27. Dezember 2008

E guets Neus*


Wir wünschen Euch allen von Herzen

ein erfülltes und fröhliches Neues Jahr 2009

Pro-Lernen - Bildung pur

* typisch Schweizerischer Neujahrs-Gruss

21. Dezember 2008

Adventszeit

Eigentlich wollte ich schon lange wieder mal bloggen. Themen gäbe es ja mehr als genug. Es ist auch nicht so, dass wir im Weihnachtsstress sind. Nein, ich hatte einfach andere Prioritäten. Sicher, im Advent gibt es viel Spannendes und ich bin stets genau am abwägen, an welchen Veranstaltungen und Einladungen wir teilnehmen sollen oder wo wir lieber verzichten, da es sonst leicht zu einer Überflutung kommen könnte. Unter dem Motto "weniger ist mehr!" gelingt uns das ganz gut und wir können diese besondere Zeit des Jahres sehr geniessen. Nebst immer wiederkehrenden Ritualen zu Hause haben wir auch auswärts viel Interessantes erlebt.

Einige der vielen Themen, in welche Sara momentan während der Adventszeit vertieft ist, sind:

  • Die Welt: Ländernamen und ihre Abkürzungen, Kontinente, verschiedene Sprachen, welche Tiere leben in welchem  Land, wo sind die gefährlichsten Tiere.

  • Sternforscherin: Sterne, Sternbilder, Planeten 

  • Hexen und Heilen: Hexenecken, Kräuterverse, Zaubertrunks, Hexenbuch, Geschichten

  • Rollenspiele in verschiedensten Variationen

  • Englisch: Wörterbuch, Lernkartei, phasenweise Kommunikation mit mir in Englisch, englische Lieder hören und lernen

  • Geschichten: sich erzählen lassen, selber lesen, erfinden und schreiben.

  • Werken und Basteln, Kochen und Backen

Immer wieder zu Schulferien-Beginn werden wir gefragt, ob wir nun auch Ferien machen. Um Ferien zu machen im üblichen Sinne müssten wir unseren Kindern allerdings das Lernen verbieten. Denn für sie findet lernen jeden Tag statt, egal ob Wochenende, Feiertag, Ferien oder Alltag. So gesehen machen wir das ganze Jahr nie Ferien!

Wir wünschen all unseren  Bloglesern lichtvolle und erfüllte Festtage und ein lernendes Neues Jahr!

4. Dezember 2008

Pro-Lernen *eDu* im Dezember

Sechs Familien mit 11 Kindern im Alter von 3 bis 8 Jahren trafen sich gestern zum *eDu*. Diesmal verbrachten wir den ersten Teil des Treffens in der Turnhalle. Im Voraus haben wir Mütter uns miteinander abgesprochen und für die Kinder ein Angebot an Geschichten für verschiedene Altersstufen vorbereitet. Die Kinder konnten selbst entscheiden, in welcher Ecke der Turnhalle sie sich verzaubern lassen wollten. Zwischendurch trafen wir uns in der Mitte und sangen einige Lieder zu Gitarren - oder Flötenbegleitung. Nach einem Zvieri wurde die Turnhalle noch kurze Zeit zum Austoben genutzt, bevor wir uns für den Laternenumzug vorbereiteten.Mit den Laternen durch den Schnee

Mit den zu Hause gebastelten und im Kerzenschein farbig leuchtenden Laternen zogen wir los zu einem nahe gelegenen Bauernhof-Restaurant. Dort wurden wir unter dem wunderschönen Sternenhimmel mit Punsch und Grittibänzen verpflegt, bis wir uns anschliessend wieder auf den Heimweg machten. Während die Kleinsten sich zwischendurch auf dem mitgebrachten Bollerwagen ausruhten oder gar darin schliefen, liefen die grösseren Kinder mit viel Elan und Spass allen voran.

Die monatlichen *eDu's* sind inzwischen zu einem speziellen Anlass geworden und die Kinder freuen sich jedesmal schon lange im Voraus darauf. Auch dieser *eDu* im Dezember war ein Erlebnis der winterlichen Art!

16. November 2008

Märchen und Geschichten

Mit einer mehrfachen Mutter, deren Kinder eine selbstbestimmte, nicht-direktive Schule besuchen, durfte ich kürzlich ein interessantes Gespräch führen. Sie erklärte mir, weshalb ihre Kinder keine Geschichten und Märchen von einer CD oder Kassette hören dürfen. Sie nannte mir einige Argumente, welche ich teils nachvollziehen konnte, teils aber auch nicht. Auf jeden Fall regte mich das Gespräch an, über das Thema nachzusinnen und auch im Internet darüber zu recherchieren. Einige Argumente aus diesem Gespräch möchte ich hier tiefgründiger untersuchen.

Argument 1: Märchen sollten von der Mutter erzählt werden. Dann können auch böse Hexen vorkommen und das Kind fühlt sich immer noch geborgen, weil ja die vertraute Mutter das Märchen erzählt.

Leuchtet mir einerseits ein. Doch ich frage mich immer wieder, weshalb ich den Kindern überhaupt Märchen von bösen Hexen und bösen Stiefmüttern erzählen sollte. Sicher, den Märchen sagt man eine tiefenpsychologische Wirkung nach und dass sie sehr heilend sein können. Mag ja sein. Doch den Wenigsten ist heute bewusst, dass diese Märchen ursprünglich für Erwachsene geschrieben wurden und nicht für Kinder. Des Weiteren wurden die heutigen Märchen fast alle aus religiösen Gründen "bereinigt" und teils umgeschrieben, so dass ihre Grundsubstanz kaum noch durch die späteren Überlagerungsschichten hindurchscheint. Die Gebrüder Grimm beispielsweise schrieben nichts von bösen Hexen, sondern von Heilerinnen. Naturgeister wurden in Engel verwandelt, hilfreiche Fabeltiere, die einem den Weg in die Unterwelt der eigenen Seelentiefen weisen können, wurden in sinnlos grausame Teufel oder Dämonen verwandelt und sexuelle Elemente wurden ganz eliminiert. Wieso sollte ich also unseren Kindern jedes Märchen erzählen, welches dem Ursprung und deren magischen Bedeutungen gar nicht mehr gerecht wird?

Argument 2: Kinder empfinden Märchen lange nicht so brutal wie wir Erwachsenen. Wichtig ist, dass man ihnen keine Bilder zeigt. Sie sollen sich ihre eigenen Bilder machen.

Dass sich Kinder ihre eigenen Bilder machen sollen und dass diese dann sicher weniger brutal ausfallen, ist mir sehr bewusst. Sie erhalten somit die Chance, die Geschichte in ihrer eigenen Welt auszumalen und zu erleben. Andererseits gibt es viele Geschichten, die gerade von den wunderschönen Bildern leben und diese möchte ich unseren Kindern nicht immer vorenthalten!

Argument 3: Eine Geschichte von einer CD oder Kassette zu hören überflutet und überfordert die Kinder. Es sind zu viele Eindrücke, welche sie nicht verarbeiten können und zudem kann man als Eltern nicht abschätzen, was diese Geschichte beim Kind auslöst.

Unsere Kinder lieben Geschichten und ich erzähle viel und gerne. Trotzdem haben wir auch CD's. Nicht irgendwelche CD's, sondern ausgewählte CD's. Nebst einem sinnvollen, "ruhigen"  Inhalt der Geschichte müssen auch noch andere Dinge stimmen, bevor ich sie den Kindern mit gutem Gewissen vorlegen kann. Es gibt hervorragende GeschichtenerzählerInnen, die können eine Geschichte auf solch faszinierende Art und Weise erzählen und mit passenden Liedern umrahmen, da kann ich selber nicht mehr mithalten! Was die Geschichte beim Kind auslösen wird, kann ich im Voraus nicht wissen. Da ich als Unschooling-Mutter jedoch sehr viel Zeit mit meinen Sprösslingen verbringen darf, traue ich mir zu, dass ich zumindest abschätzen kann, ob die Geschichte passen könnte oder nicht. Würde ich feststellen, dass die Kinder nach dem Hören einer CD sich auffällig verhalten, dann hätten wir schon lange keine CD's mehr!

Ich bin schon der Meinung, dass das Alter eine bedeutende Rolle spielt. Je kleiner, je weniger passen die CD's. Da ist die Stimme der Mutter (oder anderer vertrauter Personen) so wichtig wie deren Körperkontakt zum Kind. Je älter aber, desto mehr verschiedene Medien sollen integriert werden.

Argument 4: Die Kinder eine CD hören lassen, ist wie einen Schnuller dem Baby in den Mund stecken. Es ist eine Ablenkung und ein Ruhigstellen.

CD = Schnuller? Das ist ein interessanter Vergleich und in gewissen Fällen mag das sicher zutreffen. Aber ob das gleich bei allen zutrifft? Wenn unsere Kinder eine Geschichte ab CD hören, dann tun sie das aus völlig freiem Willen und eigenem Antrieb. Sie hören die CD absolut konzentriert und ohne dass sie nebenbei noch spielen. So werden sie auch nicht überflutet. Sicher kann man sagen, dass eine CD vom Prinzip her immer direktiv ist, da sie von aussen auf das Kind einwirkt. Die Gefahr, dass Kinder (auch Erwachsene) Probleme mit dem Hören einer CD verdrängen und sich davon ablenken, ist sicherlich da. Da gilt es als Eltern wach zu sein! Für uns ist dies allerdings kein Grund, unsere Kinder von diesem Medium fernzuhalten. Obwohl Sara und Olivia freien Zugang zu den CD's haben, benutzen sie diese manchmal wochenlang nicht, was bedeutet, dass sie ganz und gar nicht abhängig davon sind.

