser Mann wieder von dannen.

Auf diesem Zettel stand Folgendes geschrieben:
____________

"Ohne Beruf" - so stand auf dem Pass.
Ich schaute und schaute und staunte nur bass.

"Ohne Beruf" stand da zu lesen,
und dabei ist sie doch das nützlichste Wesen!

Als Köchin für sämtliche Lieblingsspeisen,
als Packer, wenn es geht auf Reisen.

Als Schneiderin, wenn die Kleider zerrissen,
zu Festen bereiten die Leckerbissen!

Als Chirurg, wenn ein Dorn in die Finger gesplittert.
Schiedsmann bei Kämpfen erbost und erbittert.

Als Märchenerzählerin ohne ermüden,
als Hüterin des Hauses Frieden.
Als Puppendoktor, als Dekorateur,
als Gärtner, Konditor und als Friseur,
als Pflegerin in Krankheitstagen.
Unzählige Titel könnte ich noch sagen.

Frauen, die Gott zum Segen erschuf.
Und das nennt die Welt dann "Ohne Beruf"!

____________
* Dieses Gedicht habe ich hier 1zu1 abgebildet.

Als Familie, die Bildung zu Hause praktiziert, könnten wir wirklich noch unzählige Titel hinzufügen.

21. Dezember 2007

Buchrezension "Bildung zu Hause" von Alan Thomas

Soeben habe ich das Buch "Bildung zu Hause - Eine sinnvolle Alternative" von Alan Thomas fertig gelesen. Dabei habe ich das Bedürfnis über das interessante Buch zu berichten. Für eine Familie, die selber Bildung zu Hause praktiziert, ist ein solches Buch natürlich eine spannende Sache. Das Buch wurde bereits im Jahr 1998 in Englisch geschrieben und erst vor kurzem ins Deutsche übersetzt.

Der Pädagogik-Professor Alan Thomas beschreibt in diesem Buch in einer wissenschaftlichen Untersuchung die Erfahrungen von 100 Familien (58 in Australien, 42 in England), die Bildung zu Hause praktizierten. imageIn den ersten Kapiteln werden die theoretischen Grundlagen beschrieben, welche ebenfalls interessant sind. Dann zeigt er die Gründe der Eltern auf, wieso sie sich zu Bildung zu Hause entschieden haben. Der Schwerpunkt im Buch liegt dann darin, wie die verschiedenen Eltern diese Aufgabe angegangen sind. Obwohl die Formen der Bildung zu Hause bei allen Eltern sehr unterschiedlich waren, sich sogar bei verschiedenen Kindern innerhalb einer Familie unterschieden, gab es etwas, das fast allen gemeinsam war: Ihre Vorgehensweisen wurden im Laufe der Zeit immer mehr informell, obwohl fast alle einmal mit formalem Unterricht zu Hause begonnen hatten. Informelles Lernen kann als die Fortführung des Lernens in der frühen Kindheit verstanden werden; eher ein durch alltägliche Lebenserfahrung eintretender geistiger Prozess der Osmose als ein Ergebnis bewussten Belehrens.

Interessant ist, dass zur Zeit, als Alan Thomas das Buch geschrieben hat, noch nichts oder nicht viel über informelles Lernen geforscht wurde. Die gesamte bisherige Forschung war eher auf Lernergebnisse denn auf den effektiven Lernprozess gerichtet.

Das Buch spricht die kritischen Themen der Schule, wie z.B. Gleichaltrigenorientierung, Notwendigkeit um mehr persönlicher Interaktion zwischen Schüler und Lehrer (individuelle Aufmerksamkeit für einzelne Schüler sei im Durchschnitt etwa 2,3% der Unterrichtszeit) oder dass die institutionelle Struktur der Schule mit ihrer einschränkenden Gleichaltrigenkultur die gesunde soziale Entwicklung sogar behindern würde.

Interessant an der Untersuchung war für mich, dass Eltern, die sich von vornherein für Bildung zu Hause entschieden, nicht einmal annähernd in das gängige Klischeebild von Bildung zu Hause passten: Aussteiger, ehrgeizige Eltern, religiöse Fundamentalisten oder Spinner.

Es gibt auch keine Handbücher für informelles, unstrukturiertes Lehren und Lernen. Das Hauptproblem informeller Ansätze gegenüber Ansätzen der Schule ist, nachzuweisen, dass tatsächlich Lernen stattgefunden hat. Viele Eltern haben sich mit der Zeit vom formellen Lernen ins informelle Lernen gewandelt. Dies war weniger so, dass Eltern das informelle Lernen entdeckt hätten, sondern weil sich Kinder dem formell strukturierten Lehren und Lernen widersetzt hätten und sich die Eltern infolgedessen bewusst wurden, wie viel die Kinder auch ohne dieses lernten. Dazu gibt es im Buch zwei ausführliche und interessante Berichte.

Informelles Lernen zu Hause ist etwas ganz Besonderes, das nur zu Hause auftritt, denn dabei ist nur wenig oder gar nichts vorgeschrieben. Informelles Lernen bedeutet nicht, Kinder allein sich selbst zu überlassen. Die Kultur zu Hause muss derart sein, dass sie die intellektuelle Neugier anregt und Lernen ermöglicht und unterstützt. Den Kindern müssen Lernmöglichkeiten und Bildungsmaterialien zur Verfügung stehen. Vor allem muss ein Mentor zur Hand sein, der das Niveau der Tätigkeiten mit Liebe und Respekt bestimmt und bereit ist, in einen Austausch zu treten und Fragen zu beantworten. Kinder sind von Geburt an motiviert, etwas über die sie umgebende Kultur zu erfahren, zu lernen wie man darin überlebt, sie geniesst und sich darin entfaltet. Der grösste Teil dieses kulturellen Lernens, besonders in den ersten Lebensjahren, wird durch uns als Eltern vermittelt. Es gibt also keinen Grund, warum wir damit nicht weitermachen sollen, weit über das Schuleintrittsalter hinaus.

Wir finden uns im Buch zu 100% wieder. Wir kennen die Argumentationen, wir kennen die beschriebenen Lernsequenzen, wir kennen die kritischen Fragen aus eigener Erfahrung. Das Buch schenkt Mut, viele Argumente und auch das Wissen von den unterschiedlichsten Erfahrungen der vielen Eltern und Kindern auf der ganzen Welt, die Bildung zu Hause praktizieren. Es ist ein wertvoller Beitrag, die Monokultur der Bildung mit kleinen, zarten Pflänzchen zu durchdringen.

Wir grüssen alle ganz herzlich und wünschen Frohe Festtage und ein erfülltes Neues Jahr.

10. Dezember 2007

Samichlaus

Die Tradition des Sankt Nikolaus ist in unserer Gegend stark verankert und so stattete auch uns der Samichlaus einen Besuch ab. Wie andere Jahre auch schon war es wieder ein guter Freund von uns, welcher  die Rolle als Samichlaus einnahm. Da er unsere Kinder gut kennt, konnte er ganz spezifisch auf sie eingehen und auch die Gestaltungs-Ideen der Eltern gut integrieren. PC090538 Schon Tage zuvor warteten unsere Kinder aufgeregt auf dieses Ereignis und bereiteten zu dritt ein Tänzchen vor. Mit dem Samichlaus sprachen sie wie mit einem alten Bekannten (vielleicht lag dies an der ihnen vertrauten Stimme!) und sie erzählten ihm so viel, dass er manchmal kaum mehr zu Wort kam. Im Nachhinein wunderte sich Sara, dass der Samichlaus seinen Bart mit der Hand raufziehen konnte. "Du Mama, das hat ausgesehen, als ob das ein Verkleidebart wäre!" Angst vor dem Samichlaus hatten sie noch nie, schliesslich kennen sie auch die Legende des St. Nikolaus und wissen, dass dieser ein lieber Mann war. Aufgrund dieser Legende wollte Sara dann wissen, wo denn die Leute wohnen, die nichts zu essen haben. Dank des Internets und des Buches "Das Bild der Menschenrechte" war es uns möglich,  ziemlich schnell zu Bildern aus verschiedensten Slums zu kommen, welche nicht nur Sara betroffen und mitfühlend machten. So ergeben sich oft ganz unerwartet Lernsituationen, die uns allen neue Horizonte und Sichtweisen eröffnen.

