20. Dezember 2009

Studie über Kanadische Erwachsene, die vor 15 Jahren Bildung zu Hause praktizierten

Unter dem Titel ‘Fifteen Years Later – Home-Educated Canadian Adults, 2009’ ist vom Canadian Centre for Home Education eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht worden.

Die erste Generation von Kanadischen Erwachsenen, die vor 15 Jahren als Kinder ‘Bildung zu Hause’ praktizierten und die sich anno 1994 an einer Studie über ‘Home Education’ beteiligten, wurden mittels einer Umfrage eingeladen, ihre Erfahrungen 15 Jahre danach mitzuteilen. Die Umfrage beinhaltete Fragen über ihre wirtschaftliche, Ausbildungs-relevante, berufliche und soziale Grundzufriedenheit sowie weiteren Fragen über ihren heutigen Lebensstil. Die heutige Sicht ihrer Erfahrungen mit ‘Bildung zu Hause’ vor 15 Jahren wurden ebenfalls nachgefragt. Wo immer möglich, wurden die Antworten verglichen mit existierenden Informationen aus öffentlichen Quellen.

Im Allgemeinen zeigen die Befragten grosse Wertschätzung für die Möglichkeit, die ihnen mit ‘Bildung zu Hause’ geboten wurde. Das Bildungsniveau, die berufliche Leistungen und das gesellschaftliche
Engagement dieser Erwachsenen zeigen gemäss dieser Studie den grossen Erfolg von ‘Bildung zu Hause’ in Kanada.

Wir freuen uns, dass zu diesem Thema immer mehr Publikationen und Langzeitstudien aus den USA, Kanada und Australien veröffentlicht werden. Das hilft uns, noch profunder für unser Anliegen zu argumentieren.

7. Dezember 2009

Min Za

Min Za wöt einfach nöd usä cho.
Äs nützt kei rupfä und zupfä.

Er wöt einfach nöd usä cho.
So mues i halt no warte.

Hät scho liäber, das er dossä wär.
Er hangt nämli nur no amä Fadä dra.

Oje, min Za, min Za - jetzt isch er duss.
I bi so froh.

4.12.2009 (1. Gedicht von Sara)

4. Dezember 2009

Interessen-Plätze

Haben die Kinder ein authentisches Bedürfnis zu einem Thema mehr zu erfahren, dann gestalten wir Eltern die Umgebung so, dass Lernen zu dem gewünschten Thema stattfinden kann. So entstehen dann oft kleine oder grössere Interessen-Plätze. Hier stellen wir Materialien bereit, sodass die Kinder sich zu ihrem interessierten Thema bilden können. Das Internet ist dabei eine selbstverständliche und wichtige Unterstützung. Zur Zeit haben wir ein Interessen-Tischchen zum Thema ‘Tiere in Australien, Tiere in der Steppe, Tiere im Urwald und Tiere im Meer’. Nebst Bilder-und Sachbücher aus Interessen-Tischchen 'Tiere'unserer eigenen Kinder-Bibliothek oder der Gemeinde-Bibliothek hat es hier Spiele wie Memories oder Dominos, Fragekarten, Infokarten, Rätsel, Kopiervorlagen, usw. Ein weiterer Interessen-Platz mit dem Thema Körper ist inzwischen zu einer Interessen-Ecke gewachsen. Wir haben erfahren, dass dieses Thema bei unseren Kindern immer wieder neu aktuell ist und somit haben wir diesen Bereich ergänzt und vergrössert. In der neu entstandenen Körper-Ecke befinden sich verschiedenste  Bücher zum faszinierenden Thema Körper, wobei für jedes Alter etwas mit dabei ist. Zusätzlich wird diese Ecke bereichert durch einen stabilen Torso, welchem man die Organe rausnehmen kann, um so das Innere des Bauches zu entdecken und zu erkunden. Auch ein Skelett und ein Stethoskop sowie zwei Körper-Poster gehören dazu. Zur Zeit spielen die Kinder ‘Arzt und Ärztin’. Und das obwohl sie noch nie ernsthafte Erfahrungen mit einem Spital oder einem Mediziner hatten. Im Rollenspiel nehmen sie den Torso auseinander und als kleine Ärzte wollen sie natürlich wissen, für was denn die verschiedenen Organe zuständig sind. 'Körper-Ecke'So haben wir abgemacht, dass ich ihnen jeden Tag zu einem einzelnen Organ einige Besonderheiten erzähle. Das Interessante für mich ist jeweils, dass sich jedes Kind jene Informationen herauspickt, welche seinem Reifeprozess entsprechen. Selbst Nalin (4 Jahre) findet es am Besten, wenn er als spielender Patient zur ‘Ärztin’ geht und sagen kann, welches Organ ihm gerade weh tut oder wenn er selber als Arzt seinen ‘Patienten’ einige Schüsslersalze verabreichen kann oder sie mit einer Spritze am ganzen Körper kitzelt!

Auch gerade aktuell ist der Interessen-Platz zum Thema Advent und Weihnachten, wo die Kinder diverse Bücher, Geschichten, Bastelmaterial, usw. vorfinden.

Auch hier fliessen Wissengebiete und Lernbereiche ineinander über. Mit Lesen, Tasten, Schauen, Staunen, Spielen sowohl aktiv als auch passiv, Spüren, Fühlen, usw. werden verschiedenste Sinne und Lernkanäle gleichzeitig nebeneinander aktiviert.

3. Dezember 2009

Puppengalerie

Diese Galerie ist immer wieder mal für eine gewisse Zeit das Paradies unserer Mädchen. Was natürlich nicht bedeutet, dass Nalin nicht auch hier spielen darf. Doch seine Interessen gelten meistens anderen Dingen, wie Arbeiter, Kräne, Bagger und Maschinen aller Arten, was keineswegs anerzogen ist! Die Mädchen übernehmen zum Beispiel die verantwortungsvolle Rolle als Mutter oder Vater und versuchen möglichst viele Erlebnisse wahrheitsgetreu nachzuspielen. Phasenweise ist diese Galerie heiss begehrt: Puppen, Kleider, Stoffe, Vorhänge, Hängebettchen für die Elfen und Feen, grosses Bett für alle Puppen. . . . . . darüber gäbe es viel zu berichten. Es werden hier und im ganzen Haus Rollenspiele in allen Variatonen gespielt.

Puppengalerie

2. Dezember 2009

Computerstation

Noch nie war man so schnell und einfach zu fundierten und differenzierten Informationen gekommen wie im heutigen Zeitalter des Internets. Und genau deshalb gehört auch ein Computer zur Lernumgebung unserer Kinder. Haben die Kinder eine Frage, dann finden wir meistens im Internet die Antworten dazu. Oftmals wüssten wir Eltern die Antwort ja schon im Voraus und könnten sie den Kindern einfach sagen. Abgesehen davon, dass wir das manchmal auch tun, geht es uns aber vielmehr darum, den Kindern aufzuzeigen, auf welche verschiedenen Arten sie zu Informationen kommen. Computer-StationEs gibt Tage, an welchen die Kinder sehr viele Fragen haben und es nicht möglich ist, sofort auf alle Fragen Antworten zu finden. Deshalb haben wir mit den ‘Frage-Zetteln’ begonnen, auf welche die Kinder ihre Fragen aufschreiben und an der Wand neben dem PC aufhängen, damit sie nicht vergessen gehen. Hier steht dann z.B. ‘Wie alt ist der älteste Mensch?' Wie lebt der Seestern? Wie tief ist das Meer? ’Zu einem passenden Zeitpunkt bilden wir uns dann zu einer aufgeschriebenen Frage gemeinsam weiter oder ich suche abends, wenn die Kinder schlafen, einige Links oder Informationen für sie raus und wir schauen sie uns am nächsten Tag an. Oftmals kann man mehrere Fragen zu einem Thema ordnen. Dafür haben wir Interessen-Plätze bereit gestellt, wo die Kinder Material entsprechend ihren Interessen wieder finden können. Natürlich wird der Computer auch zum Schreiben von Geschichten oder Emails benutzt. Und es kann auch vorkommen, dass eines unserer Kinder eine Lieblingsseite hat, welche immer mal wieder besucht wird wie z.B. jene von Pippi Langstrumpf, wo unsere älteste Tochter einst mehrere Lieder von Pippi in verschiedenen Sprachen selbständig gelernt hat.

So stehen wir den neuen Technologien jederzeit offen, interessiert und neugierig gegenüber.

23. November 2009

Schulfrei – lernen ohne Schule Zeitpunkt 104, November/Dezember 2009

Das Magazin Zeitpunkt widmet sich in ihrem Schwerpunkt dem Thema ‘Schulfrei – lernen ohne Schule’. In eindrücklichen Artikeln wird über die verschiedensten Perspektiven des Lernens reflektiert. Einzelne Artikel sind sogar als Link verfügbar.

  • Editorial: Wo wir Untertan werden
  • Produktionsfaktor Kind – in den Schulen werden Kinder als Konsumenten und Arbeitnehmer zurechtgebogen - Roland Rottenfußer
  • Die psychopathische Schule - John Taylor Gatto
  • Die Schule als «Fitnesscenter für die Arbeitsesel des Neoliberalismus»
  • Der gute Schüler - Jens Bjørneboe
  • Lernen, was man wirklich will – wie aus einem Buben, der den ganzen Tag «nur angelte», ein glücklicher junger Mann wurde - Daniel Greenberg
  • Die schiefen Leistungskriterien von PISA - Jens Wernicke
  • Eine Idee macht Schule - Doris Ammann
  • Ich war nie in der Schule ... und bin trotzdem ein gebildeter Mensch - André Stern
  • Lernen ohne Schule und Lehrer – ist Homeschooling eine Alternative? - Monika Beer
  • Mein grösster Lernerfolg  und andere Kurznachrichten
  • Das AntWort - Anton Brüschweiler (Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift «Schulpraxis» des bernischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes LEBE. Die Redaktion gab dem Autor in nicht ganz einwandfreiem aber eindeutigem Deutsch folgende Rückmeldung: “Die Kolumne ist bei vielen LeserInnen seeeehr gut angekommen. Der Stil gefällt.” Uns gefällt er auch.)

Die Artikel sind teilweise sehr kritisch, was gewisse Leser vielleicht aufwühlen könnte. Aber es lohnt sich sicher, ab und zu die Perspektiven zu wechseln. Nur durch Perspektivenwechsel können wir unser begrenztes individuelles Spektrum erweitern.

