24. Juli 2009

‘Learn NoThing Day’ missglückt!

Ein Tag ohne Lernen ist doch kein Problem, oder doch? Doch, bei uns schon! Denn als wir unseren Kindern von diesem Tag erzählte, schauten sie ganz ratlos drein und wussten gar nicht, was damit gemeint ist. Nalin kamen bald darauf die Tränen und er rief ganz entrüstet aus: “Aber ich will Morgen auch lernen! Ich will nicht ‘nicht lernen’!” Er beruhigte sich sofort wieder, als wir ihm erklärten, dass dies nur ein Spiel ist und er immer und überall lernen darf. Während unsere beiden Töchter sich immer noch vorzustellen versuchten, wie ein ‘Learn NoThing Day’ wohl funktioniert, jubelte unser französisches Gastkind Aarone lauthals und rief, dass sie dann den ganzen Tag TV schauen werde und nur Blödsinn machen werde! Das wiederum fanden unsere Kinder absolut lustig und sie kugelten sich vor Lachen. Auf diese Idee wären sie nicht gekommen!

Dass wir aber an diesem Tag kläglich scheitern würden, war eigentlich voraus zu sehen. Denn alleine mit unserem französischen Gastkind wird täglich jede Menge Französisch gelernt. Eines unserer Kinder meinte heute Morgen:” Jetzt dürfen wir den ganzen Tag nicht mit Aarone sprechen und wenn sie spricht, dann halten wir uns die Ohren zu. Denn sonst lernen wir ja so viel Französisch. Aber heute dürfen wir das doch nicht!” Wir haben dann abgemacht, dass wir heute trotzdem Französisch lernen dürfen, aber sonst nichts ;-)).

So haben die Kinder in der Wasserküche experimentiert, im Insektenführer ein gefundenes Insekt gesucht, zusammen mit Nachbarskindern ein Theater erfunden und sind mit diesen Kindern und ihren Puppen spazieren gegangen. Sara hat bei den Nachbarskindern die Rolle als Dolmetscherin von Aarone übernommen, sie haben viele Fragen gestellt wie z.B. weshalb gibt es in der Wüste kein Wasser, wieso kann es an einem Tag so heiss und am anderen so kalt sein, usw. Sie haben von mir eine Geschichte auf Französisch erzählt bekommen und im Bett vor dem Schlafen hat unsere älteste Tochter noch in einem Buch gelesen.

Jedes mal wenn jemand am Lernen war und dabei ertappt wurde, riefen wir aus: Oh nein, nicht schon wieder ein LERNEL! Das gab viel zu lachen und je länger der Tag dauerte, je mehr wollten sie ertappt werden.

So ist nun unser missglückter ‘Learn NoThing Day’ zu Ende. Und nebst all dem Gelernten beschäftigt unsere Kinder eine Frage ganz besonders: Wieso oder besser warum wohl Aarone nicht gerne lernt?

20. Juli 2009

Gestaltungszimmer

Unser Gestaltungszimmer ist ein ‘Sammelsurium’ von unstrukturiertem Material und Materialien zum Werken, Gestalten und Kreativ-Sein. Viele dieser Materialien finden wir in der Natur wie z.B. Muscheln, Federn, Blütenblätter, Steine, Schneckenhäuser, Tannenzapfen, Rinde, Kastanien, Nussschalen, Sand. Wieder andere Materialien sind direkt aus dem Haushalt wie Deckel von Gläsern, Becher von Rahm, Kartonschalen von Früchten, Korkzapfen, leere Fläschchen, Schachteln, Dosen, Bierdeckel, Kartonrollen, Bänderrollen, leere Zündholzschachteln, Kerzenresten oder Seifenresten. Kürzlich bekamen wir zwei grosse Schachteln farbiges Papier und Karton in bester Qualität von einer Druckerfirma geschenkt, welche dies als Abfallpapier wegwerfen Gestaltungszimmerwollte. Weiter findet man in diesem Zimmer Wolle, Schnüre, Rohwolle, Ton, Gips, Bast, Farben, Stoffe, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Mosaiksteine, Draht, Watte, Seidenpapier, Goldfolie, Transparentpapier, Servietten, Strohstängel, Zimtstengel, Speckstein, eine Malstation, Krimskrams, usw. usf. und natürlich auch das jeweils zugehörige Werkzeug sowie Bastel-und Werkbücher.   Zudem hat es in diesem Zimmer eine Tücherkiste fürs Bauen von Hütten und Höhlen und auch einen Schrank voller Kleider zum Verkleiden. 