7. Dezember 2007

Rollenspiele

Vor jüngster Zeit durfte Sara eine Zirkusvorstellung besuchen. Ihre Vorfreude darauf war gross und die Nachfreude ebenfalls. Sie baute mit Parkettklötzen das Zirkuszelt nach und ihre Mannli (dazu gehören auch Frauen, Mädchen und Knaben!) spielten alles ganz genau nach. PB270438Rollen-spiele gehören zu unserem Alltag und es vergeht bei uns nicht ein einziger Tag, an dem unsere Mädchen und mittlerweile auch schon Nalin nicht auf irgendeine Art und Weise Rollenspiele machen. Da gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten und die Ideen scheinen ihnen nie auszugehen. Es gibt Tage, an denen sie von früh morgens bis abends  in einem Rollenspiel vertieft sind. Sei es mit kleinen Figürchen, die natürlich alle einen Namen haben von Leuten, die sie entweder kennen und mit denen sie Erlebnisse haben oder aber auch von Leuten, die sie für diese Szene neu erfinden, sei es mit Puppenfiguren, die sie zum Teil selber gebastelt haben und mit PC060519welchen ganze Geschichten (nach) gespielt oder neu erfunden werden, oder sie verkleiden sich selber und schlüpfen so in eine andere Rolle. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sara sagte einmal: "Das ist eben ein Trick von mir. Alles, was ich erlebt habe, spiele ich zu Hause wieder nach!" Oft wird dann mit vielen grossen, kleinen, farbigen, eckigen, runden, langen, kurzen, dicken oder dünnen Holzklötzen das Erlebte nachgestellt. Wir haben alle Variationen von Holzklötzen, was den Kindern viel freien Lauf in ihrer Kreativität mit diesem unstrukturierten Material bietet.

17. November 2007

Alchemistenküche

Unter der Leitidee der Alchymisten früherer Zeiten "solve et coagule", was soviel bedeutet wie "löse und verbinde" oder auch "trenne und füge zusammen", wird in unserer zum Glück sehr grossen Küche täglich Neues ausprobiert. Für unsere Kinder war und ist das Kochen seit dem Babyalter etwas Spannendes und sie schauen mir sehr oft beim Zubereiten und Kreieren einer Mahlzeit zu. Oft helfen sie beim Gemüse rüsten mit, schneiden dieses oder jenes klein, übernehmen das Rühren in einer Pfanne, machen selber einen Dessert, decken den Tisch schön oder sie kochen etwas nach ihren Vorstellungen. Jedes Zubereiten von Nahrung, jedes Kochen eines Gerichtes oder Backen eines Kuchens ist ein alchymischer Prozess, wo viel Kreativität, Experimentierfreude, Phantasie und auch Knowhow eingebracht werden kann.PB170333

Zur Zeit gehört das Kochen zu Sara's Lieblingsbeschäftigungen. Sie kennt inzwischen mehrere Menus, bei denen sie selbständig die Zutaten bereitlegt und dann mit wenig Hilfe meinerseits eine feine Mahlzeit zaubert. Seit kurzem sucht sich Sara aus einem Kinderkochbuch Rezepte aus, liest und studiert diese zuerst und beginnt dann in Begleitung von mir zu kochen oder zu backen. Gestern war es Apfelguetzli, welche wir Eltern sehr gerne gehabt haben, aber Sara selber nicht und heute ein Schoggikuchen.

Während Nalin es geniesst, möglichst nahe bei der Schüssel zu sitzen und ab und zu mal einen Finger oder gar die ganze Hand in die Schüssel tauchen zu lassen, lässt Olivia im Sinne der Nachahmung ihren Ideen in der Spielküche freien Lauf. PB170349

2. November 2007

Philosophischer Hintergrund

Wenn wir den Weg einer Unschooling Familie praktizieren, dann ist es vielleicht von Interesse, auf welchem theoretischen und philosophischen Fundament wir basieren. Auf unserer Webseite haben wir bereits einmal versucht, dies zu beschreiben.

Unser Hintergrund sind verschiedene individuelle pädagogische Erfahrungen in Beruf und Familie. Richtungweisend und ermutigend für unser eigenes Vorhaben sind die Lebenswerke und die daraus gewonnenen Erkenntnisse von pädagogisch Tätigen, die zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und in verschiedenen Bereichen durch praktische Arbeit mit Kindern und Erwachsenen und in Auseinandersetzung mit Fachleuten anderer Wissensgebiete grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung des Menschen gemacht haben. Sie haben Bedingungen gesucht, welche eine bestmögliche, naturgemässe Entfaltung der Menschen gestatten. Ihre Erkenntnisse entsprechen sich zu grossen Teilen und ergänzen sich gegenseitig. Für uns sind dies Gründe genug, ihre Botschaften ernst zu nehmen und uns zu bemühen, sie in unserem Alltag umzusetzen.

Dabei haben wir uns vor allem mit folgenden Personen intensiv beschäftigt:

  • Frédérick Leboyer

  • Jean Liedloff

  • Maria Montessori

  • Rebecca und Mauricio Wild

  • Heinrich Jacoby

  • Emmi Pikler / Magda Gerber

  • John Holt

  • Pat Montgomery

  • Steven Harrison

  • Jiddu Krishnamurti

Obwohl nicht alle der erwähnten Vertreter direkt mit Pädagogik und Schule zu tun haben, ist ihnen allen trotzdem etwas gemeinsam. Sie alle thematisieren die essentielle Grundhaltung des Lebens und des Lernens aufgrund ihrer jeweiligen Umgebung. Es geht nämlich darum, dass jeder Mensch mit einem Potential zur Menschwerdung ausgestattet ist und dass er dazu nicht motiviert, geführt und korrigiert werden muss. Wegweiser sind nicht vorgefertigtes Wissen und das Können anderer, sondern der innere Schatz eines jeden Menschen. Die Zielgerichtetheit und der Wunsch nach Anleitung entwickeln sich von innen heraus ganz von selbst. Dies ist unsere Grundhaltung, die wir jenseits aller moralischen und religiösen Vorgaben in gleichwürdiger Gemeinschaft in unserer Familie praktizieren.

Gerade dieses <von innen nach aussen Prinzip> unterscheidet sich im Wesentlichen vom Prinzip der öffentlichen Schulen und auch von vielen Homeschooling-Familien, welche in ihrer Art grundlegend von aussen nach innen gerichtet sind. In einer öffentlichen Schule werden nach unserer Ansicht Antworten gegeben, auf welche die Kinder gar nie oder nur im glücklichen Ausnahme-Fall die Frage gestellt haben.

Wir unterscheiden uns von einigen Vertretern des <von innen nach aussen Prinzips>, indem wir nicht meinen, dass wir unsere Kinder in eine alternative Schule „schicken“ oder gar eine eigene Schule gründen sollten.

Auf wissenschaftlicher Ebene haben wir uns im Speziellen mit folgenden integralen Wissenschaftlern auseinander gesetzt und vertraut gemacht:

  • Humberto Maturana und Francisco Varela (Neurobiologen)

  • Joseph Chilton Pearce (Pädagoge und Neuropsychologe)

  • Jesper Juul (Familientherapeut)

  • Hartmut von Hentig (Bildungsphilosoph)

  • Ekkehard von Braunmühl (pädagogischer Freidenker)

  • Jean Piaget (Entwicklungspsychologe)

  • Jean Gebser (Kulturphilosoph)

  • Ken Wilber (Bewusstseinsforscher)

Diese grossen Denker, Wissenschaftler und Praktiker erwähnen wir hier, nicht um zu zeigen, wie belesen wir seien, sondern weil wir praktischen Bezug auf sie nehmen. Es fliessen auch noch andere grosse Strömungen in unseren eigenen Bildungsweg, wie z. B. die indische Vedanta-Philosophie, welche wir ebenfalls intensiv studiert und auch praktiziert haben. Unsere Herkunft führt uns im heutigen Kontext mit ganzer Klarheit auf den "Bildung zu Hause"-Weg für unserer Kinder.

Wir schreiben dies hier ganz transparent auf, um zu zeigen, dass unsere Zukunft eine spezifische Herkunft hat, welche wir für uns reflektiert haben und wir es sehr wichtig finden, die inneren Beweggründe für Unschooling zu kennen.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Eintrag niemanden abschrecken, sondern im Gegenteil die Lernenergie in uns Erwachsenen aktivieren.

Wir grüssen alle ganz herzlich.