Beim Lesen dieses Magazins wird uns einmal mehr bewusst, dass wir wirklich nicht die Einzigen sind, die sich mit Schule, Lehrer, Kinder, Lernen, Bildung, Lernumgebungen, Unschooling, Sozialisation, Authentizität, Liebe und vielem Mehr auseinandersetzen. Das gibt uns selber immer wieder neuen Mut.

22. November 2009

Schule 2030: Ist Homeschooling die Zukunft?

In einem interessanten Artikel schreibt Gérard Bökenkamp über die Schule 2030. Er wagt dabei eine sehr kühne These:

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Homeschooling in der Mitte des kommenden Jahrhunderts nicht die Ausnahme sein wird, sondern breite Verbreitung findet und Elemente des Homeschoolings auch in den Schulbetrieb integriert werden. Den entscheidenden Grund dafür sehe ich in der technischen Entwicklung, besonders im Bereich der neuen Medien.

Lesen Sie hier…

14. September 2009

‘Pro-Lernen Zimmer’

Obwohl die Kinder im ganzen Haus Lernmöglichkeiten vorfinden, haben wir ein Zimmer, welches wir ‘Pro-Lernen Zimmer’ nennen. Hier haben Sara und Olivia je einen grossen Schreibpult mit Schubladen, Nalin hat ein kleines Tischchen, welches ihn bis jetzt vollkommen erfüllt. Des Weiteren hat es in diesem Raum zwei grosse Gestelle. Auf dem einen befinden sich über 20 Ordner aus meiner ehemaligen Lehrerinnentätigkeit, gefüllt mit Themen- und Arbeitsblättern zu Mathematik, Deutsch und Mensch & Umwelt. Hier wähle ich ab und zu eine Kopiervorlage als Angebot aus, wenn es gerade zu einem Thema der Kinder passt. Ab und zu suchen sich die Kinder auch selber etwas aus diesen Ordnern. Allerdings beobachte ich immer wieder, dass das Interesse für diese Arbeitsmaterialien bei unseren Kindern bis jetzt sehr gering ist. Lösen sie mal ein Arbeitsblatt, dann eigentlich nur in jenen Zeiten, in welchen sie ‘Schule spielen’. Zudem hat jedes Kind dort ein Regal für die 'Pro-Lernen Zimmer' mit Zahlen- und Buchstabenmaterialeigenen Ordner und andere persönliche Dinge. Auf einem anderen Gestell (Foto nebenan) haben wir eine Fülle an Materialien rund um die Themen Buchstaben und Zahlen.  Einen Grossteil der angebotenen Materialien ist selbstgemacht und es befinden sich darunter diverse Variationen von Memorys, Dominos, Puzzles, usw. Damit die Kinder den Inhalt in den vielen Behältern (es sind über 90) gut erkennen können, sind diese bewusst in transparentem Plastik versorgt. Es würde zu weit führen, wollte ich alle Materialien im Detail auflisten. Deshalb einfach einen kurzen Überblick: Bei den Zahlen hat es Material, um erstens mal den Zahlenbegriff erfassen zu können. Zweitens, die vier Grundrechenoperationen (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division) auf möglichst viele verschiedene Arten erlernen zu können und drittens diese auch zu mechanisieren. Zudem hat es Würfel, Messbänder und Sanduhren. Bei den Buchstaben hat es diverses Erstlesematerial, Schreibmöglichkeiten, Übungsspiele für das Leseverständnis und viele Angebote, um sich die Rechtschreibung anzutrainieren.

Es gibt Zeiten, da verweilen sich die Kinder stundenlang mit diesen Materialien. Doch viel mehr Zeiten gibt es, wo die Kinder Mathematik und Deutsch im realen Alltag lernen. Die Materialien bieten dann jeweils Gelegenheit, etwas nochmals auf eine andere Art zu veranschaulichen und zu vertiefen.

Im ‘Pro-Lernen Zimmer’ haben wir zudem genügend Ablagefächer, um Ordnung und Übersicht zu ermöglichen. Ausserdem stehen auf einem Regal diverse faltbare Land- und Weltkarten, Kompass, Globus, Miniplanetarium und Sternenglobus.

Die Kinder haben dieses Zimmer gerne und nennen es manchmal spassig  ‘mein Büro’. Auch während unseres längeren Aufenthaltes in Sardinien fragten wir sie, was sie am Meisten vermissen würden und Sara sowie auch Olivia nannten als etwas vom Ersten ihren Schreibpult.

13. September 2009

Klang-Ecke

Wo noch bis vor wenigen Monaten all die Materialien rund ums Thema Klangerlebnisse, kreatives Musizieren, Klang-EckeSingen und spontanes Tanzen im ganzen Haus verteilt waren, sind sie jetzt übersichtlich geordnet in unserer Klang-Ecke. Zwei Gitarren, eine Altflöte und mehrere Blockflöten gehören dazu und begleiteten meinen Mann und mich schon während unserer eigenen Kindheit.  Des Weiteren haben wir dort ein grosses Xylophon, Kongas, Rhythmik-Instrumente, afrikanische Kalimba (Daumenklavier), Klangschalen, viele Liederbücher, Musik-Ordner, eine Auswahl an CD’s mit Musik zum Mittanzen oder Lieder zum Mitsingen. Es kommt oft vor, dass sie selbständig die Instrumente erkunden, darauf improvisieren oder zum Mitsingen benutzen. Sie lieben es auch, wenn ich mit ihnen zusammen ein Lied singe und es auf der Gitarre begleite. Zur Zeit sind Sara und Olivia mit dem Erlernen des Blockflötenspielens beschäftigt und üben fleissig daran. Obwohl es manchmal gar nicht so einfach für sie ist, die richtigen Töne zu finden, sind sie motiviert mit dem Ziel vor Augen, bald ihre Lieblingslieder selber mit der Flöte spielen zu können. 

10. September 2009

Kinderbibliothek

Da wir beide (Mutter und Vater) sehr gerne lesen und uns immer wieder zu den unterschiedlichsten Themen bilden, haben wir auch ein entsprechend grosses Büchergestell. Einen (kleinen) Teil unserer Gesamtbibliothek haben wir zum Thema Bildung und Kinder auf unserer Literaturliste festgehalten. Wie soll es denn anders sein, als dass Kinder, welche ihre Eltern lesen sehen, früher oder später auch lesen lernen wollen?

In unserer Kinderbibliothek findet man Bücher mit lustigen, frechen, witzigen, poetischen, sinnlichen, humorvollen, lieblichen, fantasiereichen, Fragen anregenden, bildenden, abwechslungsreichen, anschaulichen, friedlichen, spannenden, geistreichen, reizenden, angenehmen, geschmacksvollen, fesselnden, unterhaltsamen, scharfsinnigen, vergnügten, raffinierten, lehrreichen, munteren, wissenswerten, prächtigen, fabelhaften, Werte bildenden, pfiffigen, abenteuerlustigen, offenherzigen, amüsanten, eindrucksvollen, gründlichen, faszinierenden, Wortschatz erweiternden, durchdachten, märchenhaften, erfrischenden, spirituellen, fachkundigen, gemütlichen, informativen, mitreissenden, atemberaubenden, profunden und wohltuenden Geschichten.

 Kinderbibliothek

Das Buch nimmt eine zentrale Rolle in unserer Familie ein und es vergeht kaum ein Tag, ohne dass die Kinder nicht im Minimum in einem Buch geblättert haben. Nebst dem, dass insbesondere Sara schon ganze Bücher selbst liest, oder besser gesagt verschlingt (wer hätte das gedacht, dass ein Kind selbstbestimmt lesen lernen kann!!), lieben es alle unsere Kinder, wenn wir ihnen Geschichten vorlesen oder erzählen. Bei drei Kindern, die alle zur gleichen Zeit ein anderes Buch wünschen, ist Organisation gefragt. Im Moment haben wir es so gelöst, dass Sara und Olivia abwechslungsweise ein Buch auswählen und ich lese die Geschichte auf mehrere Tage verteilt vor. Natürlich hören dann beide Mädchen interessiert mit. Da die Bilderbücher von Nalin weniger zeitintensiv sind, kommt er ebenfalls täglich in den Genuss einer Geschichte.

Übrigens: Auch die Gemeindebibliothek in unserem Wohnort besuchen wir regelmässig.

8. September 2009

Plädoyer für Bildung zu Hause ohne Lehrerpatent

Obwohl die Meinung der öffentlichen Hand bereits gemacht ist, möchten wir dieses Thema aufgreifen und die Sicht aus einer Familie kund tun, die Bildung zu Hause praktiziert und die sowohl ein Lehrerdiplom als auch ein Ergänzungsstudium in Neuer Lernkultur besitzt.

Um vorab unsere grundsätzliche Ansicht klar zu stellen:

Wir sind gegen ein zwingendes Lehrerpatent in der Familie, sondern für nachgewiesene Bildung der Eltern!

In verschiedenen Kantonen der Schweiz wird “Bildung zu Hause (BzH), häuslicher Unterricht, Homeschooling, Unschooling, Freilerner” oder welche Begriffe auch immer man diesem Thema alles zuweist, von öffentlicher Seite her immer mehr thematisiert (wir nennen es nachfolgend BzH). Dabei möchten die Behörden die Auflagen für BzH immer mehr verschärfen. Dabei war der Kanton ZH Vorreiter, indem er in einer neuen Gesetzgebung BzH zwar nicht verboten hat, aber die zu erfüllenden Auflagen insofern verschärft hat, indem er ein Lehrerpatent in der Familie als Voraussetzung für BzH einfordert. Andere Kantone wollen dem Beispiel des Kantons ZH nachziehen, ohne darüber richtig zu reflektieren. Es kommt bei uns jedenfalls so an.

Was macht denn ein Lehrerpatent überhaupt aus?

  1. Ein Lehrer, eine Lehrerin soll sich durch eine gewisse Allgemeinbildung auszeichnen (Betonung auf soll).
  2. Es zeichnet einen Lehrer aus, dass er vorgegebene Lehrinhalte in strukturierter Form einer Gruppe von ca. 15 – 25 unmündigen Menschen im Alter zwischen 6 – 16 vermitteln und überprüfen kann.
  3. Daneben hat ein Lehrer ein Musikinstrument gelernt und allenfalls Sport praktiziert.
  4. Ein Lehrerpatent positioniert sich als akademische Ausbildung.

zu Punkt 1
Dies bringen andere Ausbildungen und andere Lebenspläne ebenfalls mit, vielleicht sogar mehr und umfassender als ein junger Lehrer, der gerade aus der Schule kommt. Es ist in einer pluralistischen Welt längst nicht das Lehrerpatent alleine, das von Allgemeinbildung zeugt.

zu Punkt 2
In einer Familie, in der BzH praktiziert wird, ist eine Qualität, die wie oben beschrieben wird, gar nicht von Belang. Im Gegenteil: sie könnte in der Familien-Praxis gar kontra-produktiv oder hinderlich sein. In einer Familie wird vor allem die 1:1 Beziehung praktiziert, welche ganz andere Qualitäten fordert, wie z.B. Mitgefühl zeigen und liebevolle Beziehung leben. Wir unsererseits praktizieren zusätzlich das Prinzip der vorbereiteten Umgebung, in welcher das Lernen aus intrinsischer Motivation heraus geschehen soll. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass viele Lehrer dieses Prinzip nicht einmal vom Ansatz her kennen.