Argument 5: Im Auto die Kinder eine CD hören lassen, würde ich nie tun. Es ist schon viel Stress für die Kinder von zu Hause wegzugehen. Hinzu kommen noch die vielen Eindrücke vom Auto aus. Da wäre es einfach zuviel, wenn sie noch eine Geschichte zu hören bekommen.

Hm, ja, könnte was Wahres dran sein! Aber es könnte ebenso gut umgekehrt sein, nämlich, dass eine vertraute CD den Kindern Vertrauen schenkt und den Stress vom Weggehen von zu Hause wegnimmt. Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass mir bis jetzt nicht aufgefallen ist, dass es für unsere Kinder Stress ist, wenn wir von zu Hause weggehen. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht weggehen müssen. Gehen wir weg, dann ist das (fast) immer freiwillig.

Ist schon interessant, welche Märchen uns heute so erzählt werden. Was meinen denn unsere Blog-Leser zu diesem Thema?

5. November 2008

Pro-Lernen *eDu* im November

Egal ob gross oder klein: wer gestern am *eDu* teilgenommen hat, war sich einig: "ÄS ISCH UUUUUUUUUU-LÄSSIG  GSI!!"Filzen einer Adventskugel Die Kinder sind entzückt vom Lämmli

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter dem Motto "Vom Schaf zum fertigen Produkt" erlebten wir im "Filzkeller lanicula" einen lehrreichen und spannenden Tag. Esther Eisenhut, die Inhaberin des Filzkellers und des Bauernhofes mit vielen Schafen, managte uns mit viel Liebe und Engagement durch den Tag. Ohne dass die Kleinsten überfordert wurden oder dass es den Ältesten langweilig wurde, schaffte sie es, viel Interessantes über die Produktion von Wolle zu vermitteln. Umrahmt von  Liedern und einer passenden Geschichte durften wir mit Spinnen am SpinnradEinbezug von allen SinnenKonzentriertes Lauschen der Bildergeschichte

gleich selber das Meiste ausprobieren. Vom Schaf streicheln, Schafwolle fühlen und spüren und riechen, bis zum Wolle reinigen und waschen, karden und spinnen fehlte es an nichts. Als krönender Abschluss durften alle eine kleine Adventskugel filzen. Es wurde uns allen klar, dass zwar das Prinzip des Wollhandwerks einfach ist, deren Ausübung wie z.B. das Spinnen jedoch einiger Handfertigkeit und Übung verlangt.

Dieser *eDu* wird uns sicher allen noch lange in Erinnerung bleiben, nicht nur, weil es ein besonders schöner Tag war, sondern auch deshalb, weil zweimal der Anschluss auf einen Zug verpasst  wurde und wir somit auch die Nachteile des öVs zu spüren bekamen.   

2. November 2008

unerzogen mit Kindern wachsen

Während der Begriff unerzogen im Zusammenhang mit Kindern in einer althergebrachten Weltanschauung bereits eine ultimative Ablehnung auslöst, können wir mit dem zweiten Teil des Titels mit Kindern wachsen wieder die Anschlussfähigkeit zu dieser erwähnten Welt schaffen. Diese beiden Teile des Titels positiv zu verknüpfen ist auch die Absicht dieses Blogeintrages.

'unerzogen' und 'Mit Kindern wachsen' sind nämlich zwei Zeitschriften, mit denen wir sympathisieren und auf die wir hier aufmerksam machen wollen. Während 'unerzogen' eine neue Zeitschrift ist, welche erst Ende 2007 mit der Publikation gestartet hat, ist 'Mit Kindern wachsen' eine sehr etablierte Zeitschrift, welche wir schon seit bald 10 Jahren abonniert haben.

'Mit Kindern wachsen' begleitet Eltern in der Art und Weise, wie und mit welcher Geisteshaltung mit Kindern umgegangen werden soll. Nährende Säuglingspflege, Achtsamkeit im Umgang mit Kleinkindern und alternative Schulmodelle, wie Freie Schulen werden tiefgründig behandelt. Bildung zu Hause war anfangs überhaupt kein Thema. Momentan bemerken wir aber ein subtiles Einlenken bezüglich dieser Art des 'sich bildens', indem dieses Jahr Artikel in diese Richtung publiziert wurden.

'unerzogen' hat sich dagegen gegen die repressive Deutsche Schulpflicht und die politische Arbeit für eine generelle Bildungsfreiheit verschrieben. Sie kämpfen für die freie Wahl und das Recht, sich zu Hause zu bilden. 'unerzogen' verschreibt sich eher dem Unschooling als dem religiösen und fundamentalen Lager der klassischen Homeschooler.

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In der aktuellen Ausgabe (Oktober 08) von 'Mit Kindern wachsen' hat es einen interessanten Artikel mit dem Titel: Das Recht zum Experiment.

Dort führt Marie Martin ein Gespräch mit dem Gestalt-Theoretiker und -Theorielehrer, Trainer, Coach und Schriftsteller Dr. habil. Stefan Blankertz. Dabei möchte ich einfach ein paar philosophische Kernsätze aufführen, die in diesem Gespräch aufkamen und die Anlass zum Denken geben (uns jedenfalls):

"Je mehr wir die Unterprivilegierten, wie man damals sagte, zwingen und locken, zur Schule zu gehen, um so grösser wird die Ungleichheit und um so mehr Gewalt unter den Jugendlichen wird es geben." (Goodman, 1960)

"Auch der beste pädagogische Impuls, die beste didaktische Methode wird ins Gegenteil verkehrt, wenn nicht der Rahmen der Wahlfreiheit gegeben ist."

"Es ist vollkommen in Ordnung, dass die Mehrheit konservativ ist. Sie wartet ab, was bei den Experimenten herauskommt. Wichtig ist aber, dass die Minderheit das Recht zum Experiment erhält."

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In der aktuellen Ausgabe (3/08) von 'unerzogen' hat es einen interessanten Artikel mit dem Titel: Was ist Bildungsfreiheit?

Dort wird ein erster Auszug aus einem Gespräch mit dem freischaffenden Philosophen und Publizisten Bertrand Stern veröffentlicht. Auch hier führe ich nur ein paar philosophische Kernsätze auf, die uns zum Denken veranlasst haben:

"'Das Recht, sich frei zu bilden', verweist auf die Person und ihre Autonomie und würdigt sie als Subjekt, das sich frei bildet."

"Nichts scheint mir so tragisch wie die Annahme, wir müssten uns mit den tradierten Bedingungen abfinden."

(Persönliche Anmerkung: Die Finanzmarkt-Krise lässt grüssen! Es braucht scheinbar immer Krisen, resp. Katastrophen, um Mythen zu entlarven.)

"Die Verknüpfung von Bildung und Schule stellt eine unzulässige Kausalität dar, so verkehrt, wie die kausale Verkettung mit dem Donner und dem zornigen Gott."

Auf Seite 53 sind noch Rezensionen von interessanten Blogs aufgeführt, welche wir überrascht zur Kenntnis genommen haben ;-)).

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Für uns sind sowohl 'unerzogen' als auch 'Mit Kindern wachsen' sehr wertvolle Zeitschriften, da sie repräsentieren, dass wir mit unseren persönlichen Erkenntnissen nicht alleine auf der Welt sind und unzählige Menschen auf diesem Planeten unabhängig voneinander zu gleichen Schlussfolgerungen kommen.

24. Oktober 2008

Werken und Gestalten

Immer wieder sind Sara und Olivia mit einer Gestaltarbeit beschäftigt. Zur Zeit arbeiten sie an mehreren Objekten mit verschiedenen Techniken gleichzeitig: Glasuntersetzer mit Rundweben, Kleine Teppiche am Webrahmen weben, Wollbilder trocken filzen, Bälle nass filzen,Untersetzer und Teppichnass gefilzte BilderBall filzen   Kumihimo-Schnüre flechten, Fadenstern-Schnüre knöpfen und kleine Körbchen aus Bast flechten. Das Weben und Flechten sind Arbeiten, welche sie immer wieder ein Stück weitermachen. Es gibt Tage, da wird mit viel Ausdauer und Geduld an einem Gegenstand gearbeitet, während es andererseits Tage gibt, wo die angefangenen Arbeiten nur kurz weitergeführt werden oder ganz liegen bleiben, bis das Bedürfnis daran zu arbeiten wieder zurückkehrt. Oft geht es gar nicht um den Gegenstand selber, sondern um die Freude am Tun. So haben wir seit 2 Jahren Specksteine, an welchen geschliffen und gefeilt wird, ohne dass etwas Bestimmtes entsteht. Ist keine Lust mehr zum Weitermachen vorhanden, so werden die Specksteine wieder versorgt und es wird ein anderes Mal daran weitergearbeitet. Brauchen die Kinder aber etwas z.B. für ein Rollenspiel, dann wird der Gegenstand von den Kindern schnell hergestellt, damit er auch sofort fürs Spiel benutzt werden kann.