30. Oktober 2007

Lese-Entwicklung

Seit einiger Zeit liest uns Sara regelmässig Geschichten vor. Aus ihrem Geschichtenordner wählt sie zwischen einfacheren und schwierigeren, kürzeren und längeren Geschichten aus, sucht sich einen bequemen Platz und beginnt zu lesen. Sie liest die einfacheren Geschichten fliessend und deutlich, mit einer schönen Aussprache und versteht auch alles, was sie liest. Das Lesen hat ihr nie jemand beigebracht. Es hat ihr auch nie jemand Druck gemacht, dass sie lesen lernen sollte. Das war ihr eigenes Bedürfnis. Und in einer lesenden Familie, so glauben wir, ist es nicht einmal zu vermeiden, dass ein Kind irgendwann einmal lesen lernen will. Bei Sara kam das Interesse für Buchstaben, als sie viereinhalb Jahre alt war. Sie beobachtete mich damals, wie ich auf einen bereits adressierten Brief neben die Marke ein grosses A schrieb und wollte wissen, weshalb ich hier ein Tipi (Zelt) male. Von da an sah sie überall jedes A und wir hängten die Buchstabentabelle von Dr. J. Reichen auf, auf der jeweils ein Bild und daneben der entsprechende Anfangsbuchstaben zu sehen ist. Es dauerte nicht lange, und sie kannte jeden Buchstaben. Parallel dazu richteten wir ihr eine Buchstaben-Ecke ein mit verschiedensten Materialien zum Buchstaben tasten und fühlen, malen, memorieren, spielen, usw. All dieses Material interessierte sie aber nicht im Geringsten. Erst nach ca. einem Jahr holte sie dort die Wort-Bild-Karten hervor. Aus heiterem Himmel las sie nun ganze Wörter und suchte das entsprechende Bild dazu. Für einen Monat war dieses Spiel ein Hit für Sara, danach war wiederum Pause für ein weiteres Jahr. Natürlich war nicht wirklich Pause für Sara, doch das Lernen geschah innerlich und für uns meist unmerklich und man hätte meinen können, dass sie kein Interesse mehr am Lesen hat. Nun hat sie vor kurzem einen dicken Geschichten-Ordner hervorgeholt und liest seither mit Begeisterung ganze Geschichten darin. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass man die Kinder nichts lehren muss. Sie bringen es sich selber bei, sofern die Umgebung es auch zulässt. Vielleicht findet es unter solchen Bedingungen einfach natürlicherweise statt. Vom Buchstaben zum Wort zu Sätzen vergingen so ungefähr zwei Jahre unmerkliches Lernen.

Wir können darüber nur staunen.

12. Oktober 2007

Harmonischer Behördenkontakt

Eine Schachtel voller Lehrmittel, mit welchen in unserem Kanton AR in der 1.Klasse gearbeitet wird, ist heute bei uns eingetroffen. Diese Lehrbücher und Übungshefte werden uns von den Behörden kostenlos zur Verfügung gestellt. Für Sara sehen wir diese Lehrmittel als Angebot unserer vorbereiteten Umgebung, was bedeutet, dass Sara allein entscheiden darf, ob und wann und wie sie mit diesen Büchern und Heften arbeiten will. Unsere Behörden sind uns wohlgesinnt und wir dürfen mit der zuständigen Fachfrau des Departements für Bildung einen harmonischen Kontakt pflegen. Für den "häuslichen Unterricht" (so wird das hier genannt) haben wir einige wenige, jedoch in unseren Augen sinnvolle Auflagen zu erfüllen. So wird von uns z.B. verlangt, dass wir ein Lerntage-bzw. Wochenbuch und eine jährliche Reflexion über das Kind schreiben. Immer wieder fällt uns auf, dass sich interessierte Unschooler gerade mit diesen Bedingungen oft schwer tun. Jemand fragte mich einmal, ob ich denn dieses Lerntagebuch für die Behörden tatsächlich schreibe oder ob ich einfach so tue als ob ich es schreiben würde. Doch es stimmt beides nicht! Denn seit der Geburt (bzw. schon während der Schwangerschaft) jedes einzelnen Kindes schreibe ich ein Lerntagebuch und dies nicht etwa für die Behörden, sondern einzig und allein für das Kind und für uns Eltern. Die jährliche Reflexion zu Händen der Behörden ist dann sozusagen ein Resumé des Ganzen und bringt die Lernfortschritte in den verschiedensten Bereichen klar zum Ausdruck und zeigt, wo das Kind steht. Für die Behörden, die sich trotz allem in der Verantwortung wägen, ist die Reflexion wichtig, damit sie sehen, dass überhaupt Lernfortschritte stattfinden und dass darüber reflektiert wird.
Alles in allem können wir zu diesem Thema sagen: Null-Stress, die Kinder lernen, wir als Eltern lernen und die Behörden lernen vielleicht auch etwas.

23. September 2007

Kreatives Kindertanzen

Vor einem Jahr kündigte Sara an, dass sie gerne tanzen lernen möchte. Also machte ich mich auf die Suche nach etwas Geeignetem und fand es im Internet unter http://www.tanzraum.ch/. Zusammen mit anderen Mädchen besucht sie seither wöchentlich eine 50 minütige Tanzlektion bei Christine von Mentlen und freut sich jedesmal sehr darauf. Bei dieser Art von Tanzen dürfen die Kinder sehr viel Kreativität einbringen und ohne dass es die Kinder bemerken, werden der Körper-und Bewegungssinn spielerisch entwickelt, der Bewegungsausdruck sensibilisiert, das Erkennen von inneren und äusseren Impulsen geschult und regelmässig wird kurze Zeit an einem kleinen Gruppentänzchen gearbeitet.
Wenn ich Sara frage, was ihr denn beim Tanzen besonders gut gefällt, antwortet sie:"Mir gefällt einfach alles, das Tanzen, die anderen Kinder und die Tanzlehrerin." Was mir als Mutter besonders gut gefällt, ist, sehen zu dürfen, wie Sara Zeit hat, sich auf die Tanzstunde zu freuen, sich darauf einzustellen und sich in Ruhe darauf vorzubereiten.

19. September 2007

Hexenfieber

Seit ein paar Tagen verwandeln sich Sara und Olivia täglich in Hexen. Nachdem sie anfangs aus fast allen Zimmern in unserem Haus Hexenzimmer, Hexenküche, Hexenzauberstübchen, usw. machten und dabei alle Böden mit Tücher, Decken, Kissen, Geschirr, unzähligen Kleidungsstücken und Puppen, kleinen "Grümschelisachen" usw. belegten, musste ich etwas intervenieren! Diese Art von Rollenspielen bei unseren Töchtern kenne ich sehr gut und weiss, dass diese mehrere Wochen dauern können! Ich möchte die Kinder eigentlich nicht in ihrem Flow unterbrechen, aber dennoch bin ich der Meinung, dass es allen beteiligten Familienmitgliedern noch wohl sein sollte. Also suchten wir eine Lösung und das verstanden Sara und Olivia. Sie brachten verschiedenste Ideen, und wir einigten uns auf einige Zimmer, wo gehext und gewirkt werden kann und auf einige Räume, wo sich die Hexen aufhalten und spielen dürfen, wo aber keine Unordnung erlaubt ist. Nun werden in der Hexenwasserküche Zaubertrünke kreiert, in dem Zauberzimmer Zaubertricks gelernt, mit den Hexenbabys gespielt, Hexenhüte gebastelt, draussen mit dem Hexenbesen herum geflitzt, Nalin in ein Hexlein verwandelt, Hexenbriefe (von Hand!) an Mama geschrieben, Hexensprüche gelernt und zwischendurch erzähle ich ihnen von der Geschichte "Die kleine Hexe" von Otfried Preussler weiter.

16. September 2007

Wimmelbücher

Als wir letztes Mal in der Bibliothek waren, wählten Sara und Olivia selbständig einige Bücher aus und ich selbst fand einige Wimmelbücher, wo ich das Gefühl hatte, dass diese ihnen gefallen könnten. Da sie diese Art von Büchern noch gar nicht kannten, waren sie fasziniert, was es da alles auf einer Seite drauf hatte und was es alles zu suchen gab. Fast täglich werden diese Bücher hervorgeholt und es wird konzentriert und mit viel Eifer gesucht, oftmals beide im gleichen Buch und gleich am Morgen früh nach dem Aufstehen.Was sie einmal gefunden haben, finden sie im ganzen Wirrwarrr immer sofort wieder und lassen mich mit Freude teilhaben.
Obwohl unsere Kinder eher Frühaufsteher sind, eilt es ihnen mit dem Frühstück meistens nicht. Viel lieber wollen sie ganz langsam "ankommen" und etwas spielen oder Bücher anschauen, bis wir dann gemeinsam frühstücken. Wie schön, dass wir da nicht stressen müssen mit Bemerkungen wie:"Beeil Dich, sonst kommst Du zu spät zur Schule!"