Die Überprüfung und Reflektion ist für viele in der BzH-Welt ein schwieriges Problem. Dies hängt wiederum von vielen Faktoren ab. Die einen verstecken sich vor Transparenz (Problem des Weltbildes). Den anderen fehlt überhaupt die Fähigkeit zur Reflektion (mangelnde Bildung). Hier verstehen wir die Anliegen und die Schwierigkeiten in der Umsetzung der öffentlichen Hand, resp. der Behörden mit BzH-Familien. Hier sollte von BzH-Eltern auch etwas verlangt werden können.

Von Eltern mit einem Lehrerpatent erwartet man automatisch, dass diese vermitteln und reflektieren können. Können dies wirklich nur Eltern mit einem Lehrerpatent? Zelebriert sich hier das Schulsystem nicht selber?

zu Punkt 3
Dies bringen ebenfalls sehr viele erwachsene Menschen selbstverständlich mit, ist aber unerheblich für die Praxis von BzH.

zu Punkt 4
Es ist wirklich tiefer zu überprüfen, welchen Wert eine akademische oder nicht-akademische Ausbildung im Zusammenhang mit BzH hat. Nach unserer Meinung ist ein Lehrerpatent nur eine von unzähligen Möglichkeiten, die Voraussetzungen für BzH zu erfüllen. Wir würden uns in einer pluralistischen Welt von der Behörde mehr Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe wünschen.

Es ist nach unserer Meinung kein Lehrerpatent für BzH notwendig, wohl aber Bildung der praktizierenden Eltern.

Die Bildung der Eltern könnte sehr wohl in einem profunden Gespräch mit den Behörden, vielleicht sogar mit dokumentierten Lebensläufen nachgewiesen werden. Aus einer deutschen Statistik wissen wir, dass 80-85% von Akademikern und Beamten studieren. Bei Arbeiterkindern sind es nur noch 12%. Dass heisst, dass sich Akademiker selbst rekrutieren und die Chance eines Studiums für Kinder aus gebildeten Schichten zwanzigmal wahrscheinlicher ist als die für Arbeiterkinder. Wir sind Welten von Chancengleichheit entfernt und es wird ständig schlimmer. Also für Akademiker, egal welcher Herkunft, müssen sich Behörden im Bezug auf BzH keine Sorgen machen.

Wo beginnt nun Bildung und wo hört sie auf? Dies müsste man vertiefter heraus arbeiten. In einer abgeschlossenen Berufslehre mit Weiterentwicklung ist implizit auch schon immense Bildung enthalten. Auch in alternativen Lebensentwürfen ohne staatliches Diplom kann viel Bildung enthalten sein. Herzensbildung ist ebenfalls eine unermessliche Bildung. Dies müsste man von Fall zu Fall anschauen. Es wäre aber Sache der Behörde, diese Bildung zu hinterfragen und einzuschätzen. So hätten die Behörden in der Vorevaluation der Eltern auch eine mitverantwortliche Rolle für die Bildung von BzH-Kindern. Wie es dann in der Familie mit der Bildung der Kinder herauskommt, ist jedoch immer ungewiss. Dafür übernimmt die Behörde oder die Lehrerschaft auch in der Schule keine Verantwortung. Auch die Qualität der regelmässigen Reflektion über die BzH-Kinder zeigt den Behörden den Bildungsstand der Eltern auf. Auch hier könnten die Behörden Einhalt gewähren, falls die Qualität der Reflektion zu Wünschen übrig lässt. Dies ist halt wieder eine Sache der Transparenz und der Bildung.

Es ist auch unsere Meinung, dass Kindern immer eine minimale Chance zu einer guten Bildung gewährt werden muss. Wenn es in der Familie nicht funktioniert, dann vielleicht in der Schule. Die Umkehrung dieser Aussage müsste ebenfalls gelten.

Auch sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden. Im Kanton AR sind z.B. von 7000 Schulkindern ca. 20 Kinder, welche BzH praktizieren dürfen (Information aus NZZ). Das sind weniger als 3 Promille (!) aller Schulkinder des ganzen Kantons. Dass Familien gerade aus Bildungsüberlegungen einen anderen Kanton auswählen, sollte inspirieren anstatt einfach den Kanton ZH nachzuahmen.

Wir rufen dabei in Erinnerung, dass in den USA Eltern geehrt werden, welche BzH praktizieren, weil sie die öffentliche Hand entlasten. In Kanada unterstützt der Staat BzH sogar finanziell (bis $1000 pro Kind pro Jahr). In Australien gibt es Staaten, in denen die öffentlichen Schulen 1 Tag pro Woche die Türen für Homeschooler öffnen.

Es sollten innovative Lösungen für dieses Thema gesucht werden. Innovative Lösungen sind unserer Ansicht nach solche, die u.a. Eltern zu Transparenz und zu fundierter Reflektion herausfordern und solche, welche den Behörden helfen, über den Tellerrand des Schulsystems hinaus zu schauen.

Was denken nun die Unschooler oder Freilerner über unsere Ansichten? Wie denken Homeschooler darüber? Wie denken die Behörden darüber? Wie denken Eltern darüber, welche die Kinder in die Schule schicken? Wie denken Lehrer darüber?

Im Voraus danken wir für konstruktive Rückmeldungen.

17. August 2009

Malstation à la Arno Stern

Vor über zwei Jahren haben wir unsere Malstation à la Arno Stern eingeweiht. Darüber haben wir hier berichtet. Mittlerweile wurden schon sehr viele Bilder damit gemalt und die Kinder sind nach wie vor fasziniert von den Möglichkeiten und der Art, sich ausdrücken zu dürfen. Auch Nalin, welcher vor zwei Jahren noch nicht verstand, dass er den Pinsel nicht von Farbtopf zu Farbtopf tunken durfte, da dadurch die Farben vermischt werden, malt nun mit viel Hingabe und Freude seine kleinen Kunstwerke. Wie ich schon in diesem Blog berichtet habe, nimmt die ‘dienende Haltung’ eine wichtige Rolle ein. Der Forscher und Pädagoge Arno Stern formuliert das so:

“Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Beziehung zum Kind: Der Dienende im Malort vermittelt kein Wissen. Aber die gründliche Kenntnis des Formulationsablaufes bestimmt seine Haltung: Das Wissen um das Allgemeingültige schützt vor der Versuchung einer Anteilnahme am Persönlichen, vor der Lust, die entstehende Spur zu beurteilen oder gar zu deuten. Es ist zur Ausübung dieses Berufes unentbehrlich; nicht aber eine eigene Erfahrung im Umgang mit Pinsel und Farbe. Hier entsteht ja nicht ein Verhältnis wie zwischen dem vorbildlichen Meister und dem unerfahrenen Lehrling. Dienen heißt, in jedem Moment sich in die Lage aller versetzen, die hier spielen; dafür sorgen, dass sie durch nichts vom Wesentlichen abgelenkt werden; ihnen jede unnötige Mühe ersparen; sie vor jeder materiellen Besorgnis entlasten. Und auch wer nur von der Formulation erfährt, kann nicht mehr, wie so viele es tun, Kinderzeichnungen verbessern, beurteilen, kommentieren, deuten, wie Werke aufnehmen oder gar ausstellen, sondern wird sie als das anerkennen, was allein sie auszeichnet: als ein vom Kind erlebtes Spiel, das keinen Fremden einbezieht. Dieses Dienen ist - zum Unterschied von so vielen Beschäftigungen in unserer Gesellschaft - eine beglückende Tätigkeit, die nie zur Routine erschlafft."

Schön, nicht wahr? Weiter schreibt er:

"Eines Tages ist mir aufgefallen, dass im Malort nicht Ähnliches wie zu Hause, wie in der Schule oder in der Psychologenpraxis entsteht. Anfangs glaubte ich, es läge an der aussergewöhnlichen Qualität der Werkzeuge, die ich den Kindern gab, während sie sonst wo mühsam ein bisschen verwässerte Farbe dem Malkasten abzugewinnen versuchten. Aber daran lag es nicht in erster Linie, sondern an der grundlegend verschiedenen Einstellung zum Malenden. Deshalb entstand hier eine nie zuvor geschehene Äußerung. Wer zu dieser Äußerung kommt, sich von allen Vorbildern und Vorstellungen befreit, hemmungslos die natürliche Spur entstehen lässt, kehrt zu seinem wahren Wesen zurück. Das Formulationsspiel im Malort ist keine Therapie sondern eben Therapie-vorbeugend, weil es Fähigkeiten fördert, die zur Entfaltung und Stärkung der Persönlichkeit führen.”Bild an der Malstation

Und genau in diesem Sinne haben wir die Malstation errichtet. Denn die Philosophie von Arno Stern passt genau zur Philosophie von unserem Bildungsprojekt ‘Pro-Lernen’ und ist bei uns nicht nur auf die Malstation bezogen. Faszinierend dabei ist, dass sein Sohn und seine Tochter nie zur Schule gegangen sind, sich nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens zu Hause bildeten und heute beide ein selbständiges und erfolgreiches Leben führen. Mit einer Geisteshaltung wie der von Arno Stern kann man gar nicht anders als Unschooling praktizieren!