Schnüre und Bändeli knöpfenFlechtkörbchen und FantasiebaumWeben

In unserem Gestaltungszimmer haben wir eine grosszügige Auswahl an vielen unstrukturierten Materialien wie Wolle, Schnüre, Karton, Papier, Kork, Filzmaterial, Ton, Gips, Bast, Naturmaterialien, Farben, Stoffe, Rollen, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Gläserdeckel, Krimskrams, usw. usw. und natürlich viele Bastel-und Werkbücher. Die Kinder lieben es, dort etwas auszuwählen und sich anschliessend ein Fantasiebild zusammen zu leimen. Manchmal blättern sie ein Buch durch und entdecken etwas, das sie gerne selber machen würden oder ich mache einen Vorschlag und wir machen etwas gemeinsam.

So haben die Kinder immer wieder die Möglichkeit, mit anderen Materialien und neuen Techniken zu werken und zu gestalten.

17. Oktober 2008

Rollenspiel Schule Teil 2

Sara wollte mit mir ein Spiel machen: Sie spielte ein Mädchen, welches nicht mehr in die Schule will und ich war eine Mutter, welche das Kind von der Schule zu überzeugen versuchen musste. Auf ihre Bitte, dass sie lieber zu Hause lernen will, statt in die Schule zu gehen, musste ich jedesmal kontern, argumentieren und die Schule überzeugend vertreten. Sie hingegen packte Argument um Argument aus, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Es entstand ein spannendes Gespräch und ich war ziemlich verblüfft, wie überzeugend sie für ihr Anliegen, zu Hause lernen zu dürfen, argumentierte. Es ist ja nicht so, dass wir ihr Schlechtes über die Schule erzählen oder sie gar manipulieren. Wir als Eltern leben Werte und Haltungen, welche unsere Kinder zweifelsohne mitbekommen. Ob denn Sara nie das Bedürfnis habe, in die Schule zu gehen, werden wir ab und zu gefragt. Nein, dieses Bedürfnis scheint sie tatsächlich nicht zu haben. Sara hat diesbezüglich auch keinen Druck. Denn sie weiss, dass sie sofort in die Schule gehen dürfte, wenn sie das möchte (Natürlich müssten wir Eltern dann mehr als nur einmal leer schlucken.......!!) Sara wundert sich jedoch viel mehr, dass die anderen Kinder zur Schule müssen und nicht auch Pro-Lernen machen dürfen. Zudem hat sie nie das Gefühl gehabt, dass sie etwas nicht darf, was andere dürfen. Denn seit Sara zwei Jahre alt war, war auch schon die Idee von Pro-Lernen geboren. So war für sie früh klar, dass sie Pro-Lernen macht und andere gehen in die Schule. Durch den teils intensiven Kontakt mit anderen Unschooling-Freundeskindern in unmittelbarer Wohnnähe und auch solchen, die etwas weiter entfernt wohnen, gibt das Sara ein Gefühl des Angeschlossen-Sein. Das obengenannte Spiel, welches wohlverstanden die Idee von Sara war, verdeutlicht uns, dass Sara sehr wohl versteht, was die Unterschiede zwischen Schule und Unschooling sind.

Für uns ist es momentan spannend miterleben zu dürfen, wie Sara intensiv die Schulbücher abarbeitet, ganz nach ihrem individuellen Rhythmus.

15. Oktober 2008

Rollenspiel Schule Teil 1

Sara's momentaner Alltag: Aufstehen, spielen, frühstücken, "Schule spielen", Mittagessen, draussen spielen oder "Schule spielen"!

Wie das "Schule spielen" funktioniert, möchte ich gerne näher beschreiben: Zuerst zieht sie sich warm an, verabschiedet sich von mir,  geht nach draussen und fährt mit dem Velo im Quartier einen erfundenen Schulweg, bis sie nach einiger Zeit wieder bei uns "in der Schule" ankommt. Sie geht in ein frisch umgestelltes Zimmer, setzt sich an ihren Pult, wählt ein Heft oder Buch aus und beginnt darin zu lesen, schreiben, rechnen, singen. Und das von Morgens bis Mittags, manchmal auch Schule spielen noch Nachmittags bis Abends, immer wieder. Pausen macht sie nach eigenem Gefühl, manchmal längere (1/4 h) und manchmal kürzere (1 oder 2 Minuten). Zudem gibt sie sich jedesmal Hausaufgaben. Braucht sie Hilfe oder möchte mir etwas zeigen, dann ruft sie mich. Zwischendurch mag sie es auch, wenn ich im selben Zimmer bin und ihr zuschaue. Sie arbeitet voller Freude und hat viel Spass dabei. Kürzlich sagte sie sogar zu Nachbarskindern, welche gerne mit ihr gespielt hätten: "Nein, ich möchte jetzt lieber im Rechnungsheft diese Seite ausfüllen, danach lese ich noch eine Geschichte und dann komme ich zu euch. Wartet ihr beim Lindenbaum?" Die Nachbarskinder, welche sich gerade über ihre Schulferien freuten, standen ziemlich verblüfft da, warteten dann aber beim Lindenbaum. 

Olivia's momentaner Alltag: Aufstehen, spielen, frühstücken, Schule spielen, Mittagessen, draussen spielen. Da Olivia fasziniert ist von Sara's Schulspiel, spielt sie gleich auch mit und schreibt in ihren Kindergartenheften mit viel Fleiss Zahlen hinein, bevor sie wieder etwas anderes spielen geht. Wobei ich hier erwähnen möchte, dass auch beim Spielen, oder eben gerade beim Spielen, sehr viel gelernt wird!

Während die Mädchen also oft mit "Schularbeiten" beschäftigt sind, arrangiert sich Nalin mit Puzzles, Rollenspiel bei den "Mannli", Bücher anschauen, usw.

Woher die Idee kommt, Schule zu spielen, weiss ich nicht genau. Ein Auslöser dafür könnte sein, dass wir vor kurzem vom kantonalen Amt für Bildung ein ganzes Paket voller Lehrmittel erhalten haben. In diesem Paket sind alle Bücher, Hefte und Materialien enthalten,  welche die Schüler in der Schule bekommen. Vor einem Jahr haben wir schon mal in einem Blog über das Thema "Harmonischer Behördenkontakt" berichtet. LehrmittelDes Weiteren haben wir ein Zimmer umgestaltet und für Sara einen Schreibpult hineingestellt. Etwas später haben wir das Zimmer gleich nochmals umgestaltet, da Olivia auch  einen Schreibpult wünschte. Glücklicherweise hatten wir noch einen im Gestaltungszimmer, welchen wir dort entbehren konnten. Zur Zeit lieben sie es, an ihrem persönlich eingerichteten Schreibpult zu sitzen, zu arbeiten und zu SEIN.

Wir machen unseren Kindern keine Auflage, dass sie die Lehrmittel durcharbeiten müssen. Wir sehen diese vielmehr als Angebot, welches sie nach eigenem Bedürfnis nutzen können. Dass sie völlig freiwillig und selbst inszeniert tagelang am Lernen sind, zeigt:

Freude erzeugt Lernen und Lernen erzeugt Freude!

10. Oktober 2008

Pro Lernen *eDu" im Oktober

Zwölf Kinder und sechs Mütter trafen sich am vergangenen Dienstag zum Pro-Lernen *eDu* unter dem Motto "Begegnung zwischen Kind und Pferd". Wie immer an den *eDu's* reisten wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an den Zielort. Natürlich benötigt man auf diese Weise im Minimum doppelt bis dreifach so viel Zeit für einen Weg. Es ist uns jedoch wichtig, dass auch der Reiseweg mit zum Erlebnis dieses Tages gehört.  SchliesslichKinder mit Pferd beim Reitstall angekommen, durften zuerst die kleineren Kinder und dann auch die Grösseren immer in 4-er Gruppen zusammen mit der Pferdepädagogin den Kontakt mit dem Pferd aufnehmen. Zuerst einmal mussten die Kinder ihre Erwartungen von "sofort aufs Pferd sitzen und losreiten!" abstreifen und sich damit zufrieden geben, dass das eine Pferd mit allen geteilt wird. Bei dieser Art Reiten geht es nicht darum, dass man das Pferd als Sportgerät benutzt, sondern um das Pferd bewusst wahrzunehmen, mit ihm vertraut zu werden und Zentrierung zu finden. Vor allem die kleineren Kinder getrauten sich anfangs nur scheu an das verhältnismässig "riesige" Pferd heran. Dem spielerischen Herantasten ans Pferd folgte zum Schluss die Krönung, nämlich das Raufsitzen und davontraben. Jedes Kind hätte wohl gerne noch viel länger das Sitzen auf dem Rücken des Pferdes genossen. Nach dem anschliessenden gemeinsamen Picknicken auf der Wiese, spannenden Gesprächen und Spielen und Toben machten wir uns wieder auf den Heimweg.