14. September 2007

Besuch von Birgit Lohff

Nachdem Birgit Lohff (die zuständige Schulleiterin der Clonlara School in Europa) bei uns eingetroffen war, wurde sie erst einmal von unseren Mädchen beschlagnahmt, welche sofort den Zugang zu ihr gefunden hatten. Dies ist nicht unbedingt üblich bei Sara und Olivia, denn normalerweise dauert es etwas länger, bis sie ihre erste Scheu verlieren (Birgit, das ist ein Kompliment an Dich!!) Trotz der langen Reise (für einen Weg 7 Std. Fahrzeit!) und ihrer vielen Termine fand Birgit für zwei Tage Zeit, uns in der Schweiz zu besuchen. Zusammen mit Eva, der zukünftigen Kontaktperson für Clonlara Ungarn, welche ebenfalls bei uns weilte, versuchten wir die Rolle der Kontaktpersonen zu klären. Wir führten lange und spannende Gespräche bis zum Teil tief in die Nacht hinein. Für uns war es interessant, die Person, welche wir schon in vielen Telefonaten gehört hatten und mit welcher wir schon xxx-mal gemailt hatten, kennenzulernen. Nach diesen Gesprächen mit Birgit ist für uns auch klar geworden, dass wir das zeitintensive Amt als Kontaktperson für Clonlara Schweiz nur beschränkt ausführen können und wollen. Somit werden wir in Zukunft Schweizer Kontaktstelle von Clonlara International sein und gerne zu den verantwortlichen Personen der Clonlara Schule weitervermitteln.

31. August 2007

Allerlei los

In den letzten Tagen beschäftigten sich die Kinder mit unterschiedlichen Sachen. Zum Einen waren sie daran, das baldige Taufessen bei uns zu Hause vorzubereiten. Es wurden dazu kleine Gegenstände aus Ton getöpfert, dann mit Engoben bemalt und schliesslich zum Brennen gebracht. Sara schrieb einen Spruch (eine ganze A4 Seite voller kleiner Sätzchen), welcher sie allen vorlesen möchte, es wurden Blumen in kleine Vasen gesteckt, usw. Dann wurden Rollenspiele und nochmals Rollenspiele gemacht, wobei bei Sara die Pippi Langstrumpf und bei Olivia die Lillifee aktuell waren und noch immer sind. Zwischendurch machten sie immer wieder Tänzchen, hörten sich eine Kasette mit einer Geschichte drauf an oder liesen sich von mir eine Geschichte erzählen. Sara übte Zahlen an der Wandtafel und Olivia machte auch gleich mit, sie machten kleine Kunststücke am Türreck, spielten mit den Puppen, rannten draussen herum, fuhren Velo, spielten mit anderen Kindern, kletterten auf Bäume, hatten Spass beim "UNO Junior", malten an der Malstation, kamen in den Wald, usw.
Auch Nalin hat immer was zu tun. So ist er oftmals ganz konzentriert beim Rondellen stecken zu beobachten, am Türmchen bauen mit Klötzchen, mit einem Traktor am Spielen, am Klettern oder etwa am Bügeln. . . . . . .

Kochen

Während ich schon mitten im Kochen bin, bekomme ich plötzlich Gesellschaft von Olivia und Sara. Sie wollen auch kochen. Nein, heute wollen sie mir nicht helfen, so wie sie das oft tun. Sie wollen selber kochen. Also holt Olivia die kleine Kinderkochplatte hervor und entscheidet sich, in dem munzigkleinen Pfännchen Spaghetti zu kochen. Die Spaghetti muss sie ganz klein machen, damit diese Platz im Pfännchen haben. Sara beginnt auf der grossen Elektrokochplatte Makkaronis zu kochen. Zwischendurch, wenn sie nicht mehr mit der Kelle rühren müssen, gehen sie zu ihren Figürchen und machen Rollenspiele. Später deckt Sara den Tisch für die ganze Familie und schliesslich dürfen alle von allem Probieren.

25. August 2007

Zahlen

Kürzlich wollte Sara die Töpfchen von ihrem Experiment nummerieren. Sie begann bei der Nummer 1 und schrieb diese auf einen Zettel. Als nächstes kam die Nummer 4, dann die Nummer 7 und noch die Nummer 10. Ich wunderte mich etwas über diese Reihenfolge, denn zählen kann Sara schon seit längerer Zeit ohne Probleme bis 100. Das Rätsel wurde jedoch schnell gelüftet, als sie mir mitteilte, dass sie jetzt nicht mehr weiterschreiben könne, weil jetzt die schwierigen Zahlen dran kämen, jene mit Rundungen. So schrieb ich ihr die gewünschte Zahl vor und sie versuchte sie auf ihrem Zettel nachzuschreiben, was sich als ziemlich hoffnungslos entpuppte, da ihre Zettelchen viel zu klein waren. Da ich aber spürte, dass sie gerne die Zahlen schreiben würde, schlug ich ihr vor, dass sie jeden Tag an der Wandtafel eine Zahl üben könne. Sie war begeistert. Beginnen wollte sie mit der Nummer 1, dann mit der 4 und heute war die 7 dran. Sie erfindet jeweils selber kleine Zahlengeschichten, so dass ihr das Schreiben richtig Spass macht.

Die Zahlen scheinen sie im Moment anzuziehen. Heute entdeckte sie das Elferspiel auf dem Gestell. Dies ist ein Kartenspiel mit Zahlen von 1 bis 20. Es geht darum, dass man jeweils die richtige Zahlenkarte in der richtigen Reihenfolge zur passenden Farbe legt. Wir spielten dieses Spiel über eine Stunde miteinander und es erstaunte mich, wie sie die Reihenfolge der Zahlen vor - und rückwärts beherrschte. Manchmal frage ich mich, wie sie überhaupt zählen gelernt hat. Ich weiss es ehrlich gesagt nicht genau. Es hat einfach stattgefunden, immer wieder ein bisschen. So addiert, subtrahiert und ergänzt Sara die Zahlen auch, ohne dass sie merkt, dass sie am Rechnen ist. Sie kann zum Beispiel sagen:" Mama, letztes Mal hast Du für dieses Gericht 10 Kartoffeln benötigt, heute hast Du nur 7 geholt, warte, ich hole dir noch 3 im Keller! Oder sie macht Spiele mit ihrem Alter: Wenn ich 7 Jahre alt bin, ist Olivia 4 Jahre und Nalin 2 Jahre, wenn ich 8 Jahre alt bin, ist Olivia 5 Jahre und Nalin 3 Jahre usw. usw.

24. August 2007

Experimentieren

Neugierig gemacht durch die Entdeckung, dass im Garten von Saras Freundin die Wiese einen grossen schwarzen Fleck an der Stelle aufwies, wo das Schwimmbecken während des Sommers gestanden hatte, wollte Sara wissen, wieso das so ist. Ich erklärte es ihr und sie beschloss anschliessend, einige Experimente mit Pflanzen zu machen. So wurden in über zehn Töpfchen Erde gefüllt und Kressesamen hineingestreut. Einige Töpfchen bekamen Wasser, einige nicht, und anschliessend wurden die Töpfchen im ganzen Haus verteilt, inklusive im Kühlschrank und Gefrierfach, aber auch auf dem Balkon im Wintergarten, wo es sehr heiss werden kann, im Keller, im Schrank neben dem Abfallkübel und auch einige ganz "normal". Jeden Tag besucht sie ihre Pflänzchen und darf so ganz spannende Entdeckungen machen.

5. August 2007

Cindy geht nach Hause

Eine sehr schöne, sehr befruchtende und sehr harmonische Zeit zusammen mit unserem Ferienkind Cindy ist leider schon wieder vorbei. Wir haben die Zeit mit ihr genossen, und sie mit uns hoffentlich auch. Dass sie gar nicht mehr nach Paris zurückkehren wollte, wunderte uns nicht allzu sehr. Am liebsten hätte sie gehabt, wenn ihre Mutter auch bei uns wohnen dürfte, obwohl sie kein einziges mal Heimweh nach ihr hatte! Dass sie in Paris auch nicht mehr zur Schule gehen wolle, überraschte uns ebenfalls nicht sehr, obwohl sie am Anfang von der Schule mit den vielen Spielsachen schwärmte. Verständlich, denn sie erzählte uns, dass sie bei sich zu Hause kaum Spielsachen habe und dass es in der Wohnung auch keinen Platz zum Spielen gäbe. Wenn sie aufstehe, dann würde sie etwas essen und wenn keine Schule ist, dann würde sie anschliessend TV schauen, wieder essen und irgendwann schlafen gehen. Für Cindy scheint es wirklich ein Segen zu sein, dass sie zur Schule gehen darf! Alle Kinder hatten es meistens sehr friedlich miteinander und es gab beiderseits auch kaum Eifersucht. Wenn bei Cindy eine Eifersucht aufkam, dann war es wohl beim Abschied, denn sie wusste, wohin sie jetzt wieder musste. Bei Cindy spürte man sehr gut, dass sie von ihrer Mutter geliebt wird und von dieser Liebe schien sie genügend genährt zu sein, so dass sie auch mal ein lautes NO von Olivia einstecken konnte. Sara teilte mit Cindy alles, aber auch wirklich alles, angefangen bei den Kleidern, Spielsachen, Freundinnen bis zum Schluss noch das Bett!