13. August 2009

Ferienkind Aarone aus Frankreich

Schon der dritte Sommer verbringt ein Mädchen aus einer französischen Grossstadt einige Wochen ihrer Ferien bei uns in der Schweiz. Das erste Mal war Cindy bei uns, das zweite Mal war es Laetitia. Im Idealfall würde jedes Jahr das selbe Mädchen wieder zur selben Familie gehen. Doch nachdem unser erstes Ferienkind Cindy letztes Jahr ihre Verwandten in Afrika besuchen durfte, so hat ihre Mutter dieses Jahr ganz kurzfristig abgesagt, weil sie Angst wegen der Schweinegrippe hatte! Wir bedauerten dies zwar sehr, haben jedoch zugesagt, ein anderes Mädchen bei uns aufzunehmen. Solch eine Zusage ist jedes mal ein Risiko, denn man hat keine Ahnung (ausser Alter und Geschlecht, das man wählen kann), was für einen Charakter das Kind hat, welches man zugeteilt bekommt. Risiko auch deshalb, weil dieses Kind die Umgebung unserer Familie während der Zeit seines Aufenthaltes massiv beeinflusst und mitprägt. Nicht nur, dass es eine andere Sprache spricht und eine andere Hautfarbe hat, ihre ganze Herkunft ist komplett anders als jene von uns. Da gilt es beiderseits Rücksicht zu nehmen, tolerant zu sein, Kompromisse einzugehen. Das ist ein Lernfeld der besonderen Art für alle Beteiligten. Ferienkind Aarone

So ist nun seit über einem Monat Aarone bei uns und wir dürfen mit ihr zusammen eine sehr harmonische und schöne Zeit erleben. Es ist sogar so harmonisch zwischen ihr und unseren Kinder, dass wir ihren Aufenthalt von drei auf sechs Wochen verlängern konnten.  Das heisst aber nicht, dass alles nur perfekt läuft. Es gibt nämlich immer wieder kleine Herausforderungen, welche wir zu bewältigen haben. Doch da ihr Grundwesen wirklich sehr lieb und friedvoll ist, übertrifft das Positive bei weitem. Die Kinder haben es gut miteinander und es gibt nur sehr selten einen kleinen Konflikt. Für Aarone ist das hier bei uns eine Welt, die sie bis jetzt nicht kannte. Es scheint so ziemlich vieles anders zu sein als bei ihr zu Hause in der kleinen Wohnung an schlechtester und lautester Wohnlage mitten in der Betonwüste. So staunt sie z.B. dass wir für ein Geburtstagsfest einen Kuchen backen und nicht kaufen und noch vielmehr staunt sie, dass wir auch ohne speziellen Grund mal einen Kuchen backen. Sie staunt, dass der Fernseher bei uns nicht von morgens früh bis abends spät läuft und unsere Kinder der Fernseher überhaupt nicht interessiert. Sie staunt, dass es direkt hinter unserem Haus Kühe hat und hier so ruhig ist. Sie staunt, dass ich so viel Zeit ins Kochen investiere und noch viel mehr, dass ich auch immer wieder alles aufräume und dass alles so sauber ist. Sie staunt über das Spiel-und Lernangebot und dass unsere Kinder freiwillig lesen, schreiben oder Allerlei lernen. Sie staunt, dass wir so viel Zeit hier zu Hause verbringen und es den Kindern trotzdem nicht langweilig ist und sie staunt, dass sie am Morgen niemanden wecken darf. Sie staunt, dass wir nicht direkt am Meer wohnen (mit dieser Vorstellung ist sie bei uns eingetroffen!) und am Meisten staunt sie, dass unsere Kinder ihren Papa lieben und umgekehrt. Das scheint für sie unvorstellbar zu sein.

Es gibt auch viele Dinge, worüber wir staunen, z.B. über ihre Vorstellung von Ordnung (dieses Wort existiert in ihrem Wortschatz definitiv nicht!), Fernsehschauen, Animation, Ernährung oder Supermarkt, wo wir wirklich sehr weit voneinander entfernt sind. Dies beeinträchtigt aber unsere entspannte Umgebung nicht, weshalb wir das so annehmen wie es ist.

Dass es Aarone bei uns gefällt, manifestierte sie bereits am zweiten Tag ihres Hierseins, indem sie wissen wollte, ob sie in einem Jahr wieder kommen dürfe. Und so wie es im Moment aussieht, würden wir uns alle darüber freuen.

24. Juli 2009

‘Learn NoThing Day’ missglückt!

Ein Tag ohne Lernen ist doch kein Problem, oder doch? Doch, bei uns schon! Denn als wir unseren Kindern von diesem Tag erzählte, schauten sie ganz ratlos drein und wussten gar nicht, was damit gemeint ist. Nalin kamen bald darauf die Tränen und er rief ganz entrüstet aus: “Aber ich will Morgen auch lernen! Ich will nicht ‘nicht lernen’!” Er beruhigte sich sofort wieder, als wir ihm erklärten, dass dies nur ein Spiel ist und er immer und überall lernen darf. Während unsere beiden Töchter sich immer noch vorzustellen versuchten, wie ein ‘Learn NoThing Day’ wohl funktioniert, jubelte unser französisches Gastkind Aarone lauthals und rief, dass sie dann den ganzen Tag TV schauen werde und nur Blödsinn machen werde! Das wiederum fanden unsere Kinder absolut lustig und sie kugelten sich vor Lachen. Auf diese Idee wären sie nicht gekommen!

Dass wir aber an diesem Tag kläglich scheitern würden, war eigentlich voraus zu sehen. Denn alleine mit unserem französischen Gastkind wird täglich jede Menge Französisch gelernt. Eines unserer Kinder meinte heute Morgen:” Jetzt dürfen wir den ganzen Tag nicht mit Aarone sprechen und wenn sie spricht, dann halten wir uns die Ohren zu. Denn sonst lernen wir ja so viel Französisch. Aber heute dürfen wir das doch nicht!” Wir haben dann abgemacht, dass wir heute trotzdem Französisch lernen dürfen, aber sonst nichts ;-)).

So haben die Kinder in der Wasserküche experimentiert, im Insektenführer ein gefundenes Insekt gesucht, zusammen mit Nachbarskindern ein Theater erfunden und sind mit diesen Kindern und ihren Puppen spazieren gegangen. Sara hat bei den Nachbarskindern die Rolle als Dolmetscherin von Aarone übernommen, sie haben viele Fragen gestellt wie z.B. weshalb gibt es in der Wüste kein Wasser, wieso kann es an einem Tag so heiss und am anderen so kalt sein, usw. Sie haben von mir eine Geschichte auf Französisch erzählt bekommen und im Bett vor dem Schlafen hat unsere älteste Tochter noch in einem Buch gelesen.

Jedes mal wenn jemand am Lernen war und dabei ertappt wurde, riefen wir aus: Oh nein, nicht schon wieder ein LERNEL! Das gab viel zu lachen und je länger der Tag dauerte, je mehr wollten sie ertappt werden.

So ist nun unser missglückter ‘Learn NoThing Day’ zu Ende. Und nebst all dem Gelernten beschäftigt unsere Kinder eine Frage ganz besonders: Wieso oder besser warum wohl Aarone nicht gerne lernt?

20. Juli 2009

Gestaltungszimmer

Unser Gestaltungszimmer ist ein ‘Sammelsurium’ von unstrukturiertem Material und Materialien zum Werken, Gestalten und Kreativ-Sein. Viele dieser Materialien finden wir in der Natur wie z.B. Muscheln, Federn, Blütenblätter, Steine, Schneckenhäuser, Tannenzapfen, Rinde, Kastanien, Nussschalen, Sand. Wieder andere Materialien sind direkt aus dem Haushalt wie Deckel von Gläsern, Becher von Rahm, Kartonschalen von Früchten, Korkzapfen, leere Fläschchen, Schachteln, Dosen, Bierdeckel, Kartonrollen, Bänderrollen, leere Zündholzschachteln, Kerzenresten oder Seifenresten. Kürzlich bekamen wir zwei grosse Schachteln farbiges Papier und Karton in bester Qualität von einer Druckerfirma geschenkt, welche dies als Abfallpapier wegwerfen Gestaltungszimmerwollte. Weiter findet man in diesem Zimmer Wolle, Schnüre, Rohwolle, Ton, Gips, Bast, Farben, Stoffe, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Mosaiksteine, Draht, Watte, Seidenpapier, Goldfolie, Transparentpapier, Servietten, Strohstängel, Zimtstengel, Speckstein, eine Malstation, Krimskrams, usw. usf. und natürlich auch das jeweils zugehörige Werkzeug sowie Bastel-und Werkbücher.   Zudem hat es in diesem Zimmer eine Tücherkiste fürs Bauen von Hütten und Höhlen und auch einen Schrank voller Kleider zum Verkleiden. 

Gerade kürzlich haben wir dieses Zimmer etwas aufgefrischt und mit einem zusätzliches Gestell bereichert, was eine bessere Übersicht der Materialien ermöglicht. Zudem haben wir alle geschlossenen Schachteln und Schubladen mit deren Inhalt beschriftet, was den Kindern erleichtert, das gewünschte Material zu finden oder auch wieder zu versorgen. Auch hat es sich bis jetzt sehr gut bewährt, den Boden mit einem festen Tischtuch aus Plastik abzudecken. So ist der darunterliegende Parkettboden gut geschützt und wird geschont, wenn darauf gewerkt und daneben gekleckert wird.

Es gibt für unsere Kinder unterschiedliche Gründe, sich im Gestaltungszimmer aufzuhalten: Entweder sie brauchen einen Gegenstand für ein Rollenspiel und werken sich mit dem vorhandenen Material das Gewünschte. Oder aber sie lassen sich vom Material inspirieren und es gibt daraus ein beliebiges Objekt. Es gibt auch Materialien, welche meine volle Begleitung und auch etwas Vorbereitung meinerseits benötigen, wie z.B. Filzen oder Tonen, und dann bestimmen wir jeweils gemeinsam den geeigneten Zeitpunkt für dieses Vorhaben.

Nicht nur die Kinder, sondern auch wir als Eltern freuen uns über diesen einladenden Raum. Dieser ist allerdings nicht von 0 auf 100 entstanden. Das Einrichten reifte ganz langsam, veränderte sich während den Jahren und entwickelt sich dauernd weiter.

Über die Malstation, welche sich ebenfalls in diesem Zimmer befindet, berichten wir in einem separatem Blog.

19. Juli 2009

Wir bewohnen ein Kinderhaus!

Wie wir schon in verschiedenen Blog-Artikeln hingewiesen haben, sympathisieren wir mit der deutschen Zeitschrift ‘Mit Kindern wachsen – Neue Perspektiven & Wege im Leben mit Kindern’. Wir haben diese Zeitschrift schon beinahe 10 Jahre abonniert.

In der Ausgabe vom April 2009 wurde unter dem Titel ‘Wir bewohnen ein Kinderhaus’ erstmals ein Gespräch zwischen Marie Martin und uns abgedruckt, welches wir hiermit unserer Leserschaft zugänglich machen wollen.

Artikel zum download

Wir sind jederzeit für Rückmeldungen dankbar.