Gerade kürzlich haben wir dieses Zimmer etwas aufgefrischt und mit einem zusätzliches Gestell bereichert, was eine bessere Übersicht der Materialien ermöglicht. Zudem haben wir alle geschlossenen Schachteln und Schubladen mit deren Inhalt beschriftet, was den Kindern erleichtert, das gewünschte Material zu finden oder auch wieder zu versorgen. Auch hat es sich bis jetzt sehr gut bewährt, den Boden mit einem festen Tischtuch aus Plastik abzudecken. So ist der darunterliegende Parkettboden gut geschützt und wird geschont, wenn darauf gewerkt und daneben gekleckert wird.

Es gibt für unsere Kinder unterschiedliche Gründe, sich im Gestaltungszimmer aufzuhalten: Entweder sie brauchen einen Gegenstand für ein Rollenspiel und werken sich mit dem vorhandenen Material das Gewünschte. Oder aber sie lassen sich vom Material inspirieren und es gibt daraus ein beliebiges Objekt. Es gibt auch Materialien, welche meine volle Begleitung und auch etwas Vorbereitung meinerseits benötigen, wie z.B. Filzen oder Tonen, und dann bestimmen wir jeweils gemeinsam den geeigneten Zeitpunkt für dieses Vorhaben.

Nicht nur die Kinder, sondern auch wir als Eltern freuen uns über diesen einladenden Raum. Dieser ist allerdings nicht von 0 auf 100 entstanden. Das Einrichten reifte ganz langsam, veränderte sich während den Jahren und entwickelt sich dauernd weiter.

Über die Malstation, welche sich ebenfalls in diesem Zimmer befindet, berichten wir in einem separatem Blog.

19. Juli 2009

Wir bewohnen ein Kinderhaus!

Wie wir schon in verschiedenen Blog-Artikeln hingewiesen haben, sympathisieren wir mit der deutschen Zeitschrift ‘Mit Kindern wachsen – Neue Perspektiven & Wege im Leben mit Kindern’. Wir haben diese Zeitschrift schon beinahe 10 Jahre abonniert.

In der Ausgabe vom April 2009 wurde unter dem Titel ‘Wir bewohnen ein Kinderhaus’ erstmals ein Gespräch zwischen Marie Martin und uns abgedruckt, welches wir hiermit unserer Leserschaft zugänglich machen wollen.

Artikel zum download

Wir sind jederzeit für Rückmeldungen dankbar.

16. Juli 2009

Pro-Lernen *eDu* im Juli

Am diesmaligen Treffen erkundeten wir das Appenzellerland auf wanderlustige Art und Weise.  Es war aber nicht eine gewöhnliche Wanderung, sondern der Appenzeller Barfussweg, welcher auf der ganzen Strecke mit nackten Füssen gelaufen wird. Von Gontenbad wanderten wir bis nach Jakobsbad, vorbei an einem Sumpfgebiet mit viel Moor und Schlamm, wo nach Herzenslust darin gelaufen und gestampft werden konnte. Wandern im Schlammbad Weiter ging’s in idyllischer Landschaft quer durch Wiesen und zum Abschluss entlang des Wissbaches, wo sich alle Kinder ein erfrischendes Bad im kalten Bach gönnten. Für unsere älteste Tochter war das Barfuss laufen nichts Ungewöhnliches, denn sie läuft auch mehrstündige Wanderungen immer am liebsten ohne Schuhe. Auch die anderen Kinder waren sich das Barfusslaufen eher gewohnt. Nicht aber unser französisches Gastkind Aarone, der das Gehen auf Kieselsteinen und Holzhäckseln entsprechend Mühe bereitete.

Müde und erfüllt waren danach jedoch alle und Spass gemacht hat es auf jeden Fall.

12. Juli 2009

Pro-Lernen zwitschert jetzt auch auf Twitter

Neben unserem Pro-Lernen Blog, auf dem wir detaillierte Erfahrungsberichte verfassen, sind wir nun auch auf Twitter erreichbar. Auf Twitter zwitschern wir in Kurzform Neuigkeiten, Kleinigkeiten, Fertigkeiten, Heiterkeiten, Eigenheiten, Besonderheiten oder Feinheiten aus unserem Alltag.

Unsere Veröffentlichungen auf Twitter kann man auch als Feed abonnieren. Wir sind gespannt, was aus dieser Art Kommunikation mit uns geschieht.