Mit der Sprache gab es nie ein Problem. Den Anspruch auf Perfektion hat Sara zwar nie aufgegeben und sie hat mich dementsprechend viel gefragt, was denn dies oder jenes auf französisch heisst. Die Kommunikation hat aber immer stattgefunden!

Der Abschied am Bahnhof war irgendwie hart. Eine Person, welche mit anderen Begleitern die ca. 350 Kinder zurück nach Paris zurück begleitet, erzählte uns, dass jedes Jahr mehrere Kinder von keinem Elternteil abgeholt würden und da müsse jeweils schon im Voraus für Notunterkünfte dieser Kinder gesorgt werden. Denn oftmals könne es mehrere Tage dauern, bis diese Eltern endlich auffindbar seien.

Die Erlebnisse mit Cindy halten wir in schöner Erinnerung und freuen uns schon jetzt darauf, wenn sie nächsten Sommer wieder zu uns kommt.

15. Juli 2007

Einfach SEIN

Zur Zeit ist es bei uns sehr heiss und die Kinder suchen überall den Schatten und das Wasser. Hinter unserem Haus ist es angenehm kühl und wir verbringen dort viel Zeit des Tages. Langeweile kennen unsere Kinder nicht. Ich glaube sogar, dass sie dieses Wort überhaupt nicht einmal kennen. Diese heissen Tage spielen sie oft Verstecken oder malen mit Kreide, gehen am Seil beim Lindenbaum schaukeln oder im kleinen Wasserbecken sich erfrischen, füllen den Sandhaufen mit Wasser, machen mit den Figürchen im Schatten Rollenspiele, üben Hula-Hopp mit einem grossen Reifen, versuchen Heuschrecken in die Hand zu nehmen oder sie beobachten den Bauern beim Heuen, usw. usw.

Da die Heimat von Cindy Rummel, Action, Animation und TV bedeutet, dauerte es ca. eine Woche, bis sie bei uns in der Ruhe wirklich angekommen ist. Nun geniesst sie das SEIN mit unseren Kindern und ist hier gut integriert. Einige Wörter und Sätze, die Sara mittlerweile auf französisch kennt, wendet sie mit Cindy korrekt an. Ansonsten spricht sie mit Cindy auf Hochdeutsch, in der Annahme, dass sie das eher versteht als Mundart. Wie auch immer, die Kommunikation funktioniert auf jeden Fall und auch Nalin ruft uns schon einige französische Ausdrücke entgegen.


Auf diese Art und Weise dürfen Kinder auf ganz natürliche Art und Weise mit einer Fremdsprache in Berührung kommen und haben viel Spass dabei.

Was essen?

Mit dem Essen ist das so eine Sache mit Cindy. Hier scheinen wir wirklich sehr weit voneinander entfernt zu sein. Bis jetzt hab ich erst sehr wenig herausgefunden, was Cindy gerne isst. Wenn ich sie frage, dann weiss sie es selber auch nicht. Mittlerweile weiss ich aber schon eine ganze Liste, was sie nicht mag. Dazu zählen alle Pastas und Spaghettis sowie auch alle Reisvariationen, alle rohen und gekochten Gemüse sowie auch alle Früchte, ausser Bananen. Heute hat sie zwar entdeckt, dass die Himbeeren in unserem Garten gut schmecken und auch unser selbstgebackenes Brot mag sie, welches wir ihr im Notfall immer anbieten können, und das ist eigentlich immer der Fall! Sara und Olivia fanden es kürzlich ziemlich lustig, als Cindy nach dem Essen einen schwarzen Kaffee verlangte! Jetzt sind sie dauernd am Rätseln, was denn Cindy wohl zu Hause isst und was denn dort noch alles anders ist als bei uns. In Büchern suchen sie Bilder von dunkelhäutigen Kindern und grossen Wohnhäusern und wollen wissen, ob Cindy wohl in diesem Haus wohnt oder vielleicht in dem nebenan? So entstehen wieder viele neue Lernfelder für unsere Kinder sowie auch für Cindy.

Normaler Alltag

Meistens besprechen wir beim gemeinsamen Frühstück die Pläne und Vorlieben jedes Einzelnen. Frage ich die Kinder, was sie heute am liebsten tun möchten, dann antworten sie fast immer: "Einfach hier spielen". Wir besprechen auch, was unbedingt erledigt werden sollte und planen uns dafür die Zeit ein. Heute z.B. mussten wir einen grossen Korb voller Wäsche zusammenlegen, eine Arbeit die wir immer gemeinsam erledigen und es wird schon am Frühstückstisch gehandelt, wer was zusammenlegt. Diese Arbeit macht meistens allen Spass und manchmal gelingt es mir noch eine Geschichte dazu zu erzählen. Heute legte Olivia die Waschlappen zusammen, Sara bevorzugte es, die Socken zu sortieren und ineinander zu krempeln und Cindy machte die Handtücher.


Nachdem die Wäsche versorgt war, wurde gespielt und gelernt. Sie machten mit ihren Figürchen Rollenspiele, aber jedes in seinem Ecken und in seiner eigenen Sprache, es wurden Zahlen an die Wandtafel geschrieben, dann wurde auf Papier gemalt, geschrieben, geschnitten, geleimt.
Später gabs ein Vestecken auf französisch. Sara wollte immer zählen und dann suchen gehen. Sie zählte auf französisch von 1 bis 10 und dann noch "je viens" und rannte los. Anfangs brauchte sie noch meine Hilfe, doch nach wenigen Malen gelang es ihr ganz alleine. Zusammen mit anderen Nachbarskindern wurde ein grosser Eiffelturm aus Klötzen gebaut und dann wurde noch mit Strassenkreiden draussen der Boden bemalt.


Bis jetzt haben es die drei Mädchen sehr friedlich und harmonisch miteinander.

Sara hat den Anspruch an sich, dass sie mit Cindy auf französisch sprechen will, und deshalb spricht sie auch dementsprechend wenig mit ihr!! Olivia ist da ganz anders. Die Sprache ist ihr egal und sie spricht mit Cindy, als ob diese alles verstehen würde. Interessant ist jeweils, dass Cindy auf Olivia eingeht und tatsächlich mehr oder weniger versteht, was ihr gesagt wurde.

12. Juli 2007

Cindy ist da

Ab Heute sind wir für einen Monat lang einen "Sechsklang". Unser Ferienkind Cindy ist bei uns gut angekommen und sie war den ganzen Tag damit beschäftigt, unser Haus und die Umgebung zu entdecken. Sie hüpfte von einem Raum in den anderen, bestaunte dies, bemusterte das, probierte jenes aus und war am meisten fasziniert über die grosse Wiese und die Kühe hinter dem Haus. Sara und Olivia folgten ihr jeweils Schritt auf Schritt und beobachteten Cindy in ihrer Begeisterung. Für Cindy ist es eine völlig neue Welt, denn sie kommt aus einem Armenviertel in Paris und wohnt mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in einer kleinen Wohnung direkt an einer stark befahrenen Strasse.
Die Höhepunkte für Cindy waren, als wir beim Nachbarsbauern die Kühe aus der Nähe anschauen gingen und die Kinder alle noch im Heu hüpfen konnten sowie zu Hause aus dem frisch zubereiteten Teig Brötchen zu formen, zu backen und anschliessend zu essen.

Für Sara und Olivia war das Wichtigste zu sehen, dass Cindy lieb ist und es auch gerne lustig hat. Im Gegensatz zu Olivia spricht Sara noch nichts mit Cindy. Olivia spricht in ihrem Schweizerdeutsch dafür umso munterer drauflos und merkt, dass dies irgendwie funktioniert.