16. Juli 2009

Pro-Lernen *eDu* im Juli

Am diesmaligen Treffen erkundeten wir das Appenzellerland auf wanderlustige Art und Weise.  Es war aber nicht eine gewöhnliche Wanderung, sondern der Appenzeller Barfussweg, welcher auf der ganzen Strecke mit nackten Füssen gelaufen wird. Von Gontenbad wanderten wir bis nach Jakobsbad, vorbei an einem Sumpfgebiet mit viel Moor und Schlamm, wo nach Herzenslust darin gelaufen und gestampft werden konnte. Wandern im Schlammbad Weiter ging’s in idyllischer Landschaft quer durch Wiesen und zum Abschluss entlang des Wissbaches, wo sich alle Kinder ein erfrischendes Bad im kalten Bach gönnten. Für unsere älteste Tochter war das Barfuss laufen nichts Ungewöhnliches, denn sie läuft auch mehrstündige Wanderungen immer am liebsten ohne Schuhe. Auch die anderen Kinder waren sich das Barfusslaufen eher gewohnt. Nicht aber unser französisches Gastkind Aarone, der das Gehen auf Kieselsteinen und Holzhäckseln entsprechend Mühe bereitete.

Müde und erfüllt waren danach jedoch alle und Spass gemacht hat es auf jeden Fall.

12. Juli 2009

Pro-Lernen zwitschert jetzt auch auf Twitter

Neben unserem Pro-Lernen Blog, auf dem wir detaillierte Erfahrungsberichte verfassen, sind wir nun auch auf Twitter erreichbar. Auf Twitter zwitschern wir in Kurzform Neuigkeiten, Kleinigkeiten, Fertigkeiten, Heiterkeiten, Eigenheiten, Besonderheiten oder Feinheiten aus unserem Alltag.

Unsere Veröffentlichungen auf Twitter kann man auch als Feed abonnieren. Wir sind gespannt, was aus dieser Art Kommunikation mit uns geschieht.

Buchrezension "Das Freilerner-Buch" von Jan Hunt

Kleine Kinder lieben die Welt.
Deswegen sind sie so gut darin,
etwas über sie zu lernen.
Denn Liebe,
nicht Tricks und Mentaltechniken,
ist im Herzen eines jeden wahren Lernens.
Können wir uns selbst dazu bringen,
Kinder durch diese Liebe lernen
und wachsen zu lassen?

(John Holt)

In diesem Geist sind die Beiträge von verschiedenen Autoren (Mary van Doren, Nanda van Gestel, John Holt, Kim Houssenloge, Jan Hunt, Dayna Martin, Daniel Quinn, Earl Stevens) im Freilerner-Buch verfasst. Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen mit dem Originaltitel “The Unschooling Unmanual” aus dem Jahr 2008.

Die verschiedenen Beiträge haben eines gemeinsam: es sind tiefgründige und liebevolle Betrachtungen zum Leben ohne Schule – keine wissenschaftliche, politische oder gar kämpferische Ausführungen. Das Buch betont immer wieder, dass Freilernen keine Methode ist. Es ist eine Art die Kinder und das Leben zu betrachten. Freilernen ist keine Technik; Freilernen bedeutet, natürlich, liebevoll und respektvoll zusammen zu leben und zu lernen. Es basiert auf dem Vertrauen, dass Kinder und Eltern die Wege finden werden, die für sie am besten funktionieren. Das Buch vermittelt Vertrauen in das Leben und das Lernen, wie es in den Kindern von Natur aus angelegt ist.

Deshalb können wir das Buch wärmstens empfehlen.

6. Juli 2009

Anregende und vorbereitete Lernumgebung

Wir werden häufig mit der Frage konfrontiert, wie wir denn unsere Lernumgebung gestalten und ob wir nicht einige Tipps dafür hätten. Deshalb werden wir in diesem und auch in einigen folgenden Blogs etwas detaillierter über die anregende Lernumgebung bei uns zu Hause berichten. Es geht uns jedoch nicht darum den Eindruck zu erwecken, dass es alle so wie wir machen sollten. Im Gegenteil! Eine Lernumgebung zu gestalten ist etwas sehr Individuelles und es gibt unzählige Möglichkeiten dafür. Entscheidend ist, dass sie auf die authentischen Bedürfnisse der eigenen Kinder abgestimmt ist. So wie wir es umsetzen ist nur ein Beispiel von vielen.

Da sich unsere Lernumgebung immer und immer wieder verändert und sich jeweils den inneren Bedürfnissen der Kinder neu anpasst, ist dies hier nur ein kleiner, momentaner Ausschnitt, welcher vielleicht einigen als Anregung oder Inspiration dienen kann.

Unser ganzes Haus ist von oben bis unten in kleinere oder grössere Themenbereiche aufgeteilt. Obwohl wir versuchen, so vielseitig und ganzheitlich wie möglich den Kindern Anregungen und Lernmaterial zu bieten, achten wir auch darauf, dass das Haus nicht zu überfüllt und zu überladen ist. Hier folgt nun mal ein kleiner Überblick: So haben wir ein Gestaltungszimmer mit vielen unstrukturierten Materialien und einer Malstation à la Arno Stern, eine Handwerker-Ecke, ein Zimmer mit Zahlen- Buchstaben- und Schreibmaterial sowie persönlichem Pult, Klangecke, Mandalagalerie, Verkleidungsschrank, Puppengalerie, Kinderbibliothek, Kinderzimmer, welches sich ständig wandelt, eine Computerstation, Klötzchenecke, in der kälteren Jahreszeit ein Hüpfzimmer, eine grosse Küche, ein Raum mit viel Material für Rollenspiele, diverse grosse Wandkarten wie z.B. Schweiz, Europa, Erde, Universum mit Sternen sowie eine Wasserküche, welche gerade zu einem Alchemisten-Labor umgewandelt wird. Nebst vielen weiteren kleinen Details, welche wir hier nun nicht alle aufzählen, gehört bei uns auch eine ruhige und naturnahe Aussenumgebung mit Gelegenheiten zum Klettern, Schaukeln, Springen, Gärtnern und vielem mehr dazu. Wie wir die einzelnen Themenbereiche gestalten, berichten wir in weiteren Blogs!

Eine Lernumgebung anregend zu gestalten ist wichtig, damit überhaupt Lernen stattfinden kann. Und ebenso wichtig ist, dass die Lernumgebung entspannt ist, da sonst bekanntlich die Lernenergie blockiert wird. Dazu gehört LIEBE und RESPEKT, was für uns persönlich als das Wichtigste gilt.

19. Juni 2009

Inspirierende Lernumgebung

Gestalten im Weltenkasten

Obwohl wir es längst wissen, erfahren mein Mann und ich immer wieder neu, dass eine entspannte und anregende Lernumgebung essentiell ist. So haben wir uns bereits vor vielen Jahren nach der Geburt unserer ersten Tochter vorgenommen, nicht am Kind zu ‘schrauben’, sondern an uns selber und an der Lernumgebung der Kinder. Das bedeutet, dass sich unsere Umgebung dauernd am Verändern, am Anpassen und am Mitwachsen ist. Dass das Gestalten einer anregenden und inspirierenden Lernumgebung solch eine spannende und erfüllende  Aufgabe für mich sein kann, hätte ich zu Beginn nie gedacht! Das Schöne und gleichzeitig auch Herausfordernde daran ist, dass es nie endet! Aktuell haben wir einige bereits bestehende Dinge ergänzt und gleichzeitig auch Neues hinzugefügt.

Gestalten im Weltenkasten Inspiriert von Heleana Jehle, welche bei der ‘Kreativwerkstatt Karlstrasse’ mitarbeitet, gehört im Moment ein ‘Weltenkasten’ mit zu den begehrtesten Objekten. Erstaunlich ist, mit wie viel Geduld, Sorgfalt und Individualität die Kinder darin gestalten und auch anschliessend wieder alle Materialien in die Behälter zurück versorgen.

So lasse auch ich mich immer wieder gerne von interessanten Leuten inspirieren und freue mich jeweils, wenn es bei den Kindern ankommt.

14. Juni 2009

Die Philosophie der Freiheit

Nachdem wir eine Weile auf Reisen waren und uns deshalb eine kleine Blog-Abstinenz auferlegten, melden wir uns mit folgendem Beitrag und viel Enthusiasmus wieder zurück.

DIE PHILOSOPHIE DER FREIHEIT

17. April 2009

Wir bewohnen ein Kinderhaus!

Die Zeitschrift ‘Mit Kindern wachsen’ (Ausgabe April 2009) ist für einmal dem Unschooling gewidmet.

Wir freuen uns dabei, dass ein Interview über uns mit dem Titel ‘Wir bewohnen ein Kinderhaus!’ publiziert und mit verschiedenen Fotos liebevoll illustriert wurde.

Wir empfehlen diese Lektüre und die Zeitschrift überhaupt wärmstens und grüssen alle aus unseren Ferien in Sardinien.

Frühling am Meer

8. März 2009

Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten !

Unsere tiefgreifende Angst ist es nicht, dass wir ungenügend sind.
Unsere tiefgreifende Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht.

Wir fragen uns, wer bin ich, mich brilliant, großartig, talentiert oder phantastisch zu nennen? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?

Du bist ein Kind des Lichtes.

Sich selbst klein zu halten dient nicht der Welt.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen,
dass andere um Dich herum sich unsicher fühlen.
Wir sind alle dazu bestimmt zu leuchten, wie es die Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz des Lichtes,
welches in uns ist, zu manifestieren.

Es ist nicht nur in einigen von uns, es ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart andere.

Nelson Mandela
ehem. Staatspräsident Südafrika, Antrittsrede 1994

Der von Mandela verwendete Text ist ein Ausschnitt des Buches
(Rückkehr zur Liebe, oder in Englisch Return to Love) von Marianne Williamson.

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Anmerkung:

Das Leuchten eines Nelson Mandela’s oder auch eines Mahatma Gandhi’s hat die jeweilige Macht nicht ausgehalten. Man hat sie einfach verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, anstatt dass man ihnen von Anfang an genau zugehört und sie gespürt hätte.

Diejenigen Menschen, die einen inneren, natürlichen Zugang zu Nelson Mandela’s Aussagen haben, verstehen auch ganz automatisch die unzähligen Initiativen alternativer Bildung. Es sind nämlich Antworten und Initiativen gegen eine Gesellschaft von Beurteilungen, Herrschaft und Gewalt.