2. Oktober 2008

Feuerwehr

Als wir kürzlich gemütlich am Morgenessen waren, klingelte es an der Haustüre. Blitzschnell rannten die Kinder zur Türe und öffneten. Entgegen ihrer Erwartung waren keine Kinder draussen, welche sie zum Spielen abholten, sondern ein Feuerwehrmann. Es brannte nirgends, nein, doch ich wurde freundlich gefragt, ob ich bereit wäre, das Weidentunnel beim Hydranten etwas zurück zu schneiden, damit man bei einem Brand schnellen Zugang zum Wasser hätte. Freundlicherweise machte er sich die Arbeit, den Hydranten zu kehren, so dass die "Arme" weg vom Tunnel schauen und man die Weiden weniger weit zurück schneiden musste. Er habe selber auch ein Haus mit Garten und er wisse, wieviel Herzblut da drin stecke. Für unsere Kinder gab allein die Anwesenheit des Feuerwehrmannes natürlich Anlass, tausend Fragen zu stellen. Bis jetzt hatte sich nämlich nur Nalin für Feuerwehrautos interessiert, den Mädchen schien der rote, grosse Lastwagen egal zu sein! Also setzten wir uns vor den PC und gaben im Internet das Stichwort Feuerwehr ein. Bilder, Informationen und kurze Filme gaben uns schnell wichtige Einblicke in dieses Thema. Für jedes Kind entdeckten wir altersgerechte Informationen und jedes war wieder von ganz anderen Details beeindruckt. Während die Sirene des Feuerwehrautos den Mädchen schnell mal zu laut wurde, so konnte Nalin sich fast nicht satthören von "Tatü-Tato-fahrenden Autos". Olivia wollte immer wieder sehen, wie das Kätzchen gerettet wurde und Sara war überrascht, wie ein Kinderzimmer mit einer einzigen Kerze innerhalb weniger Minuten zerstört werden konnte. Doch auch wie es im Innern eines Feuerwehrautos aussieht, faszinierte alle drei. Es wurden anschliessend Bücher zu diesem Thema gesucht, Olivia und Nalin spielten Feuerwehr mit den Spielautos und für Sara war es wichtig zu wissen, wie man sich retten kann, was zu tun ist wenn es brennt, welche Nummer man telefonieren muss, was man denn sagen muss, ob man bei Rauch immer  auf den Boden liegen soll, usw. usw. Über die Polizei und den Krankenwagen wurde ebenfalls intensiv gefragt. Zum Schluss hab auch ich Interessantes erfahren, wie z.B. dass ein Spielzeug aus Plastik viel, viel schneller zu brennen beginnt als eines aus Holz. Am Nachmittag konnten wir noch miterleben, wie der Feuerwehrmann den Hydranten ausprobierte und sahen, wie und wo das Wasser rausspritzte. Wir erfuhren vom Feuerwehrmann, dass es möglich ist, die Feuerwehr in Herisau zu besuchen und die Anlage zu besichtigen, was wir gerne einmal in einem Pro-Lernen *eDu* tun werden.

So gibt uns der Alltag in allen Variationen immer Anlass zum Lernen!

29. September 2008

Sonne, Mond, Sterne und Planeten

Sara's Interesse gilt im Moment den Sternen, den Sternbildern, den Planeten und dem Weltall überhaupt. Wie jedesmal, wenn wir merken, dass eines unserer Kinder sich für etwas Bestimmtes interessiert, gestalten wir die Lernumgebung entsprechend diesem Bedürfnis, informieren uns im Internet, gehen bei Bedarf in die Bibliothek oder bestellen gleich online ein Buch oder andere Materialien. Noch nie ist man einfacher zu differenziertesten Informationen zu praktisch jedem Thema gekommen als mit dem Internet. Für Sara ist das Internet ein Medium, welches sie phasenweise rege nutzt, um sich zu informieren und Wissen anzueignen. Meistens suche ich ihr passende Websites raus, welche sie dann "studiert".

Ganz aktuell im Moment ist das Mini - Planetarium, welches sie mit mir zusammen nach Anleitung zusammensetzte. Hier erlebt sie durch Drücken des Dreharmes, Mini-Planetariumwie die Erde sich um sich selbst dreht, der Mond um die Erde kreist und sie sich zusammen auf diese Weise auf der Umlaufbahn fortbewegen, rund um die Sonne.  Auf anschauliche Art und Weise kann sie mit Hilfe des Himmels-Posters die Planetenmodelle der richtigen Umlaufbahn zuordnen, obwohl die Grössenordnung nur annähernd wirklichkeitsgetreu ist. Tag und Nacht, die Mondphasen und die Jahreszeiten und Monate sind weitere Phänomene, welche sie anhand dieses Modelles erfahren kann.

Zudem wählt sie jeden Tag ein anderes Sternbild aus dem Buch "Sterne finden" aus, wozu sie dann gerne die dazu gehörende Geschichte und sonstiges Spannendes von mir vorlesen und erklären lässt. Nur schade, dass das Beobachten der Sterne im Moment nicht möglich ist, da Sara um diese Zeit schon schläft! Doch sie wünscht sich, mal in ein grosses Planetarium gehen zu dürfen und in einer Sternwarte durch ein grosses Fernrohr den Sternenhimmel beobachten zu dürfen. Diese Wünsche werden wir ihr gerne erfüllen!

24. September 2008

Traditionen

Im Appenzellerland werden alte Traditionen noch gelebt und gepflegt. Eine davon ist die Viehschau, welche alljährlich um den Herbstbeginn in Herisau stattfindet. Bauern aus der Umgebung nehmen teilweise weite Wege auf sich, um ihre schönsten Kühe zu präsentieren. Ca. 500 Kühe waren gestern alle auf einem Platz, jede Kuh in einer bestimmen Kategorienreihe, Kühe in Reih und Gliedeng aneinander gepfercht. Je mehr wir uns dem Geschehen näherten, desto lauter wurde es. Man stelle sich vor: 500 Kühe, die vielen Kuhglocken und das dauernde Muhen! Vor einem Jahr, als wir das erste Mal mit den Kindern an die Viehschau gingen, fragten unsere Kinder als sie sich dem Anlass näherten, was denn das für eine laute Musik sei? Diesmal beschäftigte unsere Kinder eine andere Frage: "Stimmt es, dass die Kühe hier gar nichts zum Essen und zum Trinken bekommen und den ganzen Tag so eng angebunden sein müssen?" Ja, das stimmt. Was für die Bauern ein Highlight des Jahres ist, ist für die Tiere sicher alles andere als ein festlicher Ausflug. Traditionelle Einreihung des ZugesEs gefällt mir, wenn unsere Kinder selbstverständliche Dinge kritisch zu betrachten und zu hinterfragen beginnen. Zum Abschluss schauten wir uns noch an, wie die Bauern mit ihren Kühen sich auf den Heimweg machten. Das sah richtig idyllisch, ja fast bilderbuchmässig aus. Die Kinder waren fasziniert und staunten. Etwas später staunten sie noch mehr, als sie realisierten, dass die von den Kühen stark beschmutzte Strasse bereits nach einer Viertelstunde, ganz schweizerisch, wieder blitzblank sauber geputzt worden war.

19. September 2008

Lernen findet überall statt

Vor einigen Tagen sind wir von unserem Auslandaufenthalt zurückgekehrt. Es war das erste Mal, dass wir es als Familie gewagt haben, eine Reise ins Ausland zu unternehmen. Unter dem Motto: "Die ganze Welt ist unser Klassenzimmer" wurde während dieser Zeit viel gelernt und entdeckt. Wir haben mal versucht, einen Ausschnitt der täglichen Aktivitäten unserer Kinder - insbesondere von Sara - in Schulfächer zu unterteilen, was gar nicht so einfach war, da vieles ineinander fliesst!

Geografie: Das Land, welches Sara zu Hause via Bücher, Karten, Internet und Google Earth eingehend studiert und unzählige Male virtuell bereist hatte, erlebte sie nun hautnah und konnte sich in der neuen Umgebung schnell orientieren und zurechtfinden. Sie hat eine Relation zu Distanzen bekommen. Die Lebensbedingungen wurden mit den eigenen verglichen und Vor- und Nachteile aufgezählt. Verflechtungen - wie die Herkunft verschiedener Konsumgüter - zwischen der Heimat und der Welt wurden wahrgenommen.

Geschichte: Da wir unmittelbar neben landestypischen Kunstskulpturen  wohnten, fragte uns Sara darüber Löcher in den Bauch. Zum Glück hatten wir vorgesorgt und ein dickes Buch mit den schönsten Sagen und Mythen des Landes mitgenommen. Diese Geschichten werden kindgerecht erzählt und vermochten den Wissensdurst von Sara zu stillen.

Deutsche Sprache (Lesen, Schreiben und Sprechen): Sara hat selber Geschichten oder Briefe von "Felix" gelesen und liess sich auch gerne welche vorlesen. Zudem hat sie mehrere Briefe von Hand an Freunde geschrieben. Weiter hatte sie die Gelegenheit, mit einem Mädchen, mit dem sie sich angefreundet hat, sich in der hochdeutschen Sprache zu üben.

Fremdsprachen. Nebst einigen Brocken der Landessprache lernte Sara auch einige Brocken englisch. Sie machte aber auch die Erfahrung, wie man sich mit <Händen und Füssen> zurechtfinden kann, als sie z.B. selber in einem kleinen Laden etwas einkaufen ging.