7. Juli 2007

Französische Vorfreude

Nun geht es nur noch wenige Tage bis Cindy bei uns ankommt. Unsere beiden Mädchen sind schon jetzt ganz aufgeregt und können es kaum erwarten. Dass Cindy nur Französisch sprechen kann, stört sie gar nicht. Im Gegenteil. Sie finden das spannend und fragen mich oft, wie man dies und das auf Französisch nennt. Sara hört sich gerne die CD "Französisch, keine Hexerei" an. Dies ist eine Geschichte zweier Hexen, die eine kann nur Deutsch, die andere nur Französisch. Der absolute Hit im Moment ist aber unser Telefonbeantworter, wo Cindy schon mal darauf gesprochen hat. Dieser wird mehrmals täglich von Sara aufs Genauste abgehört und sie verkündete kürzlich, dass sie bald nur noch Französisch sprechen möchte.

Dass mit Cindy alles geteilt wird, ist für Sara und Olivia sonnenklar. So sind die beiden eifrig am Organisieren. Sara stellte fest:"Sie ist ja sicher kleiner als ich, dann braucht sie schon meinen Tripptrapp, und sicher hat sie in Paris nicht eine solch schöne Lillifee-Bettwäsche, dann geb ich ihr meine!" Falls sie Kleider braucht, hat Olivia schon vorgesorgt und Figürchen fürs Rollenspiel sind auch schon hergerichtet. Eine selbstgemachte Perlenkette als Begrüssungsgeschenk liegt bereit und das Lieblingsmenu von Cindy für den ersten Tag ist in Vorbereitung.

Nun kann es also losgehen.

30. Juni 2007

Kinderfest

Kürzlich fand in Herisau das traditionelle Kinderfest statt. Klassenweise laufen die Kinder mit ihren Lehrern, meist alle gleichgekleidet, in Form eines Umzuges durch das Dorf und treffen sich anschliessend auf dem Festplatz, wo noch weitere Vorführungen stattfinden. Da wir noch nie an einem solchen Kinderfest waren und von Nachbarskindern neugierig gemacht wurden, gingen wir diesen Umzug schauen. Für Sara war es spannend, viele Kinder zu sehen, die sie kannte, aber sie fand, dass sie in den schwarzen kurzen Hosen und den knallroten T-Shirts alle so wüst aussahen und war froh, dass sie das nicht anziehen musste. Abends, als wir schon auf dem Weg ins Bett waren, entdeckten wir plötzlich, unweit von unserem Haus entfernt, einen Heissluftballon in der Form der Kathedrale von St.Gallen. Wir staunten nicht schlecht, als sie immer näher und näher kam und schliesslich bei den Nachbarn übers Dach flog. Wir rannten raus und verfolgten die Kathedrale durchs Quartier. Wenige 100 Meter vom Quartier entfernt landete sie auf der Wiese und Sara drängte, dass wir mit dem Velo noch die Kathedrale aus der Nähe anschauen gehen. Also gingen wir los, die Kinder mit dem Piyama und dem Velo. Dort angekommen hatte es schon einige Kinder und Erwachsene. Spannend für Sara war der Ballonkorb. Jetzt glaubte sie endlich, dass in diesem Korb, der in der Höhe so klein aussieht, auch tatsächlich Menschen drin Platz haben. Auch vom Feuerzünder war sie fasziniert. Das Schönste für die Kinder aber war, als alle Anwesenden auf der noch teils aufgeblasenen Kathedrale herumhüpfen durften, um die Luft raus zu stampfen. Die Kinder hatten ein Riesengaudi und es war ein riesiges Erlebnis für alle.

Als wir schon wieder zu Hause waren, sagte Sara im Bett:
"Wenn die Kinder am Umzug mit dem Lehrer mitlaufen müssen, dann ist das ein Lehrerfest. Aber heute Abend war es ein richtiges Kinderfest!"

24. Juni 2007

Ein spannender Augenblick

In knapp zwei Wochen dürfen wir in unserer Familie ein Gastkind aus Paris willkommen heissen. Organisiert über http://www.kovive.ch/ wussten wir bis heute lediglich, dass zu uns ein fünfjähriges, dunkelhäutiges Mädchen in die Ferien kommt. Mit der Zusage, ein solches Kind für einen Monat zu sich nach Hause einzuladen, sagt man sozusagen Ja zur "Katze im Sack". Deshalb bereiteten wir Sara und Olivia darauf vor, dass das Mädchen vielleicht nicht ihren Vorstellungen entsprechen wird. Heute traf nun der von unseren Mädchen lange ersehnte Brief mit genaueren Angaben über dieses Gastkind bei uns ein. Es war ein spannender Augenblick, als wir die ganze Familie auf dem Divan in der Stube sassen und gemeinsam den Brief öffneten. Natürlich musste ich sofort den Zettel mit dem Foto und dem Namen heraussuchen und es allen zeigen. Einige Momente war es mucksmäuschenstill, dann rief Olivia plötzlich ganz begeistert: "Sie hat ja weisse Zähne!" Das Foto mit Cindy wurde nun den ganzen Tag herumgetragen und Sara sagte am Abend, Cindy sehe lieb aus.

Wir freuen uns alle auf den Französischen Gast.

31. Mai 2007

Im Wald

Auch heute waren wir wieder zwei Familien im Wald. Da es frühmorgens noch geregnet hat, gab es viele Schnecken und Regenwürmer zu beobachten. Olivia liebt diese Tierchen und möchte sie immer in der Hand herumtragen. Weisen wir sie darauf hin, dass der Wurm nicht gerne in ihrer Hand hin und her gedreht wird, antwortet sie, dass der Wurm sie eben gerne hat und er das schon möchte. Damit die Würmer nicht sterben müssen, geben wir ihnen jeweils einen Namen ("Holder-Willi" hiess der Wurm heute) und wenn möglich suchen wir für das Tierchen dann ein Zuhause, wo es sich wieder verkriechen kann. Wir kochten heute wieder eine Suppe über dem Feuer und liessen uns das Picknick schmecken. Es wurde Fangis und Verstecken gespielt und schlussendlich wollten alle mit der kleinen Säge Holzstämme sägen. Später richteten wir schon wieder das Holz für den nächsten Donnerstag und begannen mit dem Aufräumen.

28. Mai 2007

Malstation

Als wir das Gumpizimmer vor einigen Jahren einrichteten, bestand es hauptsächlich aus Matratzen, Decken, Kissen, Leitern und einer improvisierten Rutschbahn aus einer Gartenbank. Im Laufe der Zeit füllte es sich weiter mit einem Rebounder, mit Gestellen für unstrukturiertes Material zum Werken, Gestalten und Kreativ sein, einem Schrank gefüllt mit Kleidern und Utensilien zum Verkleiden und für Rollenspiele, usw. Da es aber in unserem Garten und überhaupt im ganzen Quartier unzählige Möglichkeiten zum Gumpen, Hüpfen, Springen, Balancieren, Klettern und Austoben gibt, räumten wir die Matratzen in den Keller und den Rebounder in den Wintergarten, wo dieser so auch in den Garten gestellt werden kann. An den frei gewordenen Platz im Gumpizimmer haben wir nun eine selbstgeschreinerte Malstation à la Arno Stern (www.arnostern.com) installiert. Bis jetzt hatten die Kinder immer an einem Malbrett (ca. 1m breit, 2m Hoch) gemalt. Meistens beide oder sogar alle drei miteinander. Es fanden immer alle einen Platz zum Malen und schlussendlich entstand ein interessantes Gemeinschaftsbild. Malten sie mit den Wasserfarben, dann war das Chaos jedoch vorprogrammiert, denn das anschliessende Aufräumen und Putzen der Farben und Kinder (!) dauerte mindestens ebenso lange wie das eigentliche Malen! An unserer neuen Malstation ist das nun anders. Hier hat es über 20 Becher gefüllt mit malfertigen Farben in den verschiedensten Farbtönen. Zur grössten Freude der Kinder hat es auch glitzernde Gold-und Silberfarbe. Das Mischen der Farben entfällt, obwohl das natürlich auch seinen Reiz hat und mit der Malstation nicht ausgeschlossen ist. Die Kinder können munter drauflosmalen. Die grösste Herausforderung ist nur, Nalin von den Farben fern zu halten, denn auch ihn faszinieren die vielen bunten Farben. Bei den ersten Malversuchen gaben sich beide grosse Mühe, den Pinsel immer wieder bei der richtigen Farbe zurück zu legen. Sara wollte den ganzen Tag nicht mehr aufhören zu malen, und sie probierte jede Farbe aus. Olivia experimentierte die ganze Zeit immer am gleichen Ort des Bildes und malte Farbe über Farbe, bis man überhaupt keine Farbe mehr erkennen konnte und sie mich fragte, wo denn die Farbe immer hingehe. Nur mit der "Malregel", dass das eigene Bild nur vom Maler selbst angeschaut werden darf und sonst von niemandem anderem, war Sara nicht einverstanden. Sie machte den Vorschlag, dass sie das fertige Bild am Schluss zeigen darf, wenn sie wirklich will.