Die richtige Bildung der Kinder und das Nicht-Zerstören dessen, was die Kinder bereits leuchten lässt, sind in der Tat zwei der momentan grössten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Und die Nach-Entfaltung der Erwachsenen ‘durch’ unsere Kinder wäre eine 2. Chance, den leuchtenden Zustand wieder herzustellen.

Aber wer will dies schon? Die Mehrheit will lieber in die alte Rigidität zurück und die Bildung und Börsen so laufen lassen wie anno dazumal.

Unsere Hoffnung stirbt zuletzt. Es gibt nämlich immer wieder Wunder - Return to Love.

7. März 2009

Das Nomen kommt von selbst!

Sara liebt es, am PC Geschichten oder Briefe an Freunde zu schreiben. Dabei nimmt sie es gerne sehr genau! Für mich persönlich war es anfangs fast ein bisschen zu genau! Denn auch in Fachkreisen ist inzwischen die Meinung etabliert, dass ein Kind die Wörter und Sätze während der Anfangsphase so aufschreiben darf, wie es sie hört. Schreibt das Kind ‘sone’ statt Sonne, dann gilt das als richtig. Das Motto lautet: Man muss es nur lesen können und dann kann es als richtig bezeichnet werden. Der Rest kommt später! So wird es auch in vielen Schule gemacht! Es ist für ein Kind nämlich ziemlich destruktiv, wenn es dauernd korrigiert wird und ständig das Gefühl vermittelt bekommt, dass es eigentlich alles nur falsch macht. Deshalb war es für mich so sonnenklar, dass ich sie von Anfang an schreiben liess, ohne zu korrigieren, sofern ich die Bedeutung des Wortes oder des Satzes erkennen konnte. Das funktionierte jedoch bei Sara nicht lange. Sie hat sehr früh bemerkt, dass die Wörter in den Büchern anders geschrieben stehen und so ist es für sie ebenfalls sonnenklar, dass sie die Wörter richtig und nicht ‘falsch’ schreiben will! Hinzu kommt, dass sie gleichzeitig entdeckt hat, dass die ‘falsch’ geschriebenen Sara am SchreibenWörter im Schreibprogramm jeweils automatisch unterstrichen werden. Mein Versuch, das Unterstreichen der Wörter aus dem Programm rauszunehmen, damit sie nicht jedes mal verunsichert wird, wurde von ihr nicht gebilligt! Anscheinend war der Zeitpunkt zum Richtigschreiben bei Sara gekommen und so hab ich mich auf das Abenteuer als Schreibberaterin eingelassen. Der Stand der Dinge ist nun so, dass Sara mittlerweile ihre Sätze immer perfekter schreibt. Anfangs hat sie sehr viel gefragt, wieso denn das jetzt schon wieder unterstrichen sei. Zusammen versuchten wir das dann jeweils herauszufinden: “Hier hat es ein “ie”, wegen dem langen iiii und da kommen zwei mm, weil. . . . . . . und kannst du hören, dass hier ein Doppel-s kommt, wenn du das Wort aussprichst? Und dieses Wort hier wird immer GROSS geschrieben, denn es ist ein Namenwort, oder ein Gegenstandswort oder man sagt dem ganz einfach Nomen!” Beim Schreiben von eigenen Erlebnissen, beobachteten Ereignissen, neu erfundenen Geschichten oder beim Beantworten von Mails lernt Sara -ohne sich dessen bewusst zu sein - auf diese Art Dehnungen und Schärfungen bei Wörtern, Verben konjungieren, Adjektive steigern, von der Einzahl zur Mehrzahl, den Wortschatz erweitern, einen Text überarbeiten, Satzschlusszeichen kennen , Fragen beantworten, mit Sätzen spielerisch und gestaltend umgehen. Halt einfach alles, was man in der Schule “Deutsch” nennt! Das Ganze hat aber einen Nachteil für Olivia. Denn sie wird von Sara jeweils gnadenlos korrigiert! Tja, so kommen immer wieder neue Lernfelder auf uns alle zu und Sara darf nun ganz bewusst lernen, von der Korrekteuse zur Schreibbegleiterin von Olivia zu werden. 

Und damit nicht der Eindruck entsteht, dass Sara nur am PC schreibt: das Schreiben von Hand beherrscht sie selbstverständlich auch, sowie die Reihenfolge des ABC, welches sie vor einem halben Jahr singend gelernt hat und mittlerweile sogar beim Suchen von Namen im Telefonbuch anwendet.

Lernen basiert auf Beziehung und nicht auf Regeln.

4. März 2009

Pro-Lernen *eDu* im März

Zu diesem aufregenden *eDu* hat uns der Hydrant in unserem Garten verholfen. Feuerwehrauto erkundenWie es dazu kam, steht in diesem Blog. So war heute ein Besuch bei der Feuerwehr in Herisau angesagt. Ein Fachmann des Feuerwehr-Teams führte uns kompetent durch ihr Fahrzeug-Lokal, erzählte viel Interessantes und beantwortete geduldig alle Fragen.  Es wurde uns demonstriert, wie schwer eine Feuerwehrkleidung ist, was alles dran und drin ist und auch der Feuerwehrhelm und die Sauerstoffmasken durften angezogen und erkundet werden. Beim Besteigen des grossen Feuerwehrautos bedurfte es für die Kinder einige Kletterkünste, um überhaupt rein ins Auto zu kommen.  Jedoch oben angekommen, wollten sie gar nicht mehr raus. Danach ging es ins Untergeschoss des Hauses, wo sich ein perfekter Kriechtunnel befand , welcher sehr niedrig, dunkel und mit Hindernissen gebaut war. Dazu brauchte es natürlich eine Taschenlampe. Einige Kinder fanden das cool, während andere Interessiertes Zuhörenlieber in sicherer Distanz warteten. Zu guter Letzt wurden wir alle mit dem Feuerwehrauto an unseren Startpunkt zurückgefahren!

Die Thematik der Feuerwehr ist mit dem Abschluss des heutigen Tages bei unseren Kindern vermutlich noch lange nicht abgeschlossen. Ich bin gespannt, auf welche Art und Weise die Kinder die nächsten Tage, Wochen und vielleicht sogar Monate  sich mit dem Thema Feuerwehr auseinandersetzen werden!

1. März 2009

Naturlehre, Geografie, Geschichte, Sachthemen

Es gibt so viele Themen, welche Sara während der letzten Monate interessiert haben und in welche sie teilweise intensiv versunken war. Um sich in ein Thema zu vertiefen, wird sie meistens durch selbsterlebte Ereignisse, Bücher, Geschichten und andere Einflüsse angeregt und inspiriert. Folgend versuchen wir einmal all jene Themen aufzulisten, welche man zu den Obertiteln ‘Naturlehre, Geografie, Geschichte und Sachthemen’ unterordnen kann und in welche Sara im Minimum je zwischen 5 und 20 Stunden Zeit investiert hat! Planetariumsprojektor im Verkehrshaus Luzern

Meer: Meeresgrund, Meerestiefe, Tiere, Pflanzen

Bären: Arten, Vorkommen

Haifische: Mythos und Gefahren, Arten, Nahrung

Schlangen: Arten, Giftigkeit, Vorkommen, Nahrung

Vögel: Arten, Futter, Vogelzug

Sterne: Sternbilder, Planeten, Universum, Planetarium

Elemente: Wasser, Erde, Feuer, Luft

Schmetterling: Von der eigens gefundenen Raupe zum Schmetterling

Menschlicher Körper: Skelett, Muskeln, Gehirn, Zähne, Verdauung

Jahreszeiten: Merkmale, Vor-und Nachteile, Zeiteinheiten

Orientierung: Entfernungen, Formen, Geräusche

Lebensbedingungen: Vergleichen der eigenen mit anderen

Arbeitswelt: Handwerker im Hause

Feste und Traditionen: Advent, Weihnachten, Silvesterchläuse

Heimat und Welt: Zusammenhänge

Welt: Kontinente, Sprachen, Ländernamen, Sitten und Bräuche

Google Earth: virtuell bekannte und unbekannte Orte bereisen

Vergangenheit: Verkehrsmittel, Bauten, Erzählungen der Eltern

Entwicklungen und Veränderungen: Waschen, backen, heizen, kleiden

Schiffe: Fähren, Frachtschiffe, Dampfschiffe

Vulkan: Magma, Lava, Krater, Orte, Namen

Es ist auch für uns als Eltern interessant zu sehen, was aus dem intrinsischen Bedürfnis heraus zu lernen so alles zusammenkommt und wir können dabei ebenfalls mitlernen!

12. Februar 2009

Unsozial!!

Bisher kamen uns vorwiegend interessierte, praktizierende und alle Varianten von Unschooler-Familien aus der Schweiz und aus Deutschland besuchen. Heute war es eine Familie aus Australien, welche zur Zeit in einer ganz anderen Ecke der Schweiz wohnt als wir und uns im Internet gefunden hat! Für uns Eltern und auch unsere Kinder sind solche Kontakte jeweils wohltuend und erfrischend, vor allem wenn es so gut passt wie heute! Es war eindrücklich zu erleben, wie es auf der anderen Seite der Erdkugel eine Familie mit ebenfalls drei Kindern gibt, welche nicht nur zum Thema Unschooling sehr kompatibel zu uns ist. Die Kinder, die sich anfangs noch ein wenig beschnupperten, waren bald in intensives Spielen vertieft und verbrachten einige harmonische Stunden miteinander. Eigentlich müsste das jetzt verwundern, denn Unschooler sollen ja angeblich unsozial sein!?! Wenn man unter unsozial versteht, dass die Kinder neue Beziehungen eingehen, eigene und liebgewonnene Dinge teilen, aufeinander eingehen, miteinander austauschen, zusammen Rollenspiele erfinden und wenn die Kinder miteinander vor Freude sprotzen, ja dann sind all diese Unschooling-Kinder unsozial!

Die Bedingungen in Australien für Bildung Zuhause sind ähnlich wie in der Schweiz - je nach Bundesstaat von ganz unkompliziert bis kontrolliert! So findet sich hier die kleine Welt der Schweizer Kantone in der grossen Welt von downunder wieder! Auch dort gibt es viel mehr Homeschooler als Unschooler. Die Unschooler werden dort in zwei Gruppen unterteilt: In ‘radical unschooler’, welche gar keine Grenzen setzen und in ‘natural learners’, welche sinnvolle Grenzen setzen.  Unsere Kinder stellen nun natürlich viele Fragen zu Australien, besuchen ihren Wohnort virtuell via ‘Google Earth’, finden es faszinierend, dass es bei uns kalt ist und Schnee hat und dort Sommer und 40° heiss ist, bei uns Tag und bei ihnen Nacht, usw. Ein neues Lernfeld hat sich bereits geöffnet. . . . . . .