Sport: Sara hat während unseres Aufenthaltes die Technik des Schwimmens gelernt. Wo sie sich in den ersten Tagen noch jedes Wassertröpfchen im Gesicht sofort an einem Badetuch abtrocknen liess, so tauchte sie am Schluss mit und ohne Taucherbrille mutig drauf los, machte Purzelbäume im Wasser und schwamm im Meer auch bei höherem Wellengang. Nebst dem Baden wurde natürlich auch viel am Strand gesprungen, so eine Art kindliches Strandjogging!

Musik: Die fremdländische Musik und der Tanz wurden live miterlebt.

Naturkunde und Meeresbiologie: Viele der landestypischen Pflanzen und Bäume, aber auch Fische und Muscheln wurden kennengelernt und bewundert.

Sternenkunde: Saras Interesse an den Namen der verschiedenen Planeten und Sternbilder war und ist immer noch gross.

Mensch, Umwelt und Technologie: Sie befasste sich dort mit den verschiedensten Themen wie z.B. andere Länder andere Sitten, vieles ist anders. Verschiedenste Arten von Verkehrsmitteln und deren Sicherheit: Bus, Eisenbahn, Flugzeug, Fähre, Auto, Elektromobil, Fahrrad, zu Fuss,  usw.  

Bildnerischens Gestalten: Gestalten am StrandMit Sand, Muscheln und einigen anderen Naturmaterialien vom Strand haben die Kinder die verschiedensten Kreationen entworfen! Sie haben erlebt, wie die richtige Konsistenz des Sandes mit Wasser entscheidend ist. Zudem hat Sara den richtigen Umgang mit einem Fotoapparat gelernt und hält die ihr wichtigen Bilder eigens fest.

Mathematik: Mengen und Objekte (Muscheln und Steine) wurden verglichen, geordnet, nach Merkmalen sortiert und gezählt. Masseinheiten wurden handelnd erfahren. Sara lernte den Umgang mit den Euros. Weiter interessierte sie sich  für die Längenmasse wie z.B. die Tiefe des Meeres an einer bestimmten Stelle, den höchsten Berg, die Entfernung von Punkt A nach B, usw.

Soziale Kompetenz: Sara lernte Regeln und Strukturen des fremden Landes kennen und diese einzuhalten. Sie pflegte den Kontakt zu anderen Kindern und wurde von diesen auch zum Spielen abgeholt.

Und so weiter und so weiter und so weiter. . . . . . .

Es hat uns allen so gut gefallen, dass wir gerne noch viel länger dort geblieben wären. Das Erlebte wird nun hier zu Hause von den Kindern in spannendsten Rollenspielen nachgespielt.

Lernen findet definitiv überall statt - falls man es merkt.

21. August 2008

Französischer Lernspass

Kinder lernen Sprachen spielend leicht. Das dürfen wir im Moment auch bei unseren Kindern erleben. Inspiriert von der Zeit mit unserem Ferienkind aus Paris, haben unsere beiden Töchtern das Bedürfnis immer wieder französisch zu sprechen. Es ist ein Spiel für sie und es macht ihnen offensichtlich Spass. Ganz spontan sprechen wir immer wieder zwischendurch französisch miteinander, wobei die Kinder schon ganz gut einfache Dialoge mit mir führen können.

Olivias Lieblingsbuch ist im Moment "Une fête des enfants à Bullerbü " von Astrid Lindgren. Dieses lese ich ihr auf französisch vor und dabei hören Sara und Nalin meistens auch zu. Beim Vorlesen gehe ich nach dem gleichen Prinzip wie beim Sprechen vor: Ich lese zuerst einen Satz vor und übersetze ihn sogleich auf Deutsch. Das klingt vielleicht etwas mühsam, ist es aber überhaupt nicht. Beim Vorlesen ergibt sich ein schöner Flow und wenn sie anschliessend die dazugehörige CD hören, auf welcher die ganze Geschichte ausschliesslich auf französisch gesprochen ist, dann verstehen sie zwar (noch) nicht Wort für Wort, können der Handlung aber sinngemäss folgen und im Buch mitblättern.

Seit mehreren Tagen ist Sara in ein Rollenspiel vertieft. Sie spielt dabei die Geschichte des französischen Engels Amélie, welcher etwas schusselig ist. Dabei spricht sie natürlich nur französisch und kommt immer mal wieder fragen, wie denn das und dies genau heisst. Sie meinte sogar: "Mit mir dürft ihr nur noch französisch sprechen, denn Deutsch verstehe ich nicht mehr!"

Bei Nalin scheint auch so manches hangen bleiben. So schmunzeln wir oft, wenn er seine Sprachkünste plötzlich offenbart. Holt er die anderen zum Essen, so sagt er z.B. nicht wie normalerweise "ässä", sondern ruft "nous pouvons manger - essen!"

Französisch, für die ganze Familie ein spielerisches Vergnügen!

1. August 2008

Zeit mit Ferienkind bald zu Ende

Schon seit über 3 Wochen ist Laetitia, unser Kovive-Ferienkind, bei uns in den Ferien. Wie bereits letztes Jahr mit dem Ferienkind Cindy haben wir miteinander viele neue Erfahrungen machen dürfen.

Auf Empfehlung des Kinderhilfswerkes Kovive und selbstverständlich mit unserem Einverständnis wurde in der lokalen Presse ein Artikel über unsere Erfahrungen mit dem Kovive-Ferienkind publiziert, welchen wir der Bildung Zuhause Community nicht vorenthalten wollen (siehe St. Galler Tagblatt).

Laetitia fährt am Montag wieder nach Hause, nach Paris.

13. Juli 2008

MalkünstlerInnen

Unsere älteste Tochter Sara äusserte heute den Wunsch, wieder einmal an der Malstation zu malen. Und wie das meistens dann der Fall ist, machen sich gleich alle anwesenden Kinder mit ans Werk. Während die Kinder nach Lust und Laune malen und klecksern, bin ich während dieser Zeit mit kleinen, aber wichtigen Dingen Konzentriertes Malenbeschäftigt: fertig gemalte Bilder umhängen, neues Papier an der Wand befestigen, Farbe in die Töpfchen nachfüllen, Wasser wechseln, Pinsel waschen, usw. Immer wieder spannend finde ich, wie sich jedes Kind auf seine völlig eigene Art und Weise ausdrückt. Unser Gastkind Laetitia war ganz überrascht, dass sie malen durfte was und wie sie wollte: "WOW, c'est trop bien!!" rief sie begeistert aus. Und so malten alle ganz konzentriert mehrere Bilder.

11. Juli 2008

Ferienkind aus Paris

Vor einem Jahr durften wir eine sehr schöne Sommerzeit mit unserem Gastkind Cindy aus Paris verbringen. Während des ganzen Jahres hatten wir immer mal wieder Telefonkontakt mit ihr. Sie zählte schon um die Weihnachtszeit die Tage, bis sie wieder zu uns in die Schweiz darf und auch unsere Kinder freuten sich schon lange darauf. Aber wie so oft im Leben kommt Manches manchmal ganz anders. So haben wir erst kürzlich erfahren, dass Cindy diesen Sommer ihre Verwandten in Afrika besuchen gehen darf, was wir ihr natürlich von Herzen gönnen. Deshalb wurden wir angefragt, ob wir auch bereit wären, ein anderes Kind bei uns aufzunehmen.

Nach einer anstrengenden, über 12 Stunden langen Reise zusammen mit etwa 450 anderen Kindern und vielen Begleitpersonen erreichte uns Laetitia heute Mittag. Die vielen neuen Eindrücke hatten sie müde gemacht und liessen auch einige Tränchen über ihre Backen kullern. Dies ist nur allzu verständlich. Ist sie doch erst sechs Jahre alt und wird nun mehrere Wochen von ihrer Mutter, mit welcher sie alleine zusammen lebt, getrennt sein. Für Laetitia ist das eine beachtliche Leistung und ebenfalls für ihre Mutter. Denn diesen Müttern (und Vätern) fällt es meistens auch sehr schwer, sich von ihren Kindern zu trennen. Doch in ihrem Notzustand mit ihren meistens sehr miesen Wohnverhältnissen an schlechtester und lautester Lage, ihrer finanziellen Notlage und oftmals noch anderen Problemen tun sie diesen Schritt aus Liebe zu ihren Kindern. Obwohl diese Kinder vom "Pariser Slum" in die Schweiz in kleine Paradiese in die Ferien dürfen und nachher wieder zurück müssen, zeigen die jahrelangen Erfahrungen von Kovive, dass solche Ferien für diese Kinder sehr nachhaltig sind und diesen Kindern Perspektiven öffnen.

Aus einer völlig anderen Welt, völlig anderer Kultur und Sprache wird es wohl noch etwas dauern, bis Laetitia in "unserer Welt" ankommen wird. Die Kinder tasten sich aneinander heran und verständigen sich mit Händen und Füssen, aber auch mit hochdeutschen und französischen Worten und durften heute schon einen interessanten Nachmittag zusammen erleben.

So wünschen wir Laetitia, dass sie sich bei uns wohl fühlt, schöne Ferien zusammen mit unseren Kindern erlebt und nachhaltige Eindrücke mit nach Hause nimmt.

1. Juli 2008

2. Pro-Lernen *eDu*

*eDu* Ausflug

In diesem schönen Garten durften wir heute den Nachmittag verbringen. Insgesamt 44 Tiere wurden beäugt, bestaunt und befühlt. Angefangen von Wachteln, Zwergwachteln, Vögeln, Katzen, Meerschweinchen, Hasen bis zu Hühnern. Am wunderschönen Teich waren wir hingerissen von den herrlichen Seerosen, die gerade in voller Blüte waren.