Buchrezension "Das Freilerner-Buch" von Jan Hunt

Kleine Kinder lieben die Welt.
Deswegen sind sie so gut darin,
etwas über sie zu lernen.
Denn Liebe,
nicht Tricks und Mentaltechniken,
ist im Herzen eines jeden wahren Lernens.
Können wir uns selbst dazu bringen,
Kinder durch diese Liebe lernen
und wachsen zu lassen?

(John Holt)

In diesem Geist sind die Beiträge von verschiedenen Autoren (Mary van Doren, Nanda van Gestel, John Holt, Kim Houssenloge, Jan Hunt, Dayna Martin, Daniel Quinn, Earl Stevens) im Freilerner-Buch verfasst. Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen mit dem Originaltitel “The Unschooling Unmanual” aus dem Jahr 2008.

Die verschiedenen Beiträge haben eines gemeinsam: es sind tiefgründige und liebevolle Betrachtungen zum Leben ohne Schule – keine wissenschaftliche, politische oder gar kämpferische Ausführungen. Das Buch betont immer wieder, dass Freilernen keine Methode ist. Es ist eine Art die Kinder und das Leben zu betrachten. Freilernen ist keine Technik; Freilernen bedeutet, natürlich, liebevoll und respektvoll zusammen zu leben und zu lernen. Es basiert auf dem Vertrauen, dass Kinder und Eltern die Wege finden werden, die für sie am besten funktionieren. Das Buch vermittelt Vertrauen in das Leben und das Lernen, wie es in den Kindern von Natur aus angelegt ist.

Deshalb können wir das Buch wärmstens empfehlen.

6. Juli 2009

Anregende und vorbereitete Lernumgebung

Wir werden häufig mit der Frage konfrontiert, wie wir denn unsere Lernumgebung gestalten und ob wir nicht einige Tipps dafür hätten. Deshalb werden wir in diesem und auch in einigen folgenden Blogs etwas detaillierter über die anregende Lernumgebung bei uns zu Hause berichten. Es geht uns jedoch nicht darum den Eindruck zu erwecken, dass es alle so wie wir machen sollten. Im Gegenteil! Eine Lernumgebung zu gestalten ist etwas sehr Individuelles und es gibt unzählige Möglichkeiten dafür. Entscheidend ist, dass sie auf die authentischen Bedürfnisse der eigenen Kinder abgestimmt ist. So wie wir es umsetzen ist nur ein Beispiel von vielen.

Da sich unsere Lernumgebung immer und immer wieder verändert und sich jeweils den inneren Bedürfnissen der Kinder neu anpasst, ist dies hier nur ein kleiner, momentaner Ausschnitt, welcher vielleicht einigen als Anregung oder Inspiration dienen kann.

Unser ganzes Haus ist von oben bis unten in kleinere oder grössere Themenbereiche aufgeteilt. Obwohl wir versuchen, so vielseitig und ganzheitlich wie möglich den Kindern Anregungen und Lernmaterial zu bieten, achten wir auch darauf, dass das Haus nicht zu überfüllt und zu überladen ist. Hier folgt nun mal ein kleiner Überblick: So haben wir ein Gestaltungszimmer mit vielen unstrukturierten Materialien und einer Malstation à la Arno Stern, eine Handwerker-Ecke, ein Zimmer mit Zahlen- Buchstaben- und Schreibmaterial sowie persönlichem Pult, Klangecke, Mandalagalerie, Verkleidungsschrank, Puppengalerie, Kinderbibliothek, Kinderzimmer, welches sich ständig wandelt, eine Computerstation, Klötzchenecke, in der kälteren Jahreszeit ein Hüpfzimmer, eine grosse Küche, ein Raum mit viel Material für Rollenspiele, diverse grosse Wandkarten wie z.B. Schweiz, Europa, Erde, Universum mit Sternen sowie eine Wasserküche, welche gerade zu einem Alchemisten-Labor umgewandelt wird. Nebst vielen weiteren kleinen Details, welche wir hier nun nicht alle aufzählen, gehört bei uns auch eine ruhige und naturnahe Aussenumgebung mit Gelegenheiten zum Klettern, Schaukeln, Springen, Gärtnern und vielem mehr dazu. Wie wir die einzelnen Themenbereiche gestalten, berichten wir in weiteren Blogs!

Eine Lernumgebung anregend zu gestalten ist wichtig, damit überhaupt Lernen stattfinden kann. Und ebenso wichtig ist, dass die Lernumgebung entspannt ist, da sonst bekanntlich die Lernenergie blockiert wird. Dazu gehört LIEBE und RESPEKT, was für uns persönlich als das Wichtigste gilt.