Übrigens: Kennt jemand den Unterschied zwischen unsozial und asozial? Meinen diejenigen, welche die Sozialisierung als Kritik gegen Bildung zu Hause angeben, Asozialität oder meinen sie soziales Handeln? Wir glauben, dass die Wenigsten den Unterschied wirklich kennen.

8. Februar 2009

Elterninspiration: Kinder nähren

Dass wir uns für diese Elterninspiration einmal mehr ein grosses Thema ausgewählt haben, bemerkte ich während meiner Vorbereitung. Eigentlich ist das Thema viel zu mächtig, um nur an einem einzigen Morgen darüber zu philosophieren und auch viel zu umfangreich, um es nur in einem kleinen Blog zu würdigen! Vor unserem Büchergestell zu Hause konnte ich mich kaum entscheiden, welche Bücher ich zum Thema ‘Kinder nähren’ mitbringen mochte. Es war unmöglich, alle in Frage kommenden Bücher mitzunehmen! Wohlverstanden, es ging uns nicht um die physische Nahrung, welche allein für sich natürlich auch ein wichtiges Thema ist! Vielmehr wollten wir uns dieses Mal miteinander austauschen, welche essentielle Nahrung unsere Kinder sonst noch brauchen.

Eigentlich wäre es ja ganz einfach: Kinder brauchen Liebe und Respekt. Und das schon als neugeborener Säugling, oder besser noch früher! Für einige von uns waren die Lektüren von Emmi Pikler, Anna Tardos oder Magda Gerber von grosser Bedeutung. Dabei geht es um die nährende, respektvolle und liebevolle Pflege, bei welcher das Baby, das Kleinkind und später auch das ältere Kind für eine gewisse Zeit die ununterbrochene Aufmerksamkeit der betreuenden Person erhält. Die ununterbrochene Aufmerksamkeit ist für ein Kind enorm wichtig. Naomi Aldort beschreibt das in ihrem Buch ‘Von der Erziehung zur Einfühlung’ so: “Ein Kind erlebt seinen eigenen Wert dadurch, dass es unsere Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.” Nähren wir unsere Kinder, indem wir sie z.B. mit vollster Aufmerksamkeit pflegen oder indem wir ihnen täglich eine Zeit lang ganz bewusst bei ihrem Tun zuschauen, dann fühlen sie sich wertgeschätzt, wahrgenommen und geliebt! Wenn sich ein Kind in der Liebe seiner Eltern vollkommen geborgen fühlt, braucht es sich nicht auf destruktive Weise auszudrücken.

Wir stellten in unserer Reflektion fest, dass wir unseren Kindern ebenfalls immer wieder unbewusst signalisieren: “Du bist nicht so wichtig wie etwas anderes (Anruf, Besuch, usw.), du stehst in meiner Prioritätenliste weit unten.” Natürlich wollen wir alle keine solchen Signale senden. Doch die Herausforderung ist, das überhaupt zu merken. Die meisten Menschen reflektieren ihr Verhalten nicht und leben ihr anerzogenes Muster. Das Muster kann z.B. sein, dass wir etwas so machen, weil es eben alle so machen! Sind wir ganz achtsam im Umgang mit unseren Kindern, so können wir jedoch solche Fallen erkennen! Um nur ein einfaches Beispiel zu nennen: Es ist ratsam, das Telefon weiterklingeln lassen, wenn wir mitten in der Pflege mit einem Kind sind oder am Geschichten erzählen sind. Im Zeitalter des Telefonbeantworters sollte das ja kein Problem sein! Auf diese Art signalisieren wir wortlos, dass das Kind uns im Moment am wichtigsten ist und das ist Balsam für seine Seele! Damit ist aber nicht gemeint, dass wir den ganzen Tag immer nur neben dem Kind zu sitzen haben. Abgesehen davon, dass das ebenfalls sehr spannend sein kann! Es ist nämlich im Gegenzug auch sehr heilend, wenn wir den Kindern die Möglichkeit bieten, sich selbst zu nähren in ihrem selbstbestimmten Tun! Oder mit anderen Worten: Wir ermöglichen dem Kind, sich selbst zu spüren und mit sich selbst etwas anzufangen (an dieser Fähigkeit mangelt es selbst vielen Erwachsenen!). Dafür gilt es aber eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: Es braucht das, was die meisten Menschen nicht haben, Z E I T. So sind die meisten Mütter von uns bemüht, so gut wie möglich Alltagsstress zu vermeiden.

Eine weitere Frage beschäftigte uns: Wie kann eine Mutter (oder Vater) ihr Kind nähren, wenn sie selber nicht genügend mit Liebe und Respekt genährt ist oder unbefriedigende Bedürfnisse aus der Kindheit hat? Dieser Thematik hatte sich auch der Pädagoge Heinrich Jacoby intensiv gewidmet. Er war überzeugt, dass auf dem Weg zum kompetenten Erzieher eine persönliche Entwicklung vonnöten sei, eine bewusste, prozesshafte Nachentfaltung. Mehr darüber kann man im Buch ‘Entfaltung statt Erziehung, die Pädagogik Heinrich Jacobys’ von Walter Biedermann nachlesen. Allerdings waren wir uns auch einig, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten können, sofern wir es schaffen, voll und ganz in die Welt der Kinder einzutauchen und mit der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu sein!

Wie immer nach den Elterninspirationen philosophierten mein Mann und ich später noch weiter. Wir kommen darauf, dass eigentlich ALLES Nahrung ist. Wir als Eltern sind Nahrung, einzig und allein mit unserem Dasein, unsere Art und Weise ist Nahrung, die Geschwister sind Nahrung, die Umgebung ist Nahrung. Lachen und Gesang ist Nahrung für unser Herz, Körperkontakt stillt unseren Hunger nach Berührung, ein Sonnenuntergang am Meer stillt unseren Hunger nach Stille oder Schönheit. Jeder Mensch ist auch für sich selbst nährend, im Sinne eines autopoietischen Systems, das alles was und wie es etwas ausdrückt oder produziert (tun, denken, fühlen, usw), immer in einer Art und Weise rekursiv auf sich selbst zurück wirkt.

Nur schon, wenn man in das Feld dieses Themas eintaucht, eröffnet sich eine riesige Dimension. Man könnte auch sagen, dass dieses Thema ein Lebensthema ist!

5. Februar 2009

Informelles Lernen

Unter dem Titel “Das meiste lernen wir nicht in der Schule” wurde im Zürcher Tagesanzeiger vom 4.2.2009 unter der Rubrik Leben ein interessanter Artikel über Informelles Lernen veröffentlicht, welchen wir unserer Leserschaft gerne weiter reichen wollen.

Man kann sich dem, was Erziehungswissenschaftler seit geraumer Zeit wissen, einfach nicht mehr entziehen. Wenn man sich im Vorfeld bereits vertieft mit dieser Materie befasst hat, dann kann dieser Artikel vielleicht etwas enttäuschen. Aber es ist schon ein riesiger Fortschritt, dass der Tagesanzeiger solche Themen überhaupt aufnimmt. Und es ist der Kreativität des Lesers überlassen, was die Erkenntnisse über Informelles Lernen für unsere Gesellschaft und deren Institutionen bedeuten könnten.

Yes, we can!

4. Februar 2009

Pro-Lernen *eDu* im Januar und im Februar

Eigentlich wollten wir ja schon im Januar ins Kindermuseum. Kurzfristig hatten wir aber das Programm geändert und so bewunderten wir stattdessen die Tradition des “Alten Silvesters” in Urnäsch. SilvesterchläuseDie beeindruckenden Gestalten der “Silvesterchläuse” brachten uns alle zum Staunen!

Am Februar *eDu* ging’s dafür ins Kindermuseum nach St.Gallen. Ein sonnengelber Aufgang führte uns zum roten, blauen und grünen Raum, die unterschiedliche Themen beinhalteten. Im grünen Raum standen die Sinne. Vom Tastsinn über den Riechsinn bis zum Hörsinn war alles dabei. Welche Fortbewegungsmittel nutzten die Kinder in früheren Zeiten und wie sah das Alltagsleben in der Stadt vor hundert Jahren aus? Besonders spannend fanden die Kinder in diesem Raum den Barfussweg mit verschiedenen Bodenbelägen aus verschiedenen Zeiten, welcher im Dunkeln durch einen Tunnel führte.   Am Riechen   Puppen bestaunen und sich verkleiden

Der rote Raum widmete sich dem Dialog und dem Rollenspiel. Märchen und Geschichten des St. Galler Figurentheaters und technische Spielzeuge begegneten den Kindern hier. Die geräumige Bühne mit Vorhang lud die Kinder ein, sich zu verkleiden oder mit den Puppenfiguren ein Theater zu spielen. Und das taten sie auch mit Begeisterung! Im blauen Raum beobachteten wir Veränderungen im Alltag oder erhielten Anregungen zum Thema Berufswahl, das bei allen unseren Kindern allerdings noch kein Thema ist. An einer Ratestation konnte man sich vom Werdegang berühmter Ostschweizerinnen und Ostschweizer inspirieren lassen - und dann sein eigenes Porträt und seine Berufswünsche oder seinen Namen "an die Wand beamen". Diese Ecke war “ein Renner” bei einigen Kindern!

Das war ein *eDu* zum Staunen, Entdecken und Hinterfragen!

20. Januar 2009

Mathematik im Alltag

Für uns Eltern ist es immer wieder spannend miterleben zu dürfen, wie unsere Kinder die Prinzipien der Mathematik im natürlichen Alltag entdecken. Zwar hatte Sara mal eine Phase, in der sie mit Begeisterung 'Schule' spielte. Dabei hat sie auch in den Rechnungsbüchern und Heften gearbeitet. Das 1. Klasse-Buch liess sie allerdings links liegen, denn sie meinte, dass sie jetzt sowieso in der 2. Klasse wäre. Also begann sie sogleich mit dem Heft der 2. Klasse, welches auf den ersten Seiten eine Repetition des gesamten 1. Klasse Schulstoffes beinhaltet. 

Die Seiten der Mathematik des Schulstoffes der 1. Klasse bearbeitete Sara zum richtigen Zeitpunkt innerhalb von zwei Tagen.

Wieso konnte sie das, obwohl wir das mit ihr nie geübt haben? Der Grund ist einfach: Mathematik findet überall statt! Dazu braucht es keine Rechenbücher und Arbeitshefte. Es gibt unzählige Situationen, in welchen die Kinder rechnen ohne sich dessen bewusst zu sein. Untenstehend sind nur einige wenige Beispiele davon erwähnt.