Einen sehr schönen Nachmittag durften wir erleben, und wir danken den Gastgebern herzlich dafür.

27. Juni 2008

Motivation für unseren Blog

Kürzlich führten wir mit jemandem über unseren Blog einen interessanten Dialog. Diese Person versuchte herauszufinden, was wir eigentlich mit unserem Blog bezwecken, was unsere Motivation sei, soviel Aufwand in einen Blog zu investieren. Dieses Gespräch gab uns Anlass, über unseren Blog, welcher mittlerweile von einer beachtlichen Anzahl Besuchern pro Monat aus der ganzen Welt gelesen wird, nochmals tiefer zu reflektieren.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wir möchten so vielen Menschen wie möglich Vertrauen in die Welt des Natürlichen Lernens schenken, das der grossen Mehrheit noch unbekannt ist. Wir möchten zeigen, wie diese Art von Lernen funktionieren kann und auch DASS diese Art von Lernen funktioniert. Wir möchten darlegen, wie viel Freude die Kinder am Lernen haben und dokumentieren, was, wie und wo die Kinder lernen, ohne dass wir lehren oder einen Unterricht organisieren. Zudem möchten wir anhand unseres Beispiels demonstrieren, dass wir mit unseren Kindern kein isoliertes Leben führen, sondern immer wieder an interessanten Projekten arbeiten. Des Weiteren können wir mit unserem Blog mit anderen Leuten in Dialog treten und so unser Netzwerk sukzessive erweitern. Gegen die Schule kämpfen möchten wir nicht. Die Person, mit welcher wir diesen Dialog führen durften, meinte dann, dass wir in den Blogs immer wieder subtil einen Seitenhieb gegen die Schule senden würden. Dies soll ein guter Leitstern für uns werden, zukünftig in unserer Wortwahl noch sensibler zu sein. Wie wir mittlerweile wissen, lesen nicht nur Unschooler unseren Blog, und wir schreiben den Blog nicht, um bei Eltern, welche ihre Kinder zur Schule schicken, ein schlechtes Gefühl zu hinterlassen. Im Gegenteil: unser Blog soll Mut und Vertrauen fürs Natürliche Lernen schaffen, was wir auch oft via E-Mails bestätigt bekommen. Dies soll nicht verwechselt werden mit "Werbung machen". Aus Erfahrung mit vielen Eltern wissen wir, dass unser Weg nicht der Weg für jedermann/frau ist. Vielmehr sehen wir uns als Teil einer weltweiten Lern-Bewegung und möchten so unseren bescheidenen Beitrag dazu leisten. Dies haben wir bereits seit Anfang unserer Internet-Aufzeichnungen so formuliert. Auf unserer Webseite heisst es wörtlich:

Basierend auf der Grundhaltung, wie sie im Credo und im Hintergrund beschrieben ist, wollen wir mit Pro-Lernen eine Plattform für uns und für Gleichgesinnte zur Verfügung stellen, mit welcher wir unseren Beitrag zu den vielfältigen Initiativen für Neue Bildung und Neues Lernen leisten wollen.

Es ist aber nicht auszuschliessen, dass sich bei unseren Formulierungen hin und wieder einmal jemand betupft fühlen kann. Es ist jedoch nicht unsere Absicht jemanden zu überzeugen oder gar jemanden in seinen Gefühlen zu verletzen. Wenn wir eine Absicht für die Zukunft vertreten, dann vielleicht diese: sich selber gebildet zu haben und nicht gebildet worden zu sein. Mit dieser Aussage betupfen wir aber bereits wieder diejenigen, die das nicht genau so sehen.

So wünschen wir trotzdem allen Lesern und Leserinnen, allen Unschoolern und allen Schoolern, allen Freunden und Skeptikern viel Befruchtendes und Authentisches beim Lesen dieses Blogs.

3. Juni 2008

Pro-Lernen *eDu*

Inspiriert von den Schulreisen, welche man in letzter Zeit immer mal wieder antreffen konnte, hatten wir die Idee, auch mal eine Pro-Lernen Reise zu veranstalten. Mein Mann stellte aber folgende Frage: "Wieso denn eigentlich nur eine einzige Reise pro Jahr und nicht jeden Monat eine?" Daraus entstand die Idee des Pro-Lernen *eDu*. *eDu* ist doppeldeutig und heisst auf Deutsch ganz einfach "erster Dienstag unterwegs". Als Abkürzung aus dem Englischen übersetzen wir es mit "Bildung". So passt dieser Name ideal zu unserem Lernprojekt. In unserer nahen Umgebung und später auch in der weiteren Umgebung gibt es sehr viele Möglichkeiten für altersgerechte Bildungsausflüge, wie Wanderungen, Exkursionen, Besichtigungen, usw. Ich zeige euch meine Freiheit!Bei der Auswahl möchten wir versuchen, die Aspekte von Kopf, Hand, Herz und Spirit mit einzubeziehen. Den zweiten, dritten und vierten Dienstag im Monat werden wir weiterhin im Wald verbringen und bei sehr nassem Wetter in die Turnhalle ausweichen. Zum Auftakt unseres ersten Pro-Lernen *eDu* sind wir mit dem Bus in den nahegelegenen Walter-Zoo gereist. Dort durften wir mit unseren Kindern einen lern-erfüllten und schönen Tag erleben.

Alle Interessierten, welche regelmässig und aktuell über die Aktivitäten von Pro-Lernen *eDu* informiert werden möchten, können hier unseren Flyer bestellen. Einfach Flyer anklicken und absenden.

27. Mai 2008

Pro-Lernen - Treff im Wald

Bei trockenem und warmem Wetter trafen sich die Appenzeller-Unschooler einmal mehr im Wald.

Nalin und Ayiana Feuer entfachen

Es gibt einige Rituale, welche sich jedesmal wiederholen wie z.B. Holz sammeln, Feuer entfachen und Kochen. Beim Sammeln des Holzes helfen manchmal alle von Gross bis Klein, manchmal sind die Kinder aber auch sehr schnell in intensives Spielen und Erkunden des Waldes und Baches vertieft, sodass wir Erwachsenen die Arbeit des Holz Suchens übernehmen. Spätestens aber beim spannenden Entfachen des Feuers trudeln die meisten Kinder wieder ein und freuen sich, wenn sie mithelfen dürfen. In der speziellen Atmosphäre des Feuers fühlen sich die Kinder wohl und erleben hautnah, wie dieses Element Wärme spendet, Wasser zum Kochen bringt, Nahrungsmittel verändert, nasse Kleider trocknet, Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt Einfach köstlich!

und sie werden sich aber gleichzeitig auch den Gefahren des Verbrennens bewusst. Was man alles mit einem Feuer kochen und bräteln und schmoren kann, probieren wir jedesmal aufs Neue aus und dürfen dabei viel lernen. Von Schlangenbrot, Schoggibananen, diversen Suppen bis zu Gemüse wurde schon viel experimentiert. Als Krönung wurde heute sogar ein Kaffee über dem Feuer gebraut - allerdings nur für die Erwachsenen! So richten wir es uns immer besser und besser ein, stets mit dem Fokus, dass es für alle Beteiligten stimmig ist.

24. Mai 2008

Überraschungs - Mahlzeit

Sara Dhanista hat heute verkündet, dass sie gerne das Mittagessen für Beim Kräuter pflückenuns alle kochen möchte. Das macht sie eigentlich immer wieder mal. Doch anders als sonst war heute, dass sie ganz alleine in der Küche sein wollte. Wer einen harmlosen Versuch unternahm, ihr beim Kochen zuzuschauen, wurde sofort aus der Küche geschickt. Zum kleinen Ärgernis von Olivia Nayana, die schon ziemlich grossen Hunger hatte, wollte sie uns nicht einmal verraten, was sie denn überhaupt kocht. Wir hörten die verschiedensten Geräusche aus der Küche, von Zwiebeln schälen, Pfannen klimpern, bis irgend etwas pürieren. Weiter konnten wir sie beim Kräuter pflücken beobachten  und sahen schliesslich verwundert zu, wie sie die fertig gekochte Mahlzeit statt auf einen Tisch auf die Sandsteinmauer im Garten hinstellte. Bevor sie mit dem Anrichten auf den Tellern begann, widmete sie sich ganz gemütlich der Platzzuteilung auf der Mauer, den Tellern, dem Besteck, den Servietten und den Getränken. Auch an den Waschlappen für Nalin hat sie gedacht.

Das Essen wird angerichtet!Mmmmhh!!  Irgendwann war es dann soweit und wir durften Makkaroni mit Tomatensauce probieren. Es schmeckte. Klar, es hat noch Verbesserungspotenzial. So hat sie z.B. vergessen, das Kochwasser der Makkaronis zu salzen. Dafür war die Tomatensauce gut gewürzt, so dass es kaum störte. Die Kombination des süssen Rahmdesserts mit Kräutern war eher etwas gewagt und wir waren uns alle einig, dass es wohl ohne Kräuter noch leckerer wäre.

Wir freuen uns alle über Sara Dhanista's kreative Kochkünste und sind gespannt, was sie uns als Nächstes servieren wird.