Wir sind gespannt, was diese Malstation an neuen Lernerfahrungen verbirgt.

24. Mai 2007

Im Wald

Wie jeden Donnerstag waren wir heute einmal mehr bei uns im Wald, an einem idyllischen Platz direkt am Bächlein. In Begleitung einer anderen Familie verbrachten wir den Tag mit Holz suchen fürs Feuer, Suppe kochen, Schlangenbrot bräteln, im Wasser waten und baden, den Bach erkunden, auf Holzstämmen einen Zug spielen, Lehm aus dem Wasser matschen, Schoggibananen backen.
Der Wald bietet unzählige Möglichkeiten zum Spielen und Sein.

3. Mai 2007

"Räuber"

An einem schönen Platz in einem Park direkt am Bodensee verbrachten wir heute zusammen mit einer anderen Unschooling-Familie den ganzen Tag. Die vier Mädchen erkundeten zuerst den Erlebnis-Spielplatz während die beiden Jüngsten vorerst am grossen Traktor beschäftigt waren. Etwas später zog es alle zum kleinen Strand, wo eifrig Muscheln gesucht und gefunden wurden, im kalten Wasser gewatet und gespritzt wurde, Steinchen gesammelt und schliesslich auch gepicknickt wurde. Irgendwann wollten die Mädchen malen, holten Farbstifte, Papier und Malbuch und machten es sich auf einer Mauer bequem. Nachdem die beiden Knaben bei uns im Tragetuch oder am Boden geschlafen hatten, schauten sie eine Zeit lang fasziniert dem Parkarbeiter beim Rasenmähen zu. Unweit von uns entfernt hatte ich zwei Becher, drei Löffel und ein T-Shirt zum Trocknen hingelegt. Aber siehe da! Als ich es wieder holen wollte, war alles weg. "Waren das ganz echte Räuber?" wollte Sara aufgeregt wissen. Und Olivia meinte: "Sicher gibt der Räuber mein T-Shirt seinem Mädchen, gäll Mama, das hat nämlich noch keines, und jetzt bekommt es auch einen Löffel und einen Becher, gäll Mama!" Es folgen Fragen über Fragen: "Wieviele Kinder hat denn der Räuber? Wo wohnt er denn? Jetzt hat er ja nur zwei Becher, aber drei Löffel, dann braucht er noch einen Becher, wo holt er den? Hat sein Mädchen ein Bett? Kommt der Räuber morgen wieder? usw. usw........ Aus diesem Ereignis entstand ein langes Gespräch über Diebe, übers Aufpassen der eigenen Sachen und auch übers Kinder entführen.

Dem Räuber sei gedankt für dieses wertvolle Erlebnis
.

1. Mai 2007

"Ich hornochse"

Heute Morgen , noch vor dem Frühstück, ist Olivia am Ausmalen eines Bildes. Sie malt mit viel Fleiss und Geduld, mit langsamen und feinen Bewegungen und es dauert ziemlich lange, bis sie damit fertig ist und sich am gelungenen Werk freut. Sara beobachtet Olivia eine Zeit lang, wählt dann selber ein Bild aus und beginnt mit dem Ausmalen. Kaum angefangen ist sie schon fertig und zeigt es mir. "Gefällt Dir das?" fragt sie mich. Man sieht dem Bild sehr wohl an, dass es die kleine Malerin möglichst schnell fertig haben wollte. "Wie gefällt es denn Dir?" frage ich zurück. Sie geht nicht auf meine Rückfrage ein und stellt mir ihre Frage nochmals. So versuche ich ihr eine ehrliche und dennoch nicht verletzende Antwort zu geben. Sie scheint mit der Antwort nicht zufrieden und geht mit der gleichen Frage zu Papa. Dieser sagt ihr gleich, dass es ihm nicht gefällt. Sara beginnt zu weinen und sagt dann, dass sie es auch gar nicht schön findet.
Miteinander vereinbaren sie, dass sie noch heute zusammen etwas ausmalen werden und dass ihr der Papa noch einige Tricks zeigen wird. Gesagt, getan. Nicht nur Sara setzt sich mit Papa an den Tisch im Wintergarten, auch Olivia und Nalin wollen dabei sein. So malen alle. Irgendwann meint Bruno humorvoll zu Sara:" Du drückst den Stift ja wie ein Hornochse!" Solche Sprüche gefallen Sara und sie kann sich kaum mehr erholen vor Lachen. Sara malt nun fast zwei Stunden lang und wenn man ihr ab und zu über die Schultern schaut, dann hält sie sich die Hände vors Gesicht und ruft spassig:"Ich hornochse!"

Spass und Humor sind Türöffner fürs Lernen.

30. April 2007

Clonlara in der Schweiz?

Seit über einem Jahr befassen wir uns damit, die Clonlara-Idee ( siehe auch www.clonlara.de ) in der Schweiz zu realisieren. Wir sind mit den Behörden des liberalen Kantons Appenzell Ausserrhoden in gutem Kontakt. Da hier "Bildung zu Hause" absolut legal ist, scheint es für die Behörden im Moment keinen Grund zu geben, Clonlara als Schule zu anerkennen. Dass der Kanton Appenzell Ausserrhoden nicht die Probleme der anderen Kantone lösen muss, leuchtet irgendwie auch ein. Im Gespräch mit der zuständigen Fachfrau bei den Behörden für Bildung zu Hause erfuhren wir, dass Clonlara im Moment auf ihrer Prioritätenliste ziemlich weit unten stehe, allerdings seien auch andere Themen, welche vorher zuoberst gestanden hätten, auf der Liste runtergerutscht, da sie im Moment einfach andere Prioritäten haben. Für Clonlara bedeutet das zur Zeit weder Ja noch Nein. Pat Montgomery und Birgit Lohff wären gerne bei den Behörden hier in Herisau vorsprechen gegangen, doch durch das verspätete Eintreffen von Pat Montgomery in Paris gelang dies aus zeitlichen Gründen nicht mehr vor dem europäischen Kolloquium auf Burg Rothenfels in Deutschland. Am Montag nach dem Kolloquium war bei der zuständigen Fachperson und dem Leiter für "Bildung zu Hause" der Terminkalender schon ausgebucht, doch sie äusserten, dass sie der Pat Montgomery, welche von so weit her anreise, gerne die Ehre erwiesen hätten, sie zu empfangen.

Bei "Clonlara in der Schweiz" ist also noch alles offen.

21. April 2007

Öffentliche Verkehrsmittel

Obwohl auch wir oft mit dem Auto unterwegs sind, unterlassen wir es nicht, uns auch ab und zu mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen zu lassen. Wir sind der Meinung, dass bei Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer wieder Abenteuer lauern, die bei Reisen in der Autokabine einfach nicht stattfinden können. Warum sage ich dies heute? Auf einer kleinen Reise mit der Eisenbahn in unsere Nachbarsstadt hat der Lokomotivführer uns, resp. Sara und Olivia angeboten, in den Führerstand zu sitzen und die Reise an vorderster Front mit zu erleben. Nach kurzer Skepsis seitens Sara sind die beiden Mädchen begeistert in die Kabine getreten, wo ihnen ihre Plätze zugewiesen wurden. Der Lokotivführer war sehr gut drauf und hat Sara aus nächster Nähe jede seiner Aktionen kommentiert. Olivia, die Papa ausserhalb der Kabine immer subtil im Visier hatte, sass auf dem Fenstersims und staunte über das, was man aus der Perspektive Lokomotivführer alles sehen darf. Die kurze Strecke hatte es in sich, 2 Halts, 3 Tunnels und eine fast 100m hohe Brücke.

So erlebten Sara und Olivia etwas Spezielles, was bisher weder Papa noch Mama je erleben durften.

15. April 2007

Geschichten erzählen

Fast täglich bekommen unsere Kinder eine Geschichte erzählt. Entweder wird sie aus einem Bilderbuch erzählt, aus einem Buch vorgelesen (Sara versteht das Meiste schon ganz gut auf Hochdeutsch), oder ich erfinde frisch eine passende Geschichte. Manchmal helfen alle Anwesenden mit, eine Geschichte zu erfinden, was auch immer viel zum Lachen gibt. Im Moment aktuell ist das Bilderbuch von Janosch "Oh, wie schön ist Panama" und das Vorlesebuch "Puck, der Zwerg". Obwohl Olivia die ersten beiden Male während der Geschichte von Janosch buchstäblich fast eingeschlafen ist, bringt sie immer wieder dieses Buch zum Erzählen. Natürlich springt dann Sara auch herbei und möchte sich die Geschichte nicht entgehen lassen. Für Sara sind Bilderbücher nach wie vor spannend und obwohl sie viele schon fast auswendig kennt, ist sie immer wieder neu fasziniert. Auf unserem grossen Sofa haben die Kinder einen "Geschichtenplatz" auserkoren und sie haben klare Regeln gemacht, wer wann wo sitzen kann und darf. Wird zuerst das Buch von Olivia erzählt, dann darf Olivia an den privilegierten Platz neben Papa. Umgekehrt ist es auch mit Sara so. Nalin ist mittlerweile auch schon ein kleiner Büchernarr und bringt haufenweise Bücher zum Erzählen. Meistens interessieren ihn nur die Bilder mit einem Traktor, einem Bagger oder einem Mond. Wir erleben immer wieder, wie wichtig, heilend und real Geschichten für unsere Kinder sind.

Geschichten laden immer wieder neu ein zum Träumen, zum Rollenspielen, zum Verarbeiten, zum Emportauchen in innere Vorstellungswelten. . . . . . .

17. März 2007

Erster Buchstaben 'O'

Olivia (3 1/2 Jahre) hat heute ein Buch geschenkt bekommen, auf welchem der Titel "Osterhasen" gross aufgedruckt ist. Sie trägt das Buch lange Zeit mit sich umher und schaut immer wieder die Titelseite an. Plötzlich fragt sie mich: "Ist das ein 'O'?" Sie zeigt mit dem Finger genau auf den 'O' von Osterhasen. Ich bejahe die Frage. Eine Weile später sagt sie freudestrahlend: "Gäll Mama, jetzt kann ich ja lesen!" Sie kann es kaum erwarten, bis sie Sara ihr 'O' zeigen kann und ihr dann auch gleich demonstriert, wie sie den 'O' lesen kann. Etwas später holt sie Papier und einen Stift und beschriftet das ganze Blatt mit 'OOOOOOO'.

So geschieht Lernen mit Freude.

15. März 2007

Alles zum richtigen Zeitpunkt

Heute Nachmittag lernte Sara Fahrrad fahren. Das tönt auf den ersten Blick nicht unbedingt sensationell. Schliesslich ist Sara auch schon 6 1/2 Jahre alt. Und ihr Fahrrad ist 1 Jahr alt, bzw. neu, denn es ist bis jetzt praktisch nur in der Garage gestanden. Vorher hatte Sara ein "Rennrad" (Bei einem Rennrad kann das Kind zuerst balancieren und experimentieren, und erst wenn das Kind einen sicheren Umgang mit dem Rad erlernt hat, wird die Treteinheit angeschraubt. Braucht keine Stützräder und bietet einen nahtlosen Übergang vom Rennrad zum Fahrrad.). Als die Balance von Sara gut genug war und wir als Eltern meinten, dass der Zeitpunkt jetzt reif sei, montierte Bruno vor zwei Jahren die Pedalen ans Rennrad. Die ersten Fahrversuche scheiterten kläglich, das Fahrrad wurde wieder weggestellt und nicht mehr geholt. Erst ein Jahr später, als andere Kinder vom Quartier Sara zum Fahrrad fahren abholten, versuchte sie es wieder. Der Versuch scheiterte erneut und wir hatten das Gefühl, dass das Fahrrad für Sara mittlerweile zu klein war und so bekam sie ein grösseres geschenkt, an welchem es gleich noch Stützräder dran hatte. Am meisten Freude hatte Sara an der „Felix-Hupe“ und am kleinen Täschchen vorne am Lenkrad! Doch selbst mit Stützrädern blieb es sozusagen unangerührt und landete bis auf weiteres in der Garage. Sara bevorzugte es, das Trotti zu nehmen, wenn sie mit anderen Kindern unterwegs war. Mittlerweile ist also wieder ein Jahr vergangen und gestern Abend verkündete Sara, dass sie velofahren lernen möchte, aber ohne Stützräder, denn alle anderen Kinder im Quartier hätten auch keine Stützräder! Das leuchtete ein, und wir machten miteinander ab, dass wir am nächsten Tag die Stützräder abschrauben werden. So wurde heute das „neue“ Fahrrad aus der Garage geholt, die Stützräder weggeschraubt, der Helm aufgesetzt, und nun konnte es also losgehen. . . . . . Ich war gefasst, dass das Fahrrad allenfalls in 5 Minuten wieder in der Garage landen könnte und dass ein weiteres Jahr vergehen könnte, was auch nicht schlimm gewesen wäre, denn wir setzten Sara keinen Druck auf und wollten sie auch nicht motivieren. Ich halte also das Fahrrad, Sara steigt auf, ich lasse das Velo los und Sara fährt die Strasse entlang! Sie fährt und fährt und fährt! Sie pedalt, sie lenkt und kann sogar kleine Kurven machen und auch bremsen! Sie fährt und es sieht aus, als hätte sie das schon immer getan. Ich staune nur noch! Sara strahlt über das ganze Gesicht. Sogar das Anfahren geht alleine. Sie fährt noch einige Male hin und her, dann stellt sie das Fahrrad hin und rennt los, um die Nachricht der grossen und kleinen Nachbarschaft zu verkünden. Der Höhepunkt für sie ist, als sie am Abend Papa die Überraschung vorführen darf.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass die Selbstbestimmung der richtige Zeitpunkt zum Lernen ist.

7. März 2007

Bewilligung für ein weiteres Jahr erhalten

Heute haben wir die Bewilligung für Bildung zu Hause für unsere Tochter Sara bis Ende Juni 2008 erhalten. Die Behörden nehmen zur Kenntnis, dass wir 'unschoooling' im Sinne von informellen Lernen praktizieren und beziehen sich sogar auf den Urvater von 'unschooling', auf John Holt. Um sich abzusichern spricht die Behördensprache von verschiedenen Eventualitäten, wie z.B. Leistungstests können angeordnet werden, usw. Sie können scheinbar nicht anders als sich in alle Richtungen abzusichern.

Die Bewilligung wurde sehr differenziert erteilt und geht ein auf unsere Reflexion, die wir von Sara erstellt haben. Das Kindeswohl wird sehr ernst genommen.

Wir freuen uns über diesen Bescheid und hoffen, dass es immer so weiter geht.

3. März 2007

Behördenkontakt

Unser erster Antrag für Bildung zu Hause in unserem Schweizer Wohnkanton Appenzell Ausserrhoden war ursprünglich für alle Kinder und für die ganze Schulzeit gedacht. Wir reichten ein umfangreiches Konzept ein, wie wir unser Vorhaben realisieren möchten. Nach einem sehr angenehmen Behördenkontakt mussten wir uns belehren lassen, dass wir für jedes unserer drei Kinder eine separate Bewilligung einholen und diese jährlich erneuern müssen. So haben wir für unsere älteste Tochter Sara anfangs 2006 die Bewilligung für ein Jahr 'häuslicher Unterricht' erhalten. Häuslicher Unterricht nennt es die Behördensprache in ihren Gesetzesartikeln. Wir nennen unser Lernprinzip 'unschoooling' oder selbstbestimmtes Lernen.

Diese Bewilligung mussten wir per Ende Februar 2007 für ein weiteres Jahr erneuern lassen. Wir haben wiederum ein mehrseitiges Dokument eingereicht, welches unsere Reflexion über das Lernverhalten und die Lernfortschritte von Sara beinhaltete. Am Freitag, 2. März 2007 hatten wir bereits das persönliche Gespräch mit der zuständigen Behördenvertreterin, welche mit uns die einzelnen Punkte unserer Reflexion durchging. So werden wir in den nächsten Tagen bereits die Bewilligung für ein weiteres Jahr Bildung zu Hause erhalten, was uns natürlich sehr freut.

Wir dürfen mustergültig erfahren und erleben, dass wir im Kanton Appenzell Ausserrhoden in Bezug auf das Thema Bildung sehr liberale Behördenvertreter haben. Sie sind jederzeit offen für Neues und verfügen über eine edle Geisteshaltung. Dies ist in einer Welt von Dogmen und Ideologien alles andere als selbstverständlich.

Es gibt sie also doch noch, die positiven Beispiele!

27. Februar 2007

Willkommen bei unserem Lernprojekt

Ihr werdet uns erleben, wie wir in einer Umgebung lernen und leben, wo die ganze Welt unser Lernfeld ist.

Wir freuen uns auf eine Neue Welt!