Eines davon ist Sara’s Hobby, das Kochen. Wenn sie aufgrund der Vorgaben im Kochbuch kocht, dann ist sie immer mit Zahlen konfrontiert. Dabei lernte sie schon vor längerer Zeit die Hohlmasse und die Gewichte kennen, wie hier beschrieben. Kürzlich backte sie einen Kuchen, wobei sie gleich die doppelte Menge Teig zubereitete. Hier wurde also alles mal zwei multipliziert. Als sie den Kuchen dann in Stücke schnitt und verteilte, war die Division gefragt.

Auch spielen die Kinder sehr gerne mit dem Verkaufsladen. Auf diese Weise hat Sara das Schweizer Geld und dessen Wert praktisch erfahren und kennen gelernt. Nicht nur, dass reale Kaufsituationen nachgespielt werden, hier wird auch gerechnet. Kürzlich meinte Sara: "Heute hab ich in meinem Laden aber viel verkauft. Ich hab gerade die Kasse gelehrt und das Geld gezählt. Da sind 429 Franken drin!" Es wird addiert, Differenzen berechnet, Retourgeld herausgegeben. Zusätzlich fliesst der Deutschunterricht auch noch gleich mit ein: Es wird in hochdeutscher Sprache gespielt, das Gekaufte wird mit Namen auf einen Zettel geschrieben und daneben kommt der Preis, à la Kassabon!

Natürlich übt sich Sara auch in den richtigen Läden mit dem Geld. So geniesst sie es, wenn sie einen Betrag an der Kasse bezahlen darf.

Sind wir mit dem Bus unterwegs, so ist Sara damit beschäftigt, Leute zu zählen. Wieviel Personen sind im Bus, wieviel sind eingestiegen und wieviel ausgestiegen, wieviel sind jetzt noch drin? Das gibt dann Kettenrechnungen wie z.B. 23 minus 8 plus 5 gibt 20.

Auch das Interesse an Längenmassen findet ganz natürlich statt: So will Sara immer wieder wissen, wie gross sie ist und wieviel Zentimeter sie seit dem letzten Messen gewachsen ist. Wie weit ist es von hier nach dort? Diese Fragen kommen auch immer wieder und das Gefühl für Distanzen wird von mal zu mal differenzierter.

Es werden die Tage bis zu einem bestimmten Tag gezählt oder es wird die Differenz von Tagen zwischen zwei Geburtstagen ausgerechnet. Jahreszeiten, Monate, Wochen, Tage und Uhrzeit fliessen ebenfalls in das Thema Mathematik.Das Einmaleins setzt Sara oft ein, ohne zu wissen, dass diese Art zu rechnen das berühmte Einmaleins ist. Sie weiss, wie es funktioniert und wie man es anwendet und irgendwann, wenn es Sinn macht, wird sie es mechanisieren und auswendig lernen wollen.

Beim Jassen, wo jede Karte eine andere Punktzahl hat, werden zum Schluss die Punkte zusammengezählt und mit den anderen Mitspielern verglichen.

Auch Olivia ist täglich mit Zahlen beschäftigt. So verkündete sie gerade heute: “Beim Sternenspiel hab ich schon sieben Sterne gefunden. Mir fehlen nur noch drei und dann hab ich alle zehn!”

Ja eigentlich vergeht fast kein Tag, an dem nicht auf irgendeine Art und Weise Mathematik stattfindet.

Lernen findet überall statt! Oder?

4. Januar 2009

Grenzen mit Kindern

Aus dem Bedürfnis uns noch intensiver über unseren Alltag mit den Kindern auszutauschen und miteinander zu wachsen, ist im vergangenen Herbst die *Eltern-Inspiration* entstanden. Wir, vier Unschooling-Mütter aus der Ostschweiz, treffen uns nebst den wöchentlichen Pro-Lernen-Treffs regelmässig ohne Kinder für einige Stunden und reflektieren dabei über die verschiedensten Themen im Zusammenhang mit unseren Kindern. Gegenseitig haben wir uns auch autorisiert, dass wir uns ehrliche Rückmeldungen geben dürfen. Obwohl wir uns jeweils einen ganzen Morgen treffen, verfliegen die Stunden im Nu und die Gespräche sind immer sehr profund, lebendig und bereichernd.

Unser momentanes Schwerpunkt-Thema heisst: Grenzen mit Kindern! Wir Unschooler werden oft mit antiautoritärer Erziehung in den gleichen Topf geworfen. Meistens wird angenommen, dass unsere Kinder ALLES dürfen, da sie ja nicht zur Schule müssen und selber entscheiden dürfen, was sie gerade tun und lernen wollen. Da wir aber unsere Kinder weder antiautoritär erziehen noch überhaupt erziehen wollen, führt das bei Vielen zu Verwirrungen.

Einige unserer LieblingsautorenInnen wie Naomi Aldort, John Holt, Marshall Rosenberg, Jesper Juul, Rebeca Wild und Andere bilden die Basis für unseren Austausch. Es geht vor allem ums wo setze ich Grenzen, wie setze ich Grenzen und wie helfe ich dem Kind dabei, die Grenze einzuhalten. Darüber könnte man jetzt natürlich ein ganzes Buch schreiben, doch ich werde versuchen, unser profundes Gespräch auf einige Kernsätze zusammenzufassen:

Beim wo setze ich Grenzen kamen wir schnell zum Schluss, dass wir so die Grenzen setzen, dass für alle Beteiligten eine entspannte Umgebung gewährleistet ist. Eine entspannte Umgebung bedeutet, dass sich ein Mensch, egal welchen Alters, körperlich und emotional sicher und wohl fühlt.

Natürlich gibt es viele Arten, wie man Grenzen setzen kann. Für uns ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich berühmte Autoren das Thema Grenzen angehen. Während Wild’s z.B. gerne die Grenzen so knapp wie möglich erklären, setzt Jesper Juul die Grenzen bei sich selber statt beim Kind, indem er sagt: ICH will das nicht. Wie es Marshall Rosenberg angeht, ist im Beispiel unten beschrieben. Bei Naomi Aldort ist alles nochmals anders. Mit ihrer wunderschönen Formel S.A.L.V.E (S für stummes Selbstgespräch, A für Aufmerksamkeit, L für Lauschen, V für Verständnis und E für Ermutigen) schafft sie einen einfühlsvollen Zugang zum Kind.

Damit sich ein Kind auch an Grenzen halten kann, ist es wichtig, ihm dabei zu helfen. Es gibt materielle Hilfen wie z.B. Kisten und Gestelle, welche das Ordnung halten erleichtern. Andere Arten von Hilfen können sein: mit dem Kind vorausplanen, Zeit geben, das Kind physisch begleiten, und ganz wichtig auch, dass wir als Grenzsetzer zur Grenze stehen, vorausgesetzt dass die Grenze Sinn macht. Dies sollte man sich allerdings vorher schon gut überlegen! Ein Kind kann sich nämlich ziemlich allein, verlassen und verunsichert fühlen, wenn wir plötzlich von der Grenze abweichen und nachgeben.

An einem Beispiel aus unserer Entdeckungsreise zum Thema Grenzen mit Kindern, welche wir zusammen an der letzten Eltern-Inspiration gemacht haben, möchte ich kurz erläutern, wie man ohne Stress ein Kind an eine Grenze erinnern kann. Einstimmig sind wir nämlich der Meinung, dass auch das Aufräumen und Ordnung halten für uns wichtig sind. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht nach “entspannter Umgebung”. Interessanterweise machen wir aber alle die gleiche Erfahrung: Wenn nicht aufgeräumt ist, wird uns und den Kindern immer unwohler. Schon unzählige Male durften wir beobachten, wie unsere Kinder ein Zimmer oder eine Ecke tagelang mieden, bis die Unordnung dort wieder aufgeräumt wurde. Scheinbar sind wir Erwachsenen nicht die Einzigen, die so empfinden. Denn alle alternativen Schulen, welche nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens funktionieren und welche wir besuchten, haben ausnahmslos die Regel des Aufräumens und der Ordnung. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass das nicht die liebste Beschäftigung der Kinder ist und deshalb bieten wir den Kindern wertvolle Hilfe an. Anstatt: “Geh bitte das Zimmer aufräumen”, haben wir festgestellt, dass ein Kind ohne Murren kooperiert, wenn es vorbereitet wird und Zeit hat, sich darauf einzustellen und von uns bei Bedarf Begleitung bekommt. So könnte man es nach dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg z.B. auf diese Weise angehen: “Ich habe gesehen, dass in Deinem Zimmer eine Riesen-Unordnung ist (Beobachtung) und es ärgert mich (Gefühl), wenn Du über alle diese Sachen läufst, denn ich möchte, dass sie unbeschädigt bleiben (Wunsch). Bist Du einverstanden, wenn wir morgen nach dem Frühstück miteinander dort aufräumen (Bitte)?” Das kommt bei Kindern mit grosser Wahrscheinlichkeit gut an. Mit dieser Art Kommunikation findet respektvoller Umgang in Kooperation statt und somit werden auch gegenseitige Grenzen respektiert.

Mein Mann und ich spekulierten am Abend noch weiter, dass die Art und Weise von Grenzen setzen vielleicht weit unbedeutender sein könnte, als derjenige selber, der die Grenzen setzt (wer). Authentische Kommunikation mit Spirit, den wir den oben erwähnten Buchautoren allen zugestehen, kommt nämlich bei jedem Menschen an.

Es ist uns klar, dass es kein Rezept mit nur richtigen Anleitungen gibt. Auffällig ist jedoch, wie die Gruppe der Eltern-Inspiration wirklich sehr viele gleiche Ansätze verfolgt, und gerade das macht das Zusammen-SEIN so befruchtend.

2. Januar 2009

Literaturliste aktualisiert

Auf unserer Webseite haben wir unsere Literaturliste mit Büchern nachgeführt, welche uns im Jahr 2008 begleitet haben. Neben vielen anderen Büchern haben uns vor allem diejenigen bewegt, welche mit Einfühlung zu tun haben:

  • Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg

  • ALLES FÜHLT von Andreas Weber

  • BIG MIND von Dennis Genpo Merzel Roshi

  • Von der Erziehung zur Einfühlung von Naomi Aldort

Wir können diese Bücher wärmstens empfehlen und geben ihnen 5 Sterne. Unsere umfangreiche Literaturliste kann jederzeit heruntergeladen werden.