16. Mai 2008

Pro - Lernen - Treff im Wald

Spannendes im KesselWährend der Winterzeit haben wir die Pro - Lernen - Treffs in der Turnhalle abgehalten, was sich sehr bewährt hat. Obwohl uns die Turnhalle nach wie vor am Mittwoch - Nachmittag zur Verfügung steht, werden wir uns für die wärmeren Monate an einem idyllischen Plätzchen im Wald an einem kleinen Bach treffen. Bei sehr schlechter Witterung können wir uns aber jederzeit für die Turnhalle entscheiden.

Ayiana und Nayana Gestern war es zum ersten Mal in diesem Frühling soweit und wir haben nach einer 15 minütigen "Wanderung" unser Plätzchen erreicht. Trockenes Holz für ein Feuer zu finden war heute einfach und schon bald sprudelte die Buchstabensuppe im Kochtopf.  Die Kinder hatten allerhand zu tun mit dem Erkunden des Waldes und Baches. Begeisterung löste ein Frosch aus, welcher sich fangen liess und dann von Hand zu Hand weitergereicht wurde, bis er schliesslich in den kleinen Kessel mit Wasser gesetzt wurde. Später wurde dem Frosch ein Steinhaus gebaut, wo er für kurze Zeit wohnen musste, bis er wieder in Freiheit entlassen wurde.

Gross und Klein spielte miteinander und Nalin, der einzige Knabe heute, wurde immer mal wieder von einem Mädchen angestrahlt und an der Hand über die wackeligen Steine geführt.

Steinhaus für den FroschÜber wackelige Steine

Interessierte Familien sind jederzeit herzlich eingeladen, uns an die "Pro-Lernen - Treffs" zu begleiten!

12. Mai 2008

Treffen des Continuum-Netzwerkes Schweiz

Idyllische Gegend am BachSeit einigen Jahren nehmen wir am jährlichen Treffen des Continuum-Netzwerk Schweiz teil. Hier kommen die unterschiedlichsten Leute zusammen, welche aber alle den gemeinsamen Bezugspunkt des Continuum Concepts von Jean Liedloff haben. Wie das überall der Fall ist, so hat man mit einigen Leuten ganz intensiven Kontakt und lange und spannende Gespräche, mit anderen weniger.

Während die Kinder in einer vorbereiteten Umgebung spielen und die Natur erkunden, besteht für die Eltern jeweils die Möglichkeit, an Gesprächsrunden zu verschiedenen Themen teilzunehmen. Diese finden in einem Kreis auf Strohballen statt, Gesprächsrundewobei der Kreis dann immer kleiner wird, da zuletzt nur noch jene Leute mitreden, die sich auch wirklich für das entsprechende Thema interessieren.

Als wir vor vier Jahren das Thema 'Continuum Concept und Bildung zu Hause' einbrachten, kam uns nur von wenigen Teilnehmern Verständnis entgegen. In diesen vier Jahren muss sich etwas getan haben, da es im Gegenteil nur noch von Wenigen in typischer Weise kritisch hinterfragt wurde. Diese "Ausnahmen" kamen wie üblich mit Fragen über die notwendige Sozialisation und ähnlichem. Jemand meinte sogar, sie würde nicht "Bildung zu Hause" machen wollen, denn sie wolle ihre Kinder ja nicht einsperren! Wie bitte??? Wir sperren unsere Kinder alles andere als ein. Vielleicht sollte man diese Frage umkehren und besser an die Volksschule richten! Die Mehrheit der Leute war aber sehr offen für alternative Schulformen. Jemand bedankte sich sogar bei uns, dass wir unser Lernprojekt so natürlich vorleben, davon berichten und andere teilhaben lassen, ohne zu missionieren. Wir stellten in einem Gespräch auch klar, dass die Umsetzung unserer Bildungsalternative nicht die einzig wahre und richtige Form sei.. Es gibt viele Möglichkeiten und jede Familie muss ihren eigenen Weg dazu finden. "Bildung zu Hause" bzw. "Unschooling" ist ein Weg davon und für uns ist er im Moment genau der Richtige. Es hatte auch Leute mit sehr viel Erfahrung aus alternativen und nicht-direktiven Schulen und sie sind während der letzten Monate immer mehr zur Überzeugung gekommen, dass "Unschooling" einige Vorteile gegenüber Alternativschulen besitzt. Vor allem beeindruckte uns die Aussage, dass die Schule, egal welche, immer ein Risiko darstelle, weil sich die Umgebungsparameter dauernd ändern können. Was einmal für gut befunden wurde, könne sich innerhalb von kurzer Zeit ändern. Andere Lehrpersonen, andere Eltern und auch andere Kinder können ein harmonisches Umfeld jederzeit stören oder gar zerstören. Dies verursache grosse Reibungsverluste und verlange von den Eltern jeweils viel Energie. Als weiteren Grund nannten sie die sehr hohen Schulkosten. Viele haben plötzlich gemerkt, dass sie für das viele Geld, welches sie monatlich für eine Privatschule zu zahlen haben, für eine schöne Umgebung bei sich zu Hause einsetzen können. Zudem wurde ihnen auch bewusst, dass sie zu Hause viel stressfreier Leben können, da die Kinder nicht zu einer bestimmten Zeit zur Schule gebracht werden müssen. Und fast die wichtigste Erkenntnis ist, dass sie zukünftig nicht mehr von den Kindern getrennt sind, sondern mit ihnen die Zeit verbringen dürfen.

Das sind alles Punkte, welche wir persönlich nur unterschreiben können. Es ist immer wieder schön zu merken, dass auch andere Leute darauf kommen. Es waren auch Leute dabei, welche gerade im Begriff sind eine alternative Schule zu gründen. So wachsen überall kleine Pflänzchen, welche eine Diversifikation zur staatlichen Monokultur der Schule bilden und das ist gut so.

Weitere Eindrücke aus dem Treffen:

 Kochen am FeuerMusizieren Hier hat jemand Hunger  Kinder beim Stroh-Werfen

8. Mai 2008

Kreatives Miteinander

Am WassertischEs gibt immer wieder Zeiten, da ist der grosse Sandhaufen in unserem Garten heiss begehrt. Nachbarskinder, Kinder von Freundesfamilien und auch unsere drei Sprösslinge können hier experimentieren, bauen, ausprobieren, matschen und vieles mehr. Der Wassertisch, an welchem "gewässerlet", Sandkaffe gebraut oder Blumentrunks hergestellt werden, ergänzt den Sandhaufen ideal.

Vor kurzem hatten wir Im SandhaufenBesuch von zwei Familien. Die insgesamt sechs Mädchen verschiedenen Alters vergnügten sich fast 5 Stunden lang miteinander beim Sandhaufen. Zwischendurch wurden ihre Puppen spazieren gefahren und es wurde schlafen gespielt oder Blumen gepflückt. Es gab während all dieser Stunden keinen einzigen Konflikt, keine einzige Träne, keinen einzigen Misston. Zwischendurch wurden wir Mütter gerufen, um kurz ihre Werke zu besichtigen oder es hatte jemand Hunger, ansonsten wurden wir kaum gebraucht. Harmonie pur und für alle Beteiligten erfüllende Stunden! Nalin und Olivia haben die Welt um sich herum vergessen

Der Ganzheit wegen möchte ich noch hinzufügen, dass Harmonie bei uns etwas ganz Normales und Alltägliches ist!

7. Mai 2008

Typische Fragen zu Unschooling - Thema Sozialisation

Gerne beantworten wir Fragen, die uns im Kontext unseres Projektes 'Bildung zu Hause' immer wieder gestellt werden. So wollen wir heute zum Thema Sozialisation etwas sagen.

Fragen zu Sozialisation

  • Brauchen die Kinder nicht andere Kinder zum Spielen?
  • Haben die Kinder auch Kontakt zu anderen Kindern?
  • Wie bekommen eure Kinder Freunde?
  • Wie lernen denn eure Kinder soziales Verhalten?

Wir fassen den Begriff Sozialisation ohne akademische Abhandlung einmal bewusst kurz zusammen, so wie wir ihn verstehen.

Mit Sozialisation bezeichnen wir das Hineinwachsen des Menschen in die Gesellschaft.

Wir gehen davon aus, dass jeder gesunde Mensch den Grundtrieb in die Gesellschaft hineinwachsen zu wollen, in sich vorhanden hat. Soziales Verhalten muss dem Kind nicht gelehrt werden. Kinder haben von Anfang an eine eigene Persönlichkeit und sind damit menschlich und sozial kompetente Partner ihrer Eltern. Wir Erwachsenen müssen lernen, scheinbar störendes Verhalten in Botschaften zu übersetzen. Ist es nicht interessant, dass Kinder in 9 von 10 Handlungen die Kooperation suchen und nicht den trotzigen Eigennutz. Es gibt nämlich keine trotzigen Kinder, sondern nur trotzige Eltern. Ein Kind ist von Natur aus sozial. Man kann im Kind das sozial veranlagte Verhalten nur abwürgen. Das ist heute erforscht, nur interpretieren die Erwachsenen das Kindsverhalten aus einer vergangenheitsorientierten Erziehungsperspektive, welche noch nie etwas von gleichwürdigen Gemeinschaften gehört hat (lese Jesper Juul: Das kompetente Kind).

Ein Kind benötigt vor allem Stabilität im Minimum von einer Bezugsperson und eine adäquate Umgebung, wo mit Liebe und Respekt miteinander umgegangen wird. Wir haben dabei selber die Erfahrung gemacht, dass Kinder keine Kinder benötigen. Sie geniessen zwar andere Kinder jederzeit, aber sie brauchen sie nicht. Sie benötigen vor allem die stabile Bezugsperson und diese nicht nur am Morgen und dann wieder am Abend. Gleichaltrige Kameraden oder Freundinnen werden erst in der Phase der Pubertät benötigt (lese Rebeca Wild: Erziehung zum Sein).

Dass die Gleichaltrigenorientierung, wie sie in den meisten Schulen von klein auf praktiziert wird, den familiären Zusammenhalt zerstört und die Entwicklung zu wahrer Eigenständigkeit blockiert, will niemand so richtig hören (lese Neufeld Gordon/Maté Gabor: Unsere Kinder brauchen uns!).

Der Staat hat mit der angeblichen Sozialisierung, die er mit planerischen Massnahmen, resp. mit schulischer Erziehung uns vorgaukelt, vor allem wirtschaftsfreundliche und konsumorientierte Bürger im Fokus.

So antworten wir jeweils, wenn uns die Frage nach der Sozialisierung unserer Kinder gestellt wird: "Welche Sozialisierung meinst Du, Sozialisierung als treuseliger Bankangestellter, als verantwortungsvoller Arzt, als Astronaut, als Computerfreak oder als freischaffender Künstler?" Dann kommt schnell die Präzisierung nach sozialem Verhalten und dem Zusammensein mit anderen Kindern.

Tja. Wir sperren unsere Kinder ja nicht ein. Wir hatten gerade Besuch von zwei Familien mit Kindern und da sagt ein Bild zum Thema soziales Verhalten mehr als tausend Worte.Kinder spielen mit Blumen

2. Mai 2008

Typische Fragen zu Unschooling

Bei Gesprächen und Diskussionen über die Art und Weise wie wir uns die Bildung unserer Kinder vorstellen, kommen immer wieder die gleichen Fragen entgegen. Es sind dabei so offensichtlich immer die gleichen Fragen, dass wir uns schon gefragt haben, wo man diese Fragen nur lernt. Es sind scheinbar individuelle und persönliche Fragen, sind sie aber nicht. Wir kommen in einem späteren Blog auf dieses Thema zurück.

In der Folge wollen wir die typischen Fragen einmal auflisten, die uns immer wieder begegnen.

Sozialisation

  • Brauchen die Kinder nicht andere Kinder zum Spielen?
  • Haben die Kinder auch Kontakt zu anderen Kindern?
  • Wie bekommen eure Kinder Freunde?
  • Wie lernen denn eure Kinder soziales Verhalten?

Schule, Maturität, Ausbildung

  • Warum schickt ihr eure Kinder nicht in eine Privatschule, wo ebenfalls informelles Lernen praktiziert wird? Ihr habt doch eine solche Schule in eurer Gemeinde, oder?
  • Sollte man den Kindern nicht die Freiheit gewähren, in die Schule gehen zu dürfen?
  • Bis zu welcher Klasse wollt ihr Bildung zu Hause praktizieren?
  • Wie schaffen eure Kinder den Übertritt in eine höhere Schule?
  • Wie können eure Kinder überhaupt eine Berufsausbildung machen?

Lernen, Wissen, Können

  • Liegen die Kinder nicht den ganzen Tag faul herum und tun nichts?
  • Wie lernen die Kinder denn Lesen und Schreiben?
  • Wie macht ihr das mit dem Lernen einer 2. und 3. Fremdsprache?
  • Wie lernen eure Kinder höhere Mathematik?

Realität

  • Müssen denn die Kinder nicht auf die Realität vorbereitet werden?
  • Tut es nicht gut, wenn die Kinder auch die harte Realität, welche sie im späteren Berufsleben einmal erfahren werden, bereits in der Schule kennen lernen? (meistens nicht in Frageform)

Generelle Bemerkungen

  • Ich bin halt gegen antiautoritäre Erziehung.
  • Ich bin selber sehr gerne in die Schule gegangen.
  • Unser Kind freut sich jetzt schon auf den Kindergarten und die Schule.
  • Wir werden ja sehen wie es herauskommt.

So kommen Fragen über Fragen. Oft sind es eben keine Fragen, sondern eher unreflektierte Antworten zur normativen Kraft des Gegebenen. In Folge-Blogs beantworten wir die Fragen, wie wir sie jeweils, teils humoristisch, teils fundiert oder oft auch auf ganz unkonventionelle Art beantworten.

Bis bald.

27. April 2008

Bilder des Tages

Den heutigen Sonnentag haben wir in unserem Garten genossen.

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Einfach geniessen.

Wir geniessen eine wirklich sehr schöne Zeit mit unseren Kindern. Etwas vom Schönsten ist, dass wir ganz in unserem eigenen Rhythmus den Tag planen und gestalten können. Unsere Kinder schlafen, bis sie ausgeschlafen sind und von alleine aufwachen (Sie wurden in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Mal geweckt!! Ist kein Witz!) Trotzdem aber stehen sie eher früh auf, da sie auch früh schlafen gehen (Sie gehen gerne schlafen! Das ist auch kein Witz!) Nach dem Aufstehen spielen sie etwas, bis wir dann gemeinsam frühstücken. Während des Frühstücks hole ich bei jedem Kind ab, welche Bedürfnisse vorhanden sind.  Manchmal haben sie ganz konkrete Ideen und Vorstellungen, was sie nachher spielen, tun und lernen möchten. Manchmal wissen sie es auch noch nicht. Zur Zeit sind wir mehrheitlich zu Hause, ganz nach dem Motto: "Je kleiner die Kinder, je näher bleiben wir, je grösser die Kinder, umso weiter dehnen wir uns aus!" Langweilig?? Nein, das ist es bestimmt nicht! Wir versuchen, den Kindern eine interessante und attraktive Lernumgebung zu bieten, was uns bis jetzt auch gelungen ist. Einen grossen Teil der stimulierenden Umgebung bekommen wir alleine schon durch unsere schöne Wohnlage im Appenzellerland geschenkt. Um eine Überflutung und Überstimulierung zu vermeiden, wählen wir unsere Aktivitäten und Exkursionen bewusst aus. Bleiben wir zu Hause, dann kann ich mich nebst den Kindern auch dem Haushalt zuwenden. Während die Kinder meistens in friedlichem Spielen versunken sind, vergeht die Zeit im Nu. Mein Mann und ich geniessen es sehr, die Kinder in ihrem Tun zu beobachten, zu begleiten, falls nötig zu helfen, bei Konflikten gemeinsam eine Lösung zu suchen, mit ihnen zu planen und vor Allem, mit ihnen ZUSAMMEN SEIN zu dürfen. Obwohl mir bewusst ist, dass jedes Alter seine besonderen Reize hat, würde ich manchmal gerne die Zeit anhalten.

Ist das nicht ein Genuss?

20. April 2008

Zugängliche Behörden

Aktuell telefonierte mir die zuständige Fachperson der Behörden für Bildung zu Hause. Sie versuchte mit mir einen Termin für einen Hausbesuch abzumachen, um die eingereichte Reflexion von Sara zu "reflektieren". Da wir mit ihr durch unsere und ihre Kinder auch sonst ab und zu in Kontakt kommen, wusste ich, dass ihr Terminkalender zur Zeit randvoll ist. Sie fragte, ob sie auch erst im Mai kommen dürfe, denn die Bewilligung für Bildung zu Hause fürs kommende Schuljahr bekämen wir sowieso. Daran haben wir ehrlich gesagt auch nie gezweifelt und schlussendlich machten wir einen Termin Mitte Juni ab. Zudem meinte sie, dass sich mehrere Familien bei ihr gemeldet hätten, welche ebenfalls an Bildung zu Hause im Kanton interessiert wären. Die meisten davon würden eher auf unserer Linie praktizieren. Obwohl wir sehr gut mit unserem Projekt "Bildung zu Hause" zurecht kommen, ist uns etwas Verstärkung jederzeit willkommen. Zudem ergänzte die Behördenfachfrau, dass sie die Idee habe, im Herbst ein Treffen für alle Familien zu organisieren, welche in unserem Kanton "Bildung zu Hause" praktizieren. Diese Haltung zeigt, wie zugänglich unsere Behörden sind und dass ein wahres Interesse vorhanden ist, diese Lernalternative in der Praxis zu etablieren. Es fällt uns auch immer wieder auf, dass sie in diesem Thema sehr gut gebildet ist. Begriffe wie "Sudburry Valley School", "informelles Lernen" oder "John Holt" (sie kennt sogar den zweiten Vornamen von ihm!) sind ihr sehr vertraut.

Das sind ja interessante Botschaften.

14. April 2008

1000 Tage Nalin

Genau heute wurde Nalin 1000 Tage alt. Dieses Ereignis musste natürlich gefeiert werden. Für Nalin war es eigentlich ein Tag wie jeder andere und dass er zwischendurch im Mittelpunkt stand, nahm er gelassen hin. Hier sind ein paar Eindrücke von heute:

Nalin am Bauen      Luftschacht entdeckt         Klettergeist      Nalin konzentriert am Bilderbuch